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Zegg Bad Belzig freut sich über neue Dächer

Großinvestition bei Öko-Gemeinschaft Zegg Bad Belzig freut sich über neue Dächer

Anfang August verabschiedeten sich die letzten Gäste, diese Woche rücken schon die nächsten an – zwischendurch setzte das Bad Belziger Zegg in rekordverdächtiger Zeit neue Dächer auf sein Haupthaus. Besonderen Wert legten die Bewohner dabei auf ökologische Aspekte

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Der Umbau bringt viel Licht durch Gauben statt des alten Flachdachs

Quelle: Saskia Popp

Bad Belzig. Der straffe Zeitplan ist eingehalten worden. Wenn am kommenden Donnerstag 70 Übernachtungsgäste im Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (Zegg) anreisen, wird das Dach des Haupthauses fertig gestellt sein. „Gut so“, sagt Bewohnerin Barbara Stützel, „denn der nun fertige Teil ist der Dachboden, auf dem die Gäste schlafen werden.“

In lediglich zehn Wochen haben lokale Handwerksfirmen und die Bewohner des Zentrums es geschafft, dem rund 80 Jahre alten Hauptgebäude statt des alten Flachdachs ein Satteldach mit Gauben, die viel Licht in den Dachboden bringen, aufzusetzen. 450000 Euro waren für diesen Bauabschnitt veranschlagt worden. Ein weiteres, mittlerweile fertig gestelltes Dach auf dem Gebäude hatte 350000 Euro gekostet.

Fundraising brachte Spenden ein

Die Finanzierung werde zunächst über einen Kredit der Hausbank des Zegg gestemmt, doch die Bewohner seien zuversichtlich, den Kredit schnell bedienen zu können. „Wir machen Fundraising. Für dieses Projekt haben wir viele Spenden sammeln können, darunter auch eine Großspende“, erläutert Barbara Stützel. „Darüber hinaus sind wir dank viel von uns selbst geleisteter Arbeit finanziell unter der zunächst veranschlagten Summe geblieben.“

Historischer Überblick

Auf dem von den Nazis als Sportheim Belzig genutzten Gelände wurden nach dem Zweiten Weltkrieg kurz die Sowjetarmee und später Flüchtlinge aus dem Osten einquartiert. Schließlich übernahm der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) das Areal als Schulungszentrum für Funktionäre.

1949 brannte das Wirtschaftsgebäude ab. Es folgten umfangreiche Bauarbeiten. Bis 1953 wurden heutiges Gästehaus und Aula sowie Bungalows im Umgeld errichtet.

Bis zur Enttarnung Anfang 1988 betrieb dann die Hauptabteilung Aufklärung (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit unter Markus Wolff und Werner Großmann die Kundschafter-Ausbildung. Offiziell firmierte die Einrichtung unter der Legendierung „GST-Schule ’Edgar Andre’ (Gesellschaft für Sport und Technik.“

Die politische Wende machte einen Strich durch die Rechnung, an der Stelle ein Sanatorium einzurichten. Die Immobilie wurde 1990 bis 1992 kurz als Penny-Supermarkt genutzt. Dann wurde das Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (Zegg) etabliert.

Die große Spendenbereitschaft erklärt sich Stützel durch die Bindung, die viele Gäste im Laufe der Jahre an das Zentrum in Bad Belzig bekommen haben. „Wir begleiten viele Menschen über eine lange Zeit, dafür sind sie uns dankbar und unterstützen uns gern“, sagt sie.

Das Bad Belziger Zegg besteht seit 1991. Nach Gerüchten über sektenähnliche Strukturen in den Anfangsjahren hat es sich zu einem Ökodorf mit gutem Ruf gemausert. Auf dem weiträumigen Gelände decken die Bewohner ihren benötigten Energiebedarf weitgehend selbst. Die Frauen und Männer bauen Gemüse an und wollen jetzt sogar ihren eigenen Wein herstellen.

Das Zegg bietet zudem ein Gästehaus, Seminare und Festivals an. Vor der Wende hatte die DDR-Staatssicherheit auf dem Gelände im Wald ihre Auslandsspione trainiert. In der Nazi-Zeit dienten Areal und Gebäude als Treffpunkt der Hitlerjugend. Heute leben im Zegg etwa 100 Menschen, darunter 15 Kinder und Jugendliche.

Service

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Ökologische Farbe eingesetzt

Zu den Bewohnern, die mit ihrer Arbeit die Baukosten gedrückt haben, gehört Georg Lohmann. Der 59-jährige Handwerker hat in seiner Freizeit beispielsweise die Räume im neuen Dachboden gestrichen. „Wir haben hier eine ökologische Farbe verwendet“, erläutert Lohmann, „die aus natürlichen Rohstoffen besteht. Die Farbe wurde extra angerührt und ich finde, sie bietet auch einen schöneren Farbton als die handelsübliche Farbe es könnte.“ Bei Lohmann schwingt auch ein nachdenklicher Unterton mit. „Eigentlich können wir uns solche Umbauten nicht leisten“, sagt er, „aber es gibt eben Dinge, die einfach gemacht werden müssen.“ Das Gebäude wird nun den Standards des Brandschutzes entsprechen und ein barrierefreies Erdgeschoss bieten.

Von Saskia Popp

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