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Wo das Bauen im Landkreis billig ist

Kommunen investieren in Wohngebiete Wo das Bauen im Landkreis billig ist

In den 90er Jahren setzten viele Kommunen große Hoffnungen in die Erschließung von Bauland für Eigenheime. Millionen wurden investiert. Doch manche Neubaugebiete sind trotz zum Teil deutlich gesunkener Grundstückspreise bis heute nicht voll besetzt. Nur in Neuruppin am Ufer des Ruppiner Sees sind kaum noch Bauplätze zu bekommen.

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Oft dauert es Jahre, bis sich die Investitionen für die Kommune auszahlen.

Quelle: Alexander Beckmann

Neustadt. Warme Semmeln finden sicherlich schneller ihre Abnehmer. Doch selbst wenn es durchaus noch die eine oder andere Baulücke gibt – so langsam zahlen sich die Investitionen aus, die viele Kommunen in die Erschließung von Bauland für Eigenheime gesteckt haben.

In Dreetz (Amt Neustadt) beispielsweise wirkt das Schild „Baugrundstücke zu verkaufen“ am Neubaugebiet „Stadtfeld“ schon etwas verwittert. Trotzdem ist Bauamtsleiter Wolfgang Burau in Neustadt recht zufrieden. „Die linke Seite ist schon ganz gut bebaut. Das wird gut angenommen.“ Natürlich sei es für die Gemeindekasse von Vorteil, wenn möglichst viel Fläche einen Käufer findet. So eine Erschließung mit Wegen und Leitungen ist nicht billig. Da sei der geforderte Quadratmeterpreis von 23 Euro ein echtes Schnäppchen.

„Aber es geht ja auch darum, dass das Dorf belebt wird mit jungen Familien. Das müsste man in die Rechnung auch mit aufnehmen“, findet Wolfgang Burau. Vor allem seien es Einheimische, die sich für ein Eigenheim in der Region interessieren, manchmal auch Rückkehrer. Dass sich durch das Bauen auf der grünen Wiese die Ortskerne leeren, diese Gefahr sieht Wolfgang Burau bislang nicht.

Generell sei die Nachfrage von Ort zu Ort sehr unterschiedlich, berichtet der Bauamtsleiter. Während in Dreetz noch freie Flächen zu haben sind, fasse man in Zernitz Bahnhof bereits einen Bebauungsplan für ein neues Eigenheimgebiet ins Auge. „Da überlegt die Gemeinde schon, wo sie Interessenten demnächst noch Bauland zuweisen könnte.“ Acht bis zehn Parzellen seien aktuell im Gespräch.

Überall in der Region entstehen aber noch immer Eigenheime

Überall in der Region entstehen aber noch immer Eigenheime.

Quelle: Alexander Beckmann

In der Stadt Neustadt ist das Wohngebiet Klosterwald/Wiesenstraße inzwischen voll. Am „Zentrumsrand“ wird weitergebaut. „Da müssen wir demnächst auch mit der Erschließung weitermachen.“ Wolfgang Burau sieht die Situation entspannt. „Die Flächen, die erschlossen wurden, werden auch angenommen.“ Zugleich bestehe kein Mangel an Baugrundstücken. „Es gibt natürlich auch immer Baulücken. Wer sich ein bisschen umtut, der findet auch was.“

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Wie unterschiedlich es um die Nachfrage bestellt ist, zeigt ein Blick auf die Bodenrichtwertkarte (siehe beispielsweise im Internet bb-viewer.geobasis-bb.de). Für das erwähnte Baugebiet Klosterwald/Wiesenstraße in Neustadt nennt sie einen Richtwert von 26 Euro je Quadratmeter. In Dreetz und Zernitz sind es nur elf. Für Breddin ein Stückchen weiter weg von Neustadt sind es trotz guter Infrastruktur (bis hin zum Regionalbahnhof) nur 7 Euro je Quadratmeter und im winzigen Voigtsbrügge „jottwehdeh“ gar nur drei.

