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Statt Asylunterkunft heißt es Abriss

Leerstehender Plattenbau Statt Asylunterkunft heißt es Abriss

In Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) steht seit geraumer Zeit ein Plattenbau leer. Geht es nach dem Landkreis, könnten dort Flüchtlinge unterkommen. Doch in der Stadt setzt man lieber auf Abriss, eine Sanierung wäre teuer und aufwendig. Auch so wird Rheinsberg Flüchtlinge aufnehmen – mehr als andere Gemeinden.

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Für Ralf Reinhardt (l.) ist der Block besser als jede Turnhalle.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Die Rheinsberger Wohnungsgesellschaft (Rewoge) verschiebt den Abriss des leerstehenden Wohnblocks in der Straße Am Stadion nicht bis zum Frühjahr. Bürgermeister Jan-Pieter Rau, der auch den Aufsichtsrat der Rewoge leitet, sieht keine Chance dafür. „Ich kann mir das nicht vorstellen“, sagt er auf Nachfrage. Damit erteilt er Landrat Ralf Reinhardt (SPD) erneut eine Absage. Reinhardt will den heruntergekommenen Plattenbau nutzen, um wenigstens vorübergehend Flüchtlinge unterzubringen.

Dass die Rheinsberger den Block nicht verkaufen wollen, muss der Landrat akzeptieren. Er ist auf das Entgegenkommen der Kommunen angewiesen. Erzwingen kann er den Verkauf nicht. Der Kreis kann das Haus auch nicht beschlagnahmen. „So etwas geht vielleicht in Großstädten“, sagt der Landrat. In Brandenburg sieht er dafür rechtlich keine Möglichkeit.

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Stadtchef hält das Haus für unbewohnbar

Frühestens am 5. Oktober darf die Rewoge mit dem Abriss beginnen. Reinhardt hofft, sie bis dahin doch noch bewegen zu können, den Termin zu verschieben. Rau hält das Haus jedoch für unbewohnbar. Zudem lasten auf dem Block Altschulden aus DDR-Zeiten. Sollte der Kreis den Bau kaufen, müsste er auch die übernehmen, sagt der Bürgermeister. Kauf und Sanierung würden Millionen verschlingen. Rau hält das für nicht vertretbar. Der Landrat sieht dagegen keine Alternative. Ohne Wohnungen müssten Flüchtlinge im Winter wohl in Turnhallen und möglicherweise in Zelten leben.

Das Verhältnis zwischen Landrat und Bürgermeister ist inzwischen angespannt. Beide beklagen, dass der jeweils andere sich nur schriftlich zu Wort meldet und kein persönliches Gespräch zustande kommt. Rau ist zudem irritiert, dass der Landrat sich am Donnerstag den städtischen Wohnblock in Rheinsberg angesehen hat (die MAZ berichtete) und er als Eigentümer nicht eingeladen war.

Stadt will ihren Beitrag leisten

Es gehe keinesfalls darum, dass Rheinsberg keine Flüchtlinge aufnehmen will, versichert Rau. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten, und tun das auch“, sagt er. Der Kreis will in Rheinsberg und seinen Ortsteilen so viele Flüchtlinge unterbringen wie in kaum einer anderen Gemeinde. 350 werden es mit den Unterkünften in Kleinzerlang, Zechlinerhütte und Luhme bis Ende des Jahres sein, sagt Rau: „Und wir stellen weitere 20 Wohnungen zur Verfügung.“

Doch das reicht bei Weitem nicht, um alle Menschen aufzunehmen, die erwartet werden. „Der Landkreis beabsichtig in vielen Kommunen einschließlich der Stadt Rheinsberg weitere Objekte als Notunterkünfte in den Notfallplan des Landkreises zur Aufnahme von Flüchtlingen aufzunehmen“, ließ Kreissprecherin Britta Avantario wissen. Aus Angst vor Anschlägen werden Details aber erst kurz vor dem Einzug der Flüchtlinge bekanntgeben.

Von Reyk Grunow

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