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Wie Werder die Blütentherme meistern will

Interview mit der Bürgermeisterin Wie Werder die Blütentherme meistern will

Die Stadt Werder und die Kristall Bäder AG sind zerworfen. Eigentlich sollte das Unternehmen die geplante Blütentherme bauen und betreiben. Doch dann kam die Trennung. Was war schief gelaufen? Nun arbeitet die Verwaltung selbst an einer Schadensanalyse und an einem Konzept, wie es mit dem Bad weiter geht. Das sei aber gar nicht so einfach, so die Bürgermeisterin.

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Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU).

Quelle: Foto: Archiv/Bernd Gartenschläger

Werder. Nachdem die Stadtverordnetenversammlung Werder die Trennung von der Kristall Bäder AG beschlossen hat, die die Blütentherme in den Havelauen bauen und betreiben sollte, arbeitet die Stadtverwaltung an einer Schadensanalyse und an einem Konzept, wie das Bad fertiggestellt werden kann und wer es übernehmen soll. Beides ist nicht ganz einfach, räumt Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) ein.


MAZ:
Was ist in der Partnerschaft mit der Kristall Bäder AG schiefgelaufen?

Manuela Saß: Das lässt sich so einfach nicht beantworten. In der ersten Zeit haben wir gut zusammengearbeitet. Gründe für das Zerbrechen der Partnerschaft zu benennen, geht in den spekulativen Bereich, und an Spekulationen will ich mich nicht beteiligen.

Hätte die Stadt nicht, wie von den Linken gefordert, den Investor per Gericht verpflichten müssen, die Blütentherme fertigzustellen?

Saß: Wenn wir die Fertigstellung der Therme eingeklagt hätten, würden wir viel Zeit verlieren. Die Kristall Bäder AG würde erst weiterbauen, wenn das Gericht ein Urteil gefällt hätte. Solche Verfahren laufen meist über mehrere Jahre, und ihr Ausgang ist obendrein ungewiss. Wir hätten viel Zeit verloren, ohne dass auf der Baustelle ein Fortschritt zu verzeichnen gewesen wäre.

Wäre der Vertrag nicht einseitig kündbar gewesen?

Saß: Solch eine Öffentlich-Private Partnerschaft ist ein komplizierter Vertrag mit Rechten und Pflichten. Es handelt sich nicht einfach nur um einen Werksvertrag zum Bau der Therme. Der Investor sollte das Bad ja auch betreiben. Es müssen schon stichhaltige Voraussetzungen vorliegen, die eine Kündigung rechtfertigen. Der Vertrag hätte rückabgewickelt werden müssen. Auch in diesem Fall wäre sicher ein langwieriges Gerichtsverfahren zu erwarten gewesen. Allein das Beweisverfahren wäre nicht unter einem Jahr abgegangen. Ich fühle mich mit der Entscheidung, die wir getroffen haben, gut.

Wie hoch ist der finanzielle Schaden für die Stadt?

Saß: Das ist die Frage, der wir uns gerade stellen. Unser Rechnungsprüfungsamt hat begonnen, die finanziellen Auswirkungen zu prüfen. In jedem Fall ist ein erheblicher Imageschaden entstanden. Doch eine absolute Bewertung finanziellen Schadens ist wahrscheinlich nur mit Experten von außerhalb aufwendig möglich. Es geht ja nicht nur um den Rohbau der Therme. Wir müssen auch zusätzliche Anbauten, beispielsweise für die Umkleide, berücksichtigen. Im Keller wurde hochmoderne Technik eingebaut. Die Investitionssumme kann man darum nicht einfach in Relation zum heutigen Bautenstand setzen. Die Aufgabe unserer Verwaltung und des künftigen zeitweiligen Bad-Ausschusses wird es sein, weiteren Schaden zu verhindern.

Wann wird dieser Ausschuss seine Arbeit aufnehmen?

Saß: Er soll im Januar 2016 von den Stadtverordneten bestätigt werden und wird danach wohl der Ausschuss werden, der am häufigsten tagt. Der Ausschuss tagt öffentlich und alle Nichtausschussmitglieder und Bürger können an den Sitzungen teilnehmen.

Wie viel Geld hat die Kristall Bäder AG von den 18 Millionen Euro Gesamtinvestition erhalten?

Saß: Wir haben 16,2 Millionen Euro ausgegeben. Hinzu kommen noch einmal 900 000 Euro für Mehrausgaben im Zusammenhang mit der Baugründung und dem Erteilen der Baugenehmigung.

Wie geht es mit der Therme nun weiter und wie viel wird ihre Vollendung kosten?

