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Zu klein und mangelhaft: Mieter unzufrieden

Wohnproblem in Plaue Zu klein und mangelhaft: Mieter unzufrieden

Janine Stanowsky und Jens Zautke warten ein halbes Jahr nach ihrem Einzug noch immer darauf, dass ihre Wohnung in Plaue fertig wird. Außerdem sind sie verärgert, dass sie für mehr Quadratmeter zahlen als sie bewohnen. Sie haben das Jobcenter informiert, weil Hartz-IV-Mieter in ähnlichen Wohnungen desselben Vermieters leben. Die Behörde prüft den Sachverhalt.

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Janine Stanowsky und Jens Zautke: Im Flur hängt Monate nach dem Einzug noch immer das lose Kabel aus der Wand.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Janine Stanowsky (32) und Jens Zautke (34) haben die Nase voll. Rund ein halbes Jahr nach ihrem offiziellen Einzug ist ihre Wohnung in Plaue immer noch nicht fertig. Außerdem berechnet der Vermieter die Miete für 65 Quadratmeter, dabei ist die Wohnung fünf Quadratmeter kleiner. Der Vermieter will die Familie und den Ärger mit ihr loswerden. Er hat gekündigt.

Janine Stanowsky und Jens Zautke sind das, was die Stadt Brandenburg sich wünscht: ein junges Paar mit einem kleinen Kind und demnächst weiterem Nachwuchs, aus Potsdam zugezogen, gut ausgebildet, berufstätig. Die Familie ist gern ins Jens Zautkes Heimatstadt zurückgekehrt, hat im Februar eine kleine Wohnung in der Plauer Carl-Ferdinand-Wiesicke-Straße 21 bezogen.

Doch prompt begann der Ärger. Im ersten Monat konnte die frischgebackene Familie gar nicht einziehen, weil die Wohnung im Wintermonat Februar keinen Strom hatte. Janine Stanowsky und ihr Mann kürzten die Miete um 100 Prozent und kamen erst einmal anderweitig unter.

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Das Haus hat keine Klingel und keine Gegensprechanlage

Nun lebt die Familie seit fünf Monaten in Plaue und stellt fest, dass ihre Wohnung noch immer nicht fertig ist. Wer die drei besuchen will, sollte seine Ankunft vor dem Mietshaus fernmündlich ankündigen. Denn noch immer sind keine Klingeln an Wohnungs- und Haustür vorhanden.

Auch die Wechselsprechanlage fehlt, lose Kabel in der Wohnung treten aus der Wand, die Kellertür ist nicht abschließbar und es gibt kleinere Mängel wie „der Handtuchheizkörper, der ins Leere heizt“, wie die schwangere Frau berichtet.

Ende Juni bekam die Familie einen Schrecken. Die Stadtwerke Brandenburg drohten, den Gashahn abzudrehen, weil der Vermieter nicht wie vereinbart gezahlt hatte. Wenige Tage vor Ablauf der Frist überwies er das Geld, das Gas strömte also doch weiter. Aber die Sache kostete wieder Nerven.

Jens Zautke ist vom Baufach. Mit dem Laser maß er die Wohnung nach. Knapp 65 Quadratmeter, so steht es im Mietvertrag, und entsprechend wird die Miete bei einem Quadratmeterpreis von 6 Euro Kaltmiete auch berechnet. Allerdings misst die Wohnung in Wahrheit nur rund 60 Quadratmeter.

Die 10-Prozent-Grenze

Wenn die Wohnfläche kleiner ist als im Mietvertrag angegeben, ist manchmal eine Mietminderung möglich. Bei einer Abweichung von mehr als zehn Prozent lässt sich in der Regel die Miete mindern und zu viel Bezahltes zurückverlangen. Im geschilderten Fall ist die Abweichung allerdings etwas geringer als zehn Prozent.

Die 10-Prozent-Grenze hilft Vermietern nicht immer, schreibt die Zeitschrift Finanztest. Gerichte könnten es als Zusicherung einer bestimmten Wohnfläche werten, wenn ein Mietpreis pro Quadratmeter vereinbart wurde.

Mietverträge geben manchmal an, dass die Angabe zur Wohnfläche unverbindlich sein soll. Der Vermieter schließt Messfehler nicht aus, betrachtet die Wohnfläche nicht als Teil des Mietgegenstandes. „Stehen im vertrag allerdings Zirkawerte zur Wohnfläche, dann zählen die wie andere Angaben auch“, schreibt Finanztest in dem beitrag „Mit Maß gemogelt“ vom Oktober 2012.

Vor einem Rechtsstreit sollten Mieter eine friedliche Einigung anstreben, wenn die Fläche kleiner ist als erwartet.

Die junge Familie bezahlt ihre Miete aus dem eigenen Einkommen. Doch weiß sie, dass etliche Wohnungen desselben Vermieters in der Nachbarschaft von Bürger genutzt wird, für die das Jobcenter Brandenburg die Kosten der Unterkunft übernimmt. Bei einer Abweichung von fünf Quadratmetern streicht der Vermieter pro Mieteinheit inklusive Nebenkosten rund 42 Euro zusätzlich ein, rechnet Janine Stanowsky vor.

Jobcenter-Geschäftsführer Michael Glaser bestätigt, dass mehrere Bürger, für die seine Behörde die Mietkosten bezahlt, in der Wiesicke-Straße wohnen. Die Behörde kümmere sich nun um „das spannende Thema“, denn das Jobcenter möchte nicht auf Kosten der Allgemeinheit mehr Miete bezahlen als notwendig. Glaser: „Wir gehen den Hinweisen nach, sind aber noch zu keinem Ergebnis gekommen.“

Der Vermieter verweist auf den laufenden Rechtsstreit

Ein Privatmann hatte vor einigen Jahren mehrere Wohnblöcke der Straße von der WG Stahl in unsaniertem Zustand gekauft. Ob die WG Stahl die Wohnungen zuvor in einer Größe von 60 Quadratmetern vermietet hatte, lässt sich nicht mehr feststellen. Sämtliche Unterlagen sind an den aktuellen Eigentümer übergegangen.

Die MAZ fragte die Hausverwaltung des Eigentümers nach diesem Sachverhalt und den zuvor beschriebenen Mängeln, bei denen die Familie Mietminderung geltend macht. Stefan Guenther, der Vertretungsberechtigte der Firma Der Hausherr, möchte sich derzeit nicht äußern, weil eine rechtliche Auseinandersetzung mit der Familie Stanowsky und Zautke laufe, das Ganze also eine Sache der Rechtsanwälte geworden sei.

Tatsächlich hatte Der Hausherr den kritischen, mietmindernden Mietern gekündigt, sich damit aber bisher nicht durchgesetzt.

 

Von Jürgen Lauterbach

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