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Sorgenkind der Potsdamer Wohnungswirtschaft

Schlaatz bleibt Problemviertel Sorgenkind der Potsdamer Wohnungswirtschaft

Das Potsdamer Wohngebiet Schlaatz ist in der jüngsten Zufriedenheitsumfrage bei Ordnung, Sicherheit und Attraktivität weiter abgesackt. Wohnungswirtschaft und soziale Einrichtungen sind auch deshalb alarmiert, dass die Stadt sich aus der Förderung über das Programm Soziale Stadt zurückzieht. Projekte wie der Integrationsgarten seien akut gefährdet.

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Auf dem Weg zum Rewe-Markt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Schlaatz. Mit Warnungen führender Vertreter der Wohnungswirtschaft endete am Dienstag ein „Fachgespräch zur Entwicklung des Wohngebietes am Schlaatz“ im Bürgerhaus. Als „ganz großes Problem“ bezeichnete Bodo Jablonowski, Vorstandssprecher der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“, die Trinker, die sich seit der Neueröffnung des Rewe-Marktes in der Schlaatzer Welle aufhielten. Eltern würden ihre Kinder nicht mehr zum Einkaufen schicken aus Angst, dass man sie dort anpöbelt. Wenn dann noch der Revierpolizist für Monate ausfalle und es keine Ansprechpartner für die Sorgen der Mieter gebe, „baut sich Frust auf und das führt dazu, dass die Leute auch wieder wegziehen“. Gewoba-Chef Jörn-Michael Westphal sagte mit Verweis auf die jüngsten Zufriedenheitsumfragen dass man „genauer hinschauen“ müsse.

Tatsächlich sackt der Schaatz in der Beliebtheit weiter ab. Bei der Bürgerumfrage 2014 war das Wohngebiet nach Befragung der Bewohner zu ihrem jeweiligen Stadtteil in drei Kriterien Schlusslicht: bei den „Grün- und Erholungsflächen“, bei der „Attraktivität des Stadtteils“ sowie bei der „Sauberkeit der Straßen und Plätze“. Nach der 2015 durchgeführten Umfrage, deren Ergebnisse kürzlich vorgestellt wurden, ist der Schlaatz nun auch beim Thema „Öffentliche Sicherheit/Schutz vor Kriminalität“ Tabellenletzter. Die Note dafür fiel von 3,93 auf 4,15. Verschlechterungen im Vergleich zum Vorjahr gab es bei der Bewertung der Attraktivität des Stadtteils (von 4,12 auf 4,15) und bei der Sauberkeit (von 4,21 auf 4,31).

Zwar gab es in den Beiträgen der Experten am Dienstag lobende Worte für die Entwicklung des Wohngebietes mit der Stadtvergleich jüngsten Bevölkerung. Doch immer schwangen mahnende Worte mit. Das Leitmotiv gab Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) vor, die den Schlaatz als „buntesten und lebendigsten“ Stadtteil der Landeshauptstadt bezeichnete. Dann aber stellte sie die Frage, wie „wir“ den Schlaatz „stabilisieren und weiter entwickeln“ können, damit „die Bevölkerung nicht das Gefühl hat, abgehängt zu sein“. Die Dezernentin mahnte sie gemeinsame Anstrengungen an, „dass der Schlaatz nicht kippt“.

Immer wieder wurde in der Diskussion mit Blick auf Projekte und Initiativen „Verstetigung“ angemahnt. So droht dem Integrationsgarten das Aus, weil die Finanzierung völlig unklar ist. Katrin Feldmann vom Sanierungsträger Stadtkontor sprach „vom größten Sorgenkind“. Stefan Grzimek, Chef des Vereins Soziale Stadt, forderte für Einrichtungen wie das Friedrich-Reinsch-Haus eine „Daseinsfinanzierung, die es erlaubt, fachkundige Mitarbeiter kontinuierlich zu beschäftigen“.

Zahlen zum Schlaatz

8995 Menschen wohnten Ende 20915 am Schlaatz, bei einer Gesamtbevölkerung von 167 505 Einwohnern waren das 5,4 Prozent aller Potsdamer.

Der Schlaatz hat mit einem Durchschnitt von 39 Jahren die jüngste Bevölkerung der Landeshauptstadt. Durchschnittsalter gesamt: 42,5 Jahre.

Der Ausländeranteil ist mit 16,2 Prozent der höchste Potsdams. Durchschnitt für die Stadt: 6,5 Prozent.

Auch der Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrun d ist mit 22 Prozent der höchste in Potsdam. Gesamtdurchschnitt: 10,6 Prozent.

Der Arbeitslosenanteil lag Ende 2015 bei 14,2 Prozent. Vergleichszahl für ganz Potsdam: 5,6 Prozent.

Dazu aber hatte es gerade in der jüngsten Stadtverordnetensitzung eine Absage von Stadtentwicklungschef Andreas Goetzmann gegeben, der auf Anfrage von Linken-Kreischef Sascha Krämer bestätigte, dass die Kofinanzierung des Bundesprogramms Soziale Stadt für den Schlaatz 2018 endet: Die Verwaltung gehe „davon aus, dass die Beteiligten vor Ort auch ohne öffentliche Förderung die integrative Arbeit im Stadtteil fortsetzen“, sagte Goetzmann.

Krämer kommentierte am Rande der Veranstaltung im Bürgerhaus, „Ehrenamt alleine“ könne die Herausforderungen „nicht meistern“. Deshalb sei es „wichtig, dass die Stadt sich zum Programm ,Soziale Stadt’ bekennt und für die Weiterführung einsetzt“.

Von Volker Oelschläger

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