Saß: Dass das Bad fertiggestellt wird, steht außer Zweifel. Die Frage ist vielmehr: Wie werden wir weiterbauen und wer wird es übernehmen. Das wollen wir mit Hilfe fachlicher Berater klären. Zu Beginn des neuen Jahres können dann Entscheidungen getroffen werden und erforderliche Ausschreibungen erfolgen. Im Sommer 2016 soll dann weitergebaut werden. Wir müssen noch den Innenausbau, den Saunabereich, die Fassaden sowie die Außenbereiche fertigstellen. Ich rechne mit noch einmal zehn Millionen Euro. Das hängt davon ab, wie wir weiterbauen. Es wäre schlecht, wenn wir die Therme schnell fertigstellen und dann merken, dass wir nach kurzer Zeit schon erweitern müssen. Wir wollen die Blütentherme aber zum Jahresende 2018 eröffnen.

Sie wollen auch die Außenflächen rund um die Therme der Badgesellschaft abkaufen.

Saß: Das ist notwendig für eine Weiterentwicklung des Bades. Die Stadtverordneten haben mehr als 900 000 Euro freigegeben, um die Grundstücke mit dem Blockheizwerk, für die Parkplatzerweiterung sowie für den „Bademantelweg“ zu sichern. Entgegen anders lautenden Gerüchten kaufen wir diese Grundstücke aber nicht zurück. Sie haben uns nie gehört. Der Investor hatte sie von Privateigentümern erworben. Die Haus- und Grundstücksgesellschaft Werder wird die Flächen für das künftige Hotel und die Ferienhäuser übernehmen. Das soll noch bis zum Jahresende passieren.

Hat sich der Streit um die Blütentherme negativ auf die Besucherzahlen in Werder ausgewirkt?

Saß: Wir haben keinen Rückgang der Besucherzahlen zu verzeichnen. Die Nachfrage nach Werder ist unverändert groß. Wir haben einen erheblichen Bedarf an Gästebetten. Werder wird nicht erst mit der Blütentherme für Touristen attraktiv. Wir haben die Baumblüte, die Inselstadt, den Weinberg, die Havelpromenade und in den Ortsteilen beispielsweise den Park in Petzow sowie einige Heimatstuben und -museen. Mir kommt es allerdings zukünftig nicht nur auf die Quantität an. Ich möchte auch die Qualität des Erreichten erhöhen. Darum werden wir im nächsten Jahr beginnen, im Lindowschen Haus ein Besucherzentrum einzurichten, wofür wir 150 000 Euro für Planung und Vorbereitung der erforderlichen Baumaßnahmen zur Verfügung haben. Die Vorplanungen haben bereits in diesem Jahr begonnen. Unsere Touristeninformation in der Inselstadt platzt aus allen Nähten. Im Besucherzentrum wollen wir auch regionale Produkte anbieten.

Was sind – neben der Blütentherme – in den nächsten zwei Jahren die wichtigsten Investitionen für die Stadt?

Saß: Wir wollen den Schwerpunkt auf den Ausbau der Bildungsinfrastruktur legen. Unser größtes Vorhaben ist die räumliche Erweiterung der Primarstufe an der Carl-von-Ossietzky-Schule, wofür wir rund drei Millionen Euro vorgesehen haben. Aber auch die Inselschule in Töplitz oder der Sportplatz am Ernst-Haeckel-Gymnasium stehen auf unserer Agenda. Rund 1,5 Millionen Euro wollen wir für den Straßenbau einsetzen und für annähernd 500 000 Euro ein neues Feuerwehrfahrzeug kaufen. Wir hoffen, dass wir mit unseren Partnern erfolgreich am Stadt-Umland-Wettbewerb teilnehmen. Für die im Wettbewerb angemeldeten Projekte, wie zum Beispiel die Radbrücke neben der Eisenbahn, die Schaffung von Parkplätzen am Bahnhof, aber auch die Radverbindung Glindow – Klaistow, müssen die erforderlichen Eigenmittel bereitstehen.

Müssen Projekte zugunsten der Blütentherme aufgegeben werden?

Saß: Wir gehen davon aus, dass wir keine Projekte aufgeben müssen.

Ein Betreibermodell muss noch gefunden werden

Für die Blütentherme hat die Stadtverwaltung Werder im Haushalt für 2016 keine finanziellen Mittel eingestellt. Etwa 200 000 Euro sind für Gerichtskosten und die Gewinnung von fachlichen Beratern vorgesehen. Der Haushalt soll im Januar 2016 von den Stadtverordneten verabschiedet werden.

Auf einer Fachmesse haben sich die Projektmanagerin für die Blütentherme und der Erste Beigeordnete umgeschaut, welche Ausbaumöglichkeiten das Bad in Werder haben könnte.

Den Prüfauftrag zur Trennung von der Kristall Bäder AG hatten die Werderaner Stadtverordneten im Mai dieses Jahres erteilt.

Die Stadtverordneten müssen entscheiden, ob Werder das Bad selbst betreiben oder sich einen Pächter suchen sollte.

Von Heinz Helwig

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