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Stadt Potsdam sieht Welterbe nicht gefährdet

ILB-Neubau in Potsdam Stadt Potsdam sieht Welterbe nicht gefährdet

Der Neubau der Investitions- und Landesbank Brandenburg (ILB) am Potsdamer Hauptbahnhof stellt allein keine Bedrohung des Welterbetitels dar. Doch für manche Denkmalpfleger summieren sich die vielen geringfügigen Zugeständnisse bei Bauhöhen und -massen in der Stadt langfristig zu einem echten Schaden für das Welterbe.

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So soll der ILB-Neubau aussehen. Experten kritisieren, dass der Bau das Welterbe beeinträchtigt.

Quelle: PR

Potsdam.  Die Stadt Potsdam und die Investitions- und Landesbank Brandenburg (ILB) weisen Vorwürfe zurück, wonach der Neubau der Bank am Potsdamer Hauptbahnhof höher gebaut wird, als im Bebauungsplan vorgesehen. „Die derzeitige Errichtung der Gebäude erfolgt ohne jegliche Abweichung vom gültigen Bebauungsplan“, sagte ILB-Sprecher Matthias Haensch.

Stadtsprecher Stefan Schulz verwies darauf, dass „eine Befreiung vom Bebauungsplan nicht notwendig gewesen“ sei, da dieser in Übereinstimmung mit dem Vorhaben der ILB im März 2015 von der Stadtverordnetenversammlung geändert worden ist. Der Bebauungsplan musste angepasst werden, um an dieser Stelle ein Verwaltungsgebäude errichten zu können. Ursprünglich war dort nur Wohnbebauung vorgesehen. „In dem Verfahren sind alle angehört worden“, sagte Schulz in Bezug auf Aussagen, dass die Stadtverordneten nicht mit einbezogen worden seien.

Die im Frühjahr vom Stadtparlament beschlossene Planänderung erlaubt eine „Überschreitung der Höhenvorgabe aus dem Bebauungsplan um 0,6 Meter“ für den Neubau. Weil die künftige ILB-Zentrale in der sogenannten „Langen Sicht“ vom Babelsberger Park zum Schäfereiberg bei Geltow gebaut wird, ist die maximale Gebäudehöhe auf der Havelseite trotz der leichten Anpassung auf 21,8 Meter beschränkt.

Der Neubau der Investitionbank des Landes (ILB)

Die künftige Zentrale der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) entsteht derzeit zwischen dem Potsdamer Hauptbahnhof und der Neuen Fahrt. Der erste Spatenstich wurde im Dezember 2014 gefeiert. Ende 2016 soll der Bau abgeschlossen sein.

Auf dem 22000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen drei miteinander verbundene Gebäudeteile für 700 Mitarbeiter. Insgesamt investiert die ILB 94 Millionen Euro für den Bau.

Der Entwurf stammt vom international tätigen Architekturbüro Jürgen Engel, das den städtebaulichen Wettbewerb im Jahr 2012 gewonnen hat.

Die drei Bauteile verfügen jeweils über einen Innenhof, der sich an einer Seite zur Landschaft hin öffnet. Das „Auengeschoss“ bildet als Sockelgeschoss die Basis für die drei Pavillons und beherbergt   Besprechungsräume, Mitarbeiter-Restaurant und Cafeteria.

Die Diskussion um mögliche Vergrößerungen des ILB-Neubaus begannen am Dienstag bei einer Podiumsveranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum des Potsdamer Welterbetitels. Ramona Dornbusch, die bis zum Juli als Denkmalpflegerin für die städtischen Bereiche des Welterbes verantwortlich war, warb dabei für die Vorbildrolle von Landeseinrichtungen beim Bauen in sensiblen Bereichen. Dass gerade die landeseigene ILB höher bauen würde, nannte sie in diesem Zusammenhang „unverständlich“. Ihre Kritik sei nicht gegen die ILB gerichtet, sondern gegen die zunehmende Verdichtung der Stadt mit vielen, sich addierenden kleinen Planänderungen. „Es existiert eine ,Leberwursttaktik’ nach dem Motto ,Darf es etwas mehr sein?’, die ich kritisiere“, sagte Dornbusch. Bei der ILB handle es sich nur um eine „geringfügige Änderung“, aber als Kulturgutschützerin müsse sie das große Ganze im Auge behalten, verteidigte sie ihre Kritik.

„Die ILB verstellt keine große Sichtachse und ist keine akute Bedrohung des Welterbetitels. Aber der Neubau ist ein weiteres Stück in der städtischen Verdichtung und jede Verdichtung schmälert den Aussagewert des Welterbes“, präzisierte Dornbusch ihre Aussagen vom Podium. Andererseits lobte sie „das außergewöhnliche Engagement aller Akteure“ bei der Bewahrung und Wiederherstellung des Welterbeareals in den vergangenen 25 Jahren.

Stadtkonservator Andreas Kalesse bestätigte, dass auch die Denkmalpflege die Änderung des Bebauungsplans mitgetragen habe. „Ich sehe auch keine grundsätzlichen Probleme für das Welterbe in Potsdam“, sagte Kalesse. Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke teilt dagegen die grundsätzlichen Befürchtungen von Ramona Dornbusch. „Die Stadt darf nicht hochwachsen. Es gibt begründete Fälle, aber dass es immer wieder Ausnahmen wie zuletzt bei der Aufstockung des Klinikums Ernst-von-Bergmann gibt, ist nicht akzeptabel“, sagte Hüneke.

Von Peter Degener

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