In Wusterhausen ist noch ein Viertel der Parzellen frei

Die Stadt Wusterhausen ruft für ihr Wohngebiet „Birkenweg“ immerhin 35 Euro je Quadratmeter auf – und das, obwohl knapp ein Viertel der 41 Parzellen selbst nach gut 13 Jahren noch immer frei ist. Dabei ist der Preis schon deutlich gesunken. Zu Beginn verlangte die Kommune 44 Euro. Die Wusterhausener Bauamtsleiterin Melanie Füllgraf ist zufrieden: „Es hat sich gut entwickelt. Wir haben in diesem Jahr wieder einige Grundstücke verkauft.“ Und nicht nur dort: „Wir haben auch viele Nachfragen zu Baugrundstücken außerhalb des Birkenwegs.“

Die Stadt Kyritz war Anfang der 90er Jahre eine der ersten, die große Hoffnung in die gezielte Schaffung von Eigenheimgebieten setzte. In Kooperation mit der Brandenburgischen Landgesellschaft wurden damals 13,5 Millionen Mark (knapp 7 Millionen Euro) in die Erschließung des Wohngebietes „Alt und Jung“ investiert. 144 Parzellen wurden ausgewiesen. Eine Altenpflegeeinrichtung und eine Kita entstanden. Weitere Pläne unter anderem für ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum, ein Freizeitzentrum, eine Gaststätte und eine Schwimmhalle wurden nie umgesetzt. Umgerechnet rund 60 Euro waren anfangs für den Quadratmeter Bauland fällig. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht – sicherlich auch wegen der schwindenden Bevölkerung insgesamt. Inzwischen sind die Preise auf ein mit Wusterhausen vergleichbares Niveau gesunken. Die Nachfrage ist da: Fast ständig entsteht irgendwo in dem Gebiet gerade ein neues Haus. Doch auch gut 20 Jahre nach der Eröffnung sind nicht alle Grundstücke belegt.

In der Kreisstadt Neuruppin sind im Wohngebiet „Sonnenufer“ fast alle Bauplätze weg

In der Kreisstadt Neuruppin sind im Wohngebiet „Sonnenufer“ fast alle Bauplätze weg.

Quelle: Peter Geisler

Grundsätzlich zeigt sich: Das Engagement für Eigenheimbauer hat den Kommunen langen Atem abgefordert. Die Zeit der ganz großen Erschließungsvorhaben ist vorbei – falls es sie überhaupt je gab. Aber neu gebaut wird noch immer, und zwar in den größeren Orten mehr als in den kleinen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

In der Kreisstadt Neuruppin zum Beispiel scheinen die Bauparzellen gerade auszugehen. Im großen Wohngebiet „Sonnenufer“ am Fehrbelliner Tor hat die Stadt inzwischen alle Parzellen an den Mann oder die Frau gebracht. Und das trotz Rekordpreisen von bis zu 155 Euro pro Quadratmeter. Inzwischen kommt die Fontanestadt selbst in die Bredouille: Weil viele lukrative Flächen für Investoren verkauft sind, gehen seit Jahren die Einnahmen aus den Grundstücksgeschäften zurück. Dabei ist Neuruppin – wie die meisten Kommunen – auf dieses Geld dringend angewiesen.

Kämmerer Willi Göbke will im kommenden Jahr eine größere Summe zur Verfügung stellen, damit die Stadt neues, billiges Land kaufen kann. Das soll dann mit Hilfe eines Bebauungsplanes in Bauland umgewandelt werden. Die Stadt hofft, so neue Bauflächen zu schaffen – und die Grundstücke zu einem Vielfachen des Kaufpreises weiterveräußern zu können. Diese Idee ist nicht neu, auch andere Orte haben solche Pläne. In Neuruppin scheiterte das Konzept bisher daran, dass die Stadt im Haushalt kein Geld hatte, um in die eigene Zukunft investieren zu können. Für Häuslebauer blieben deshalb zuletzt nur ein paar kleine Lücken, um neu zu bauen.

Von Alexander Beckmann und Reyk Grunow

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