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Hotel könnte Wohnungen verdrängen

Streit um den Packhof in Brandenburg an der Havel Hotel könnte Wohnungen verdrängen

Die Sorge um das Packhof-Areal in Brandenburg an der Havel treibt Kommunalpolitiker, Verwalter und Stadtbewahrer um. Konsens war bisher, den Packhof mit Wohnungen zu bebauen. Doch Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) bevorzugt offenbar einen Hotelkomplex. Wegen ihrer zurückhaltenden Informationspolitik brodelt die Gerüchteküche.

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Ein vergleichbarer Bau zur Brandenburger Größenordnung: Das Radisson Blu Hotel in Cottbus ist von der RIMC entwickelt worden. Es hat 241 Zimmer, 1400 Quadratmeter Tagungsfläche in sieben Räumen für 420 Personen und sowie ein Wellness--Center in der neunten Etage.
 

Quelle: Archiv

Brandenburg/H.  Die Sorge um das Packhof-Areal treibt Kommunalpolitiker, Verwalter und Stadtbewahrer um. Auslöser waren Aussagen von Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU), die einen jahrelang gepflegten Konsens für eine verdichtete, gleichwohl moderne und anspruchsvolle, Wohnbebauung über den Haufen geworfen hat. Stattdessen will sie nun auf die hochwertigste innerstädtische Fläche einen Hotelkomplex mit mindestens 300 Betten hinstellen, inklusive eines Tagungs- und eines Wellnesstraktes.

Schon kursieren Gerüchte in der Stadt, Tiemann wolle bereits zur Sitzung des Hauptausschusses am 16. November eine Beschlussvorlage zum Verkauf eines großen Grundstückes auf dem 4,5-Hektar-Areal einbringen. Zudem verzichte sie auf ein Bebauungsplanverfahren, sondern lasse das Hotel über den so genannten Lücken-Paragraphen des Baugesetzbuches analog zur Sankt-Annen-Galerie errichten. Dann wären sämtliche Beteiligungs- und Einspruchsmöglichkeiten für Bürger, Verbände und Organisationen ausgeschlossen.

Diesen Gerüchten widerspricht die Oberbürgermeisterin auf MAZ-Anfrage. „Nein, das Grundstück wird selbstverständlich nicht einfach so verkauft. Wir haben als Stadt hochwertige Entwicklungsvorstellungen für den Packhof, die wir vorher ausschreiben und diesen Bedingungen muss sich jeder Investor gleich unterwerfen.“

Gleichwohl berichtete sie selbst bereits mehrfach, einen interessierten Investor an der Hand zu haben - dies sei das Ergebnis mehrerer eigener Investorenreisen sowie von Einladungen in die Stadt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um die RIMC International Hotel Resort Management and Consulting GmbH aus Hamburg. Deren Geschäft besteht aus dem Betreiben und Managen von Hotels, dem Erstellen von Hotelkonzepten und deren Umsetzung. „Die RIMC schreibt niemals den eigenen Namen auf ein Hoteldach, sondern nutzt per Franchise international bekannte Flaggen“, heißt es auf ihrer Internetseite. So werden Marken wie Sheraton, Radisson Blu oder Steigenberger verwendet, RIMC betreibt beispielsweise auch das Radisson Blu in Cottbus.

Tiemann will den Partner weder bestätigen noch dementieren. Ihren eigenen Stimmungsumschwung innerhalb des vergangenen halben Jahres beschreibt sie so: „Wie ich es schon am 28. Mai in der gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses und des Sanierungsbeirates und zuletzt in der SVV am 28. Oktober ausgeführt habe, wollen wir Wohnen, Erlebnis und Tourismus für unsere Stadt weiterentwickeln und damit den Schwung aus unserer Bundesgartenschau jetzt nutzen. Hier haben wir eine große Chance, die wir nicht zerreden sollten. Es wäre schade, wenn wir den Schwung von mehr als einer Million Buga-Besuchern in unserer Region nicht weiter nutzen und im Tourismus weitere Attraktionen und Arbeitsplätze für unsere Stadt schaffen würden.“

Wohnhäuser wie sie bislang über Jahre präferiert wurde, könne sie sich lediglich im „vorderen Teil des Packhofes - also an Eichamt- und Packhofstraße als abrundende Wohnbebauung sehr gut vorstellen“.

Erst einmal müsste sie Mehrheiten für ihre Pläne organisieren. Die CDU folge ihr, hat jüngst Fraktionschef Jean Schaffer öffentlich erklärt. Schwieriger dürfte es bei den anderen Fraktionen sein. Die Linke habe die Wohnbebauung in ihrem Wahlprogramm stehen, betont Parteichef Lutz Krakau. „Wir können davon nicht abrücken, das haben wir den Wählern versprochen.“ Zwar träumen in der Fraktion immer noch einige von einem Teil Sozialwohnungen an diesem Ort, wegen der tiefen Gründung auf wackeligem und vergifteten Grund sind dafür aber die Baukosten viel zu hoch.

Ein Riss geht – wie so häufig – quer durch die SPD-Fraktion. Deren Chefin Britta Kornmesser hat sich aufs Wohnen festgelegt, ihr innerparteilicher Widerpart Dirk Stieger aufs Hotel. Schwankend ist beispielsweise noch Norbert Langerwisch. Er strebt ein Kopplungsgeschäft an: Zustimmung, wenn sich gleichzeitig auf der anderen Brache Stärkefabrik etwas bewegt. Deren Besitzer Isarkies wollte ursprünglich ein E-Center nebst Fachmärkten dort errichten. Jetzt hat das Unternehmen den renommierten Verwaltungsrechtsanwalt Peter Dankert engagiert, der am Mittwoch bei einem Termin mit Tiemann vorfühlen will, was geht. Die Marschrichtung gibt sie nun selbst vor: „Ich würde mir wünschen, dass es hier einen Fortschritt gibt, ich könnte mir dort zum Beispiel auch Wohnen am Wasser gut vorstellen. Wenn es eine entsprechende Entwicklung gibt, kann man das nur unterstützen.“

Von André Wirsing

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