Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Wohnen im Neuruppiner Plattenbau

Soziale Stadt Wohnen im Neuruppiner Plattenbau

Etwa ein Drittel der Neuruppiner lebt im Neubaugebiet – die meisten gern. Trotzdem haben die Menschen dort mehr Problem als anderswo in der Stadt: Im WK I bis III leben überdurchschnittlich viele Hartz-IV-Empfänger und Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, sagt Quartiersmanager Matthias Frinken.

Neuruppin 52.912763141303 12.792726829053
Google Map of 52.912763141303,12.792726829053
Neuruppin Mehr Infos
Nächster Artikel
Sputendorfs Idylle wird fertig

Etwa 8200 Neuruppiner leben im Neubaugebiet WK I bis III, ein Drittel aller Einwohner der Kernstadt. Die Bewohner meisten fühlen sich dort wohl.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ist das Neuruppiner Neubaugebiet wirklich ein sozialer Brennpunkt? Der Stadtverordnete Frank Borchert mag diesen Begriff nicht, schon gar nicht im Zusammenhang mit der Neuruppiner Südstadt. Rund 100 Hektar umfasst das Areal, das die meisten Neuruppiner als WK I bis III kennen. WK steht für Wohnkomplex, die Zahlen dahinter machen klar, dass die riesige Fläche im Süden der Stadt in drei Schritten bebaut wurde. Etwa 4500 Wohnungen stehen im WK I bis III. Auf den ersten Blick vor allem Plattenbauten. Das Wort „Platte“ findet Borchert trotzdem nicht angemessen. „Das klingt so abwertend“, sagt er. Außerdem sei Plattenbau falsch – längst nicht alle Häuser im „Neubau“ wurden aus Platten gebaut.

Borchert muss es wissen. Er sitzt nicht nur für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtparlament. Borchert ist auch Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Karl Friedrich Schinkel“ (WBG). Seiner Genossenschaft und der größeren Wohnungsbaugesellschaft Neuruppin (NWG) gehören die allermeisten Wohnungen im WK I bis III.

Stadtplaner Matthias Frinken kennt das WK I bis III und seine Probleme seit den 90er Jahren

Stadtplaner Matthias Frinken kennt das WK I bis III und seine Probleme seit den 90er Jahren. Er ist dort Quartiersmanager.

Quelle: Peter Geisler

„Aus meiner Sicht ist das kein sozialer Brennpunkt“, sagt Borchert, dafür sei das Gebiet mit seinen rund 8200 Einwohnern viel zu groß und viel zu unterschiedlich. Als soziale Brennpunkte sieht Borchert allenfalls einzelne Straßen oder Gebäude – überall in der Stadt immer wieder wechselnd. Zumindest für die WBG birgt die Südstadt weniger soziale Konflikte als manch andere Gegend.

Die meisten Menschen, die im Neuruppiner Neubaugebiet wohnen, fühlen sich wohl. „Das Gebiet ist nachgefragt und gut vermietete“, sagt Quartiersmanager Matthias Frinken. Der Stadtplaner aus Hamburg begleitet die Entwicklung der Neuruppiner Südstadt seit den 90er Jahren. Dass die Wohnungen durchaus gefragt sind, bestätigen die großen Vermieter „Wir haben nur etwa vier Prozent Leerstand“, sagt NWG-Geschäftsführer Robert Liefke. Die Zahlen unterscheiden sich nicht wesentlich vom Rest Neuruppins. Viele andere Orte können davon nur träumen.

Seit den 90er Jahren wurden mehr als 20 Millionen Euro investiert

Stadt und Vermieter haben dafür aber auch einiges getan. Fast 22 Millionen Euro sind seit 1993 allein aus dem Förderprogramm zur Wohnumfeldverbesserung und aus dem Programm „Soziale Stadt“ geflossen. Spielplätze wurden saniert, Innenhöfe umgestaltet, Wege neu angelegt, an der Otto-Grotewohl-Straße entstand das Mehrgenerationenhaus Krümelkiste als Stadtteiltreff, die Karl-Liebknecht-Schule samt Turnhalle konnte rundum saniert werden, die Kita „Kunterbunt“ ebenso. Schulhöfe stehen jetzt nach dem Unterricht für alle offen.

„Die Lebensqualität wird von allen Akteuren als bemerkenswert gut beschrieben“, heißt es in einem Bericht zur Lage im WK I bis III, den Matthias Frinken gerade im städtische Bauausschuss vorgestellt hat. Der Bericht verschweigt auch nicht, dass im Neubaugebiet tatsächlich mehr Menschen mit sozialen Probleme leben als anderswo in Neuruppin. Etwa ein Drittel aller Neuruppiner wohnt im Neubaugebiet – aber die Hälfte Neuruppiner, die Hartz IV erhalten. Der Anteil von Senioren nimmt schneller zu, der Anteil der Kinder schneller ab als anderswo.

Viel bedarf an Frühförderung, weniger Empfehlungen fürs Gymnasium

Von allen Kindern aus Neuruppin, für die das Gesundheitsamt eine Frühförderung em­pfiehlt, leben 80 Prozent im Neubaugebiet, sagt Frinken. Die Karl-Liebknecht-Schule ist die größte Grundschule der Fontane­stadt – an der Evangelischen Grundschule bekommen etwa 70 Prozent der Sechstklässler eine Empfehlung fürs Abitur, an der Grundschule Gildenhall sind es 56 Prozent der Kinder, an der Karl-Liebknecht-Schule im Neubaugebiet sind es aber nur 27 Prozent.

Mit Fördermitteln aus dem bundesweiten Programm „Soziale Stadt“ konnte in den vergangenen Jahren viel bewegt werden. Doch Geld gibt es daraus nur noch wenig und nur noch bis 2017. Quartiersmanager Frinken rät der Stadt, in Zusammenarbeit mit den großen Vermietern ein Programm aufzulegen, damit auch in Zukunft immer wieder kleine Investitionen im Neubaugebiet möglich sind. Die Umgestaltung der Artur-Becker-Straße zwischen Fontaneschule und Kita „Kunterbunt“ hält er für sehr wichtig. Außerdem sollten mehr Bordsteine abgesenkt und Gehwege saniert werden, damit auch die älteren Bewohner sich auf Dauer wohl fühlen.

Die Wohnungsgesellschaft NWG hat den Jugendtreff Fischbüchse übernommen und will die alten Container durch einen ordentlichen Neubau ersetzen

Die Wohnungsgesellschaft NWG hat den Jugendtreff Fischbüchse übernommen und will die alten Container durch einen ordentlichen Neubau ersetzen.

Quelle: Peter Geisler

Der Bedarf ist nach wie vor groß, das sieht auch NWG-Chef Robert Liefke: „Deshalb engagieren wird uns in diesem Bereich ja auch weiter.“ Die NWG hat zum Beispiel den Jugendtreff „Fischbüchse“ an der Junckerstraße gekauft und will an Stelle des Provisoriums in Containern einen festen Bau errichten. Wenn genau der Neubau beginnt, ist noch unklar. „Das soll eine möglichst nachhaltige Investition werden“, sagt Liefke. Zurzeit stimmt die NWG mit der Stadtverwaltung ab, was genau sich Neuruppin an dieser Stelle außerdem noch vorstellen könnte.

Frinken würde sich wünschen, dass Neuruppin auch außerhalb der Bauinvestitionen öfter ans Neubaugebiet denkt, etwa wenn es um Kultur geht wie im großen Fontanejahr 2019. Ein sozialer Brennpunkt ist das WK I bis III nicht, sagt der Quartiersmanager: „Das ist eher ein Gebiet, auf das man immer mal ein Auge haben sollte.“

Von Reyk Grunow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bauen & Wohnen


Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg