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Wer seinen Müll nicht selbst zieht, muss zahlen

Müllentsorgung in Potsdam Wer seinen Müll nicht selbst zieht, muss zahlen

Bis Jahresende lief alles bestens mit der Tonnenleerung in Potsdam. Die Step holte Säcke, Tonnen und Container ohne Zusatzkosten auch von Standplätzen ab, die schwer erreichbar waren. Seit Jahresanfang wird dafür eine „Ziehgebühr“ verlangt. Das hat mitunter absurde und geruchsintensive Folgen.

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In der Carl-von-Ossietzky-Straße 5 stellt Hausmeisterin Elisabeth Krolewicz die Tonnen auf die Straße und erspart den Mietern die Ziehgebühr. Foto: Rainer Schüler

Brandenburger Vorstadt / Potsdam-West. Wenn in der Carl-von-Ossietzky-Straße der Müllmann „klingelt“, ist es vieler Orten mit dem Schlaf vorbei. Die Tonnen aus Hinterhöfen durch gepflasterte Durchfahrten zur Straße zu ziehen und zurück zum Standplatz, ist eine weit verbreitete Krachmachprozedur, doch in einigen Bürgerhäusern sind echte Männer schwer gefordert. Dort liegen nämlich ein paar Treppenstufen zwischen Hof und Straße: Da wuchtet der Müllmann die schwarze Restmülltonne drei bis vier Stufen hoch und im leeren Zustand dann auch wieder runter. Jeder, selbst die Bewohner unterm Dach, sind danach wach.

Seit Jahresanfang gibt es die „Ziehgebühr“

Doch diese bislang unbezahlte Kraftarbeit muss der Müllmann jetzt nicht mehr verrichten, zumindest nicht mehr unbezahlt. Seit Jahresanfang nämlich gibt es nicht nur die braune Bio-Tonne, sondern auch die Ziehgebühr, die man der Stadtentsorgung zahlen muss, wenn die Männer in Orange mehr als 15 Meter zur Tonne laufen müssen. Wer die Gebühr nicht zahlen will, und das sind die meisten Hauseigentümer, beauftragt einen Hausmeister oder einen Grundstücksbetreuung mit dem Job, der hier und da in Potsdam für richtig Ärger sorgt.

Zur Abholung bereit, offen für jeden Fremdzugriff und für die Krähen

Zur Abholung bereit, offen für jeden Fremdzugriff und für die Krähen: Containerstandplätze in der Knobelsdorffstraße.

Quelle: Rainer Schüler

In der Knobelsdorffstraße von Potsdam-West etwa stehen die schwarzen und die gelben Tonnen oft früh am Vorabend der Leerung vor den verschlossenen Sammelstellanlagen, frei zum Zugriff durch Jedermann. Das regt MAZ-Leser Hans-Dieter Paul schon lange auf: Die Container auf dem Fußweg sieht er als Unfallquelle in der Nacht. Weil zudem die Deckel die meiste Zeit offen sind, pflücken Krähen den Inhalt auseinander, verstreuen alles in der Gegend; die Müllmänner sind keine Fegetruppe. Andere Zeitgenossen nutzen die Chance und packen ihren eigenen Müll bei andern obendrauf oder laden ihn daneben ab. Sogar Autos hat Paul schon halten und sich ungeniert entladen sehen, nachts vor allem, in letzter Zeit aber auch sichtlich auf dem Weg zur Kita.

Regeln für das Tonnen-Ziehen

Beim Teilservice lässt der Hauseigner die Abfallbehälter und -säcke gemäß Paragraf 20 Absatz 2 der Abfallsatzung die Tonnen und Säcke auf den Gehweg bzw. neben dem Fahrbahnrand stellen.

Die Bereitstellung hat am Entleerungstag spätestens bis 6 Uhr, jedoch frühestens ab 18 Uhr des Vortages, so zu erfolgen, dass der Straßen- und Fußgängerverkehr nicht behindert oder gefährdet wird und der Abtransport problemlos und schnell möglich ist.

Beim Vollservices nach Absatz 3 werden die Abfallbehälter vom Standplatz geholt und zurückgestellt, wenn Standplatz und Transportweg sicher, hindernisfrei und beleuchtet sind, der Transportweg unter 15 Meter ist, rutschsicher und frei von Stufen. Ein Gefälle muss unter 5 Prozent liegen.

 

Die Vollservicegebühr beträgt 177,88 Euro pro Jahr und Tonne bei wöchentlicher Leerung. Ein 120-Liter-Restabfallbehälter mit Leerung aller zwei Wochen sowie eine 60-Liter-Biotonne mit wöchentlicher Leerung kosten im Teilservice 159,18 Euro zuzüglich Grundgebühr pro Jahr. Im Vollservice kostet es 266,82 Euro mehr pro Jahr.

Vermieter der „Paulschen“ Häuserzeile an der Knobelsdorffstraße ist die Pro Potsdam, bei der die Bereitstellung und Abholung bis Jahresende 2015 problemlos funktionierte, Paul zufolge, weil die Step alles selbst abholte. Seit es die Ziehgebühr gibt und eine Grundstücksgesellschaft das Tonnenziehen besorgte, werden die Container zur Müllkippe.

Schjck sanierte Plattenbauten, aber Chaos an den Müllplätzen

Schjck sanierte Plattenbauten, aber Chaos an den Müllplätzen: In der Knobelsdorffstraße bestand Bedarf zur Neuregelung der Tonnenentleerung.

Quelle: Rainer Schüler

Die „Pro“ hat das inzwischen geändert: ab 1. März zahlt sie die Ziehgebühr; die Step holt alles selber aus den verschlossenen Sammelplatzanlagen. Trotzdem sah es am Montag wieder so schlimm aus wie seit Einführung der Ziehgebühr, die der Stadt zufolge keine ist, sondern ein „Vollservice“. Weil die Tonne auch geschoben werden kann, könnten man ja auf die Idee kommen, dann werde die Ziehgebühr nicht fällig, sagt die Stadt.

Von Rainer Schüler

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