Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Verdichtete Wohnbebauung für den Packhof

Stadt Brandenburg will Filetgrundstück verkaufen Verdichtete Wohnbebauung für den Packhof

Der Packhof in Brandenburg könnte mit dem Ende der Bundesgartenschau bereits verkauft sein – ganz oder in Teilen, kündigt Baubeigeordneter Michael Brandt (CDU) an. Geplant ist eine Grundstücksvergabe, möglicherweise gleich nach der Sommerpause. Allerdings steht noch nicht fest, wer das Filetgrundstück an der Nordspitze der Neustadt bekommen soll.

Voriger Artikel
Kritik an geplanten Stadtvillen
Nächster Artikel
Den Energiefressern auf der Spur

Wo jetzt die Schaugärten der Buga stehen, könnten in einiger Zeit zauberhafte Wohnungen gut betuchte Neubürger in die City locken.

Quelle: Buga-ZV

Brandenburg an der Havel. „Wir nutzen natürlich auch die Buga als ,Türöffner' und haben schon mehrere Investorenreisen organisiert“, bestätigt Brandt. Er selbst sei nach einem solchen Rundgang bereits von mehreren Interessenten für das 4,5-Hektar-Areal angesprochen worden. Auch Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann und Bürgermeister Steffen Scheller (beide CU) seien mit potenziellen Investoren im Gespräch. „Wir haben aber noch keinen Vorvertrag in der Tasche.“

Vor einem möglichen Verkauf seien noch viele Fragen zu klären, beispielsweise zur Art des Planens. So seien Bebauungspläne unumgänglich, die Frage sei, wie viele. „Wir als Stadtspitze plädieren für einen Gesamtplan – unabhängig davon, ob wir das Areal in großen oder kleineren Teilen weggeben.“ So behalte sich die Stadt umfangreiche Mitspracherechte vor, Brandt will sogar – entgegen aller bisherigen Gepflogenheiten –, dass die Stadt die Planungen und sogar Erschließungen mit finanziert.

Stadt formuliert neue Ziele

Der Beigeordnete rückt plötzlich auch von den Zielen ab, welche Tiemann und Stadtplanerin Andrea Kutzop jüngst zur gemeinsamen Sitzung von Sanierungsbeirat und Bauausschuss formuliert hatten. So sollte nämlich die Lücke an der Packhofstraße/Ecke Eichamtstraße zuerst bebaut werden – womöglich durch örtliche Investoren mit vier- und fünfgeschossigen Wohnhäusern, die sich in die Nachbarbebauung einfügen.

Davon rückt Brandt ab. „Wir begeben uns möglicherweise in Zielkonflikte. Wenn wir vorne schnell bebauen, haben wir eventuell bereits so viele Emissionen, dass wir auf den hinteren Flächen nicht mehr agieren können.“ Das heißt im Klartext: Durch neue Bauten wird der Kiez rings um die enge Packhofstraße mit mehr Verkehr belastet.

Packhof-Wettbewerb

Schon 2009 hat sich der renommierte Schinkel-Wettbewerb mit der Bebauung des Packhofs beschäftigt.
Gewonnen hatte ein Entwurf von Wulf Ingo Böer und Simon Lindhuber, der hypermodern und alt erscheint. Die Gewinner setzten auf einen eng verdichteten mehrgeschossigen Wohnungsbau für viele Leute an der zentralsten Brandenburger Lage, der eine „fast mittelalterlich dicht anmutende Stadtstruktur mit engen Erschließungsgassen mit einer skulptural gegliederten Dachlandschaft und innovativen Bauformen zu einer zeitgemäßen architektonischen Gestaltung weiterentwickelt“, so die Jury damals.

Das gilt auch, wenn ein Parkhaus errichtet wird. Allein beim Parkhaus deuten sich Konflikte an: Das erzeugt Lärm, eine Tiefgarage dürfte in dem wackeligen und belasteten Modder-Untergrund schlicht unbezahlbar sein.

Auch ein Hotel soll kommen

Wenn solche Konflikte schon nicht zu lösen sind, gibt es kaum eine Chance für das neue Lieblingsprojekt der Stadtspitze – ein Tagungs- und Kongresshotel, das nun auch noch auf dem Packhof platziert werden soll.

Im schlimmsten Fall könnte es also passieren, dass nur ein Hotel einsam auf der grünen Wiese steht, oder dass die städtebaulich gewollten Achsen in Verlängerung der Eichamtstraße sowie rechtwinklig dazu vom Stadtwerke bau in Richtung Kleins Insel nur unvollständig und lückenhaft bebaut werden. Zuvorderst steht, wie Kritiker des Verwaltungsplans glauben, allerdings das Verkaufsproblem: Gibt die Stadt den Packhof jetzt weg, könnte ein Investor auf Zeit spielen, um seine Vorstellungen von Architektur und Bebauungsdichte irgendwann durchzusetzen.

Dass es dann schwierig werden dürfte, in einen Durchführungsvertrag von Stadt und Investor, „noch jede Menge Architekturqualität dranzupacken“, gibt selbst Michael Brandt unumwunden zu.

Von André Wirsing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bauen & Wohnen


Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg