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Wohnen im alten Umspannwerk

Im Industriebau entstehen Apartments Wohnen im alten Umspannwerk

Jahrelang stand das Umspannwerk an der Käthe-Kollwitz-Straße in Blankenfelde leer. Vor zweieinhalb Jahren kaufte Jan Dewerzeny das markante Gebäude, um dort zunächst Gewerberäume zu schaffen. Nun soll das in den 1950er Jahren von Schülern des Architekten Albert Speer entworfene Gebäude zum Wohnhaus werden.

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Bauherr Jan Dewerzeny und Planer Harald Schulz machen aus dem alten Umspannwerk ein Haus mit elf Wohnungen.

Quelle: Zielke

Blankenfelde. Moderne Umspannwerke sind in der Regel keine architektonischen Höhepunkte. Sie sind eher Zweckbauten, deren Form der Funktion folgt. Bei dem alten Umspannwerk an der Blankenfelder Käthe-Kollwitz-Straße ist das anders. Der 1956 errichtete Bau hat einen berühmten Großvater: den Architekten Albert Speer, der für die Nationalsozialisten die neue Reichshauptstadt Germania entwarf. Es waren einstige Schüler Speers, die in den 50er Jahren in der DDR den Auftrag bekamen, ein Umspannwerk für Blankenfelde zu errichten.

Objektplaner Harald Schulz, der den Umbau leitet, hat sich mit der Geschichte des Gebäudes beschäftigt und erkennt Speers Einfluss an einigen Details. Vor allem die langen vertikalen Fensterbänder auf der Straßenseite sind ein Markenzeichen der Zeit, sagt Harald Schulz. „Bodentiefe Fenster sind auch heute wieder im Trend“, sagt er. Für den 64-Jährigen aus Blankenfelde ist der Umbau ein echtes Meisterstück kurz vor dem Ruhestand. Jan Dewerzeny, der Bauherr, möchte möglichst viel vom alten Charme erhalten. Er hat das Gebäude vor zweieinhalb Jahren von Eon-Edis gekauft. Der Energiekonzern hatte das Werk 2010 stillgelegt.

Erst habe der neue Besitzer überlegt, dort Gewerberäume zu schaffen, doch mit der Zeit wuchs der Wunsch, die alte Industriearchitektur in Wohnraum zu verwandeln. „Es ist eben kein 08/15-Bau sondern ein Haus mit Geschichte“, sagt Jan Dewerzeny, der eine Firma für Kälte- und Klimatechnik in Blankenfelde besitzt. Andere hätten vielleicht den Abrissbagger geholt. „Neu bauen kann jeder“, sagt der 38-Jährige. Als Blankenfelder sei es ihm wichtig, ein so markantes Haus zu erhalten, auch wenn das ein bisschen mehr Aufwand bedeutet. Auf mehr als eine Million Euro belaufen sich die Umbaukosten.

Trotz gehobener Ausstattung in den elf entstehenden Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen soll die einstige Funktion des Hauses an einigen Stellen bewusst sichtbar sein. Ein paar der alten Rohre und Lüftungsschächte, die einst die riesigen Transformatoren versorgten, werden als optische Höhepunkte erhalten. Ansonsten wird in den elf Wohnungen alles vom Feinsten sein: Fußbodenheizung, ebenerdige Duschen, Gästetoiletten. Schallschutzfenster schotten gegen den Lärm der Flugzeuge ab. „Wir bauen nach neuesten technischen Standards“, sagt Dewerzeny. Dazu gehört auch eine Luftwärmepumpenheizung, die die Nebenkosten niedrig halten soll.

Zwei Wohnungen im Erdgeschoss werden barrierefrei gestaltet. Sie bekommen eine Terrasse. In den oberen Etagen können die Mieter vom Balkon aus die Weitläufigkeit des rund 4500 Quadratmeter großen Grundstücks genießen. Bis es soweit ist, bleibt noch allerhand Arbeit zu tun. Seit dem Frühjahr haben die Bauarbeiter das Gebäude nahezu vollständig entkernt. Die ursprünglichen Decken waren teilweise nur 2,20 Meter hoch. Aus der einst sieben Meter hohen ehemaligen Transformatorenhalle wurden mehrere Räume mit weniger ausladenden Deckenhöhen. An einigen Wänden mussten neue Fenster ins Mauerwerk gesägt werden. 600 Tonnen Bauschutt wurden bisher abtransportiert. Die alte Umspanntechnik war schon vorher ausgebaut worden.

Auch wenn manches aufwendiger war als anfangs gedacht, ist Jan Dewerzeny froh, dass er sich auf das Abenteuer Umspannwerk eingelassen hat. „Das Haus hat einfach Charakter“, sagt er. Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Mieter ins Charakter-Haus einziehen.

Von Christian Zielke

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