Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Zwischen Wachstum und Niedergang

Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutschland Zwischen Wachstum und Niedergang

In den Ergebnissen einer Studie zur Bevölkerungsentwicklung in den Großstädten Ostdeutschlands vom Wirtschaftsforscher Albrecht Kauffmann aus Halle schneiden die drei größten Städte in Dahmeland-Fläming gut ab. Während sich Königs Wusterhausen und Ludwigsfelde im Aufwärtstrend sehen, hinkt Luckenwalde im Vergleich jedoch hinterher.

Voriger Artikel
Heimischer Bauträger feiert Richtfest
Nächster Artikel
Neues Wohnen in der Weißen Stadt

Wie hier am Königs Wusterhausener Kirchsteig ist der Wohnungsneubau eine Folge der steigenden Einwohnerzahlen.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Dahmeland-Fläming. Königs Wusterhausen ist nicht nur die größte und einwohnerstärkste Stadt der Region, sie liegt auch im Vergleich mit anderen ostdeutschen Städten, was das Wachstum angeht, weit vorn. Albrecht Kauffmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, hat eine Studie zur Bevölkerungsentwicklung in den größten ostdeutschen Städten seit 1990 veröffentlicht. Auf dieser Rangliste schneidet nicht nur Königs Wusterhausen im Vergleich gut ab.

Königs Wusterhausen, Ludwigsfelde und Luckenwalde sind die drei Städte aus der Region Dahmeland-Fläming, die Kauffmann in seiner Studie zur Bevölkerungsentwicklung untersucht hat. Wachstumsstarke Gemeinden wie Blankenfelde-Mahlow oder Schönefeld berücksichtigt er nicht, weil es sich um einen reinen Städte-Vergleich handelt. Somit stehen die Werte nicht stellvertretend für die gesamte Region. In seiner Untersuchung bezieht Kauffmann flächenmäßige Veränderungen der Städte ein. Ausgangspunkte für seine Analysen sind die heute geltenden Gebietsgrenzen. Werden solche Veränderungen bei Kreisgebietsreformen nicht beachtet, entsteht ein schiefes Bild. 1997 etwa kamen sechs Dörfer als Ortsteile zur Stadt Ludwigsfelde hinzu, womit auch die Einwohnerzahl automatisch anstieg.

Einen permanenten Bevölkerungswachstum gibt es unter allen 132 untersuchten ostdeutschen Städten nur in Falkensee (Havelland) und Bernau (Barnim). Auf dem dritten Platz liegt Königs Wusterhausen. Laut Studie verzeichnet die Stadt einen Bevölkerungszuwachs von 15,6 Prozent seit 1990 auf dem heutigen Gebiet. 35 113 Menschen waren am 31.Dezember 2014 dort gemeldet, 1990 waren es 18 130. Der damit verbundene Siedlungsdruck sei schwer abzuschätzen, heißt es seitens der Stadtverwaltung Königs Wusterhausen. Die Stadt habe Baulandreserven und bereite sich auf weiteren Zuzug vor. Geplant sind Wohngebiete am Stadtrand, die zur Vermietung an örtliche Genossenschaften übergeben werden, damit es ausreichend bezahlbaren Wohnraum gibt. Auch der Neubau von Kitas und Schulen gehöre dazu sowie die Investition in Gewerbe, um gleichzeitig mehr Arbeitsplätze zu schaffen, so die Stadtverwaltung. Platz dafür soll der Funkerberg bieten.

Chancen durch Bevölkerungszuwachs sieht auch Wilfried Thielicke, Vize-Bürgermeister von Ludwigsfelde. In der Studie belegt die Stadt den zwölften Platz und hat mit aktuell 24 579 Einwohnern weniger als 1990 (24 817). Dennoch steigt deren Zahl seit 2009 wieder. Das hat laut Thielicke mehrere Gründe: „Ludwigsfelde ist Wirtschaftsstandort und profitiert von seiner optimalen Lage und der guten Anbindung.“ Außerdem gebe es fast nirgendwo in der Region eine höhere Zahl an Beschäftigten, die sozialversichert sind. Der Wohnungsmarkt registriere derzeit einen verschwindend geringen Leerstand. Man sei gut ausgestattet, was auch am Ausbau des Wohnumfeldes liegt. „Die Schullandschaft wird den Anforderungen gerecht, wir bieten Berufsausbildungen an verschiedenen Standorten“, sagt Thielicke.

Luckenwalde verzeichnet einen negativen Wachstumstrend, ebenso Brandenburg an der Havel und Cottbus, die in der Rangfolge hinter der Kreisstadt Teltow-Flämings liegen. Mit heute 20 354 Einwohnern unterbietet Luckenwalde den Wert aus dem Jahr 1990 – Tendenz fallend. Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) sieht einen Grund dafür darin, dass Luckenwalde nicht im Berliner Speckgürtel liegt. „Erfreulich ist jedoch, dass wir seit 2008 wieder mehr Zuzüge als Wegzüge verzeichnen.“ Die sinkende Einwohnerzahl resultiere aus dem sogenannten Sterbeüberschuss. Auf 250 bis 300 Sterbefälle kommen nur 150 bis 180 Geburten jährlich. „Ich stelle nicht in Abrede, dass Luckenwalde weiter schrumpfen wird, doch ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Prozess sehr viel langsamer verlaufen wird als prognostiziert“, sagt Elisabeth Herzog-von der Heide.

Ausschlaggebend dafür könnten Berliner sein, die der Großstadt müde werden und nach Luckenwalde ziehen. Eine Befragung der Stadtverwaltung unter den Neubürgern habe ergeben, dass viele die gute Bahnanbindung, die bezahlbