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Tauschbörsen sollen Entlastung bringen

Wohnen in Potsdam Tauschbörsen sollen Entlastung bringen

Potsdam wächst viel schneller als geplant. Noch schneller wächst die Zahl der Haushalte. Der steigende Druck am Wohnungsmarkt kann durch den immer noch hochpreisigen Neubau nicht befriedigt werden. Wohnungswechsel innerhalb der Mieterschaft eines Quartiers könnten Entlastung bringen, wenn es am Ende nicht teurer wird für den Nutzer.

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Die Stadt will verschiedene Vermieter zu Wohnungstauschbörsen innerhalb eines Quartiers bewegen. Ob die Brandenburger Vorstadt der Modellkiez dafür werden könnte?

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Mehr Einwohner und noch viel mehr Haushalte – da steigen die Preise für Miet- und Eigentumswohnungen unaufhaltsam. Der Wohnungsneubau in Potsdam kommt dem Bedarf immer weniger hinterher, obwohl es rechnerisch genügend Bauflächen und genügend Baugenehmigungen gibt. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um 2000 bis 2500 Menschen. Vergangenes Jahr wurde der Bau von fast 4000 Wohnungen genehmigt, doch nur knapp 1100 wurden fertig.

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Der Markt wird nach Einschätzung der Stadt immer angespannter und unsozialer, und die öffentliche Hand hat immer weniger Möglichkeiten, vor allem den Haushalten mit geringem Einkommen zu helfen. Jetzt soll eine Änderung im Bestand Erleichterung bringen: Zumindest auf Wohngebietsebene will die Stadt alle Arten Vermieter an einen Tisch bringen, um durch Tausche Wohnraum frei zu machen, denn immer mehr Menschen leben in zu großen oder ungeeigneten Wohnungen, finden aber keine kleinere, die weniger kostet. Andererseits vergrößern sich Familien, können mehr Wohnfläche aber nicht bezahlen.

Beiden könnte geholfen werden, wenn sie durch Tausch passendere Wohnungen zu niedrigeren oder wenigstens gleichen Kosten bekommen. Die Stadt strebt eine „Bündnisvereinbarung Wohnen in Potsdam“ an, die den Tausch nicht nur im Bestand eines Vermieters – wie bei der ProPotsdam praktriziert – ermöglicht, sondern zwischen verschiedenen Vermietern. Modellhaft will man das versuchen, wo, wurde am Dienstag bei der Vorstellung des Wohnungspolitischen Konzeptes Potsdam nicht gesagt. Die Herausforderung sei, „die Mitwirkung unterschiedlicher Vermieter zu organisieren“, heißt es in dem Konzept, das immerhin 31 denkbare Maßnahmen auflistet vom Neubau bis zur Bestandsverwaltung. Wieviel davon umsetzbar ist, kann niemand sagen.

Die Verfasser von den Berliner Planungsgruppen Regio Kontext und Plan und Praxis halten alle Vorschläge für machbar. Etwa, bei jedem Beschluss der Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung zu prüfen, ob er womöglich zu Mietsteigerungen führt. Das betrifft nicht nur so augenscheinliche Entscheidungen wie die Einführung neuer Abfallentsorgungssysteme, sondern auch den Bau und Ausbau von Straßen, die auf Anlieger und damit Mieter umgelegt werden können.

Neue Wege gehen will man beim Verkauf von Grundstücken der Stadt oder der von ihr beauftragten Treuhänder-Unternehmen. Bekam bislang der mit dem Höchstgebot das Bauland, soll künftig mehr danach entschieden werden, was für Wohnraum dort zu welchen Mietpreisen und für welche sozialen Zielgruppen entsteht. Um günstigere Mietern zu bekommen, vergibt die Stadt in einigen Fällen bereits jetzt Grundstücke zum Festpreis und verzichtet zugunsten sozialer Gerechtigkeit auf einen Teil der möglichen Einnahmen.

Bis zum Jahr 2030 wird Potsdams Bevölkerung von derzeit 165 000 auf 178 000 Menschen steigen, doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt, dass wegen längeren Single-Daseins und längeren Lebens insgesamt die Zahl der Haushalte noch schneller steigt als die Zahl der Bürger; sie würde sogar wachsen, wenn die Gesamtbevölkerung gleich bleibt, sagte am Dienstag der städtische Stadtentwicklungschef Erik Wolfram. Stetiges Wachstum werde weithin als positiv angesehen: „Aber muss es so schnell sein?“ Viele glaubten inzwischen, dass Stagnation besser sei; einen Bevölkerungsrückgang dagegen wage keiner als erstrebenswert zu bezeichnen.

Von Rainer Schüler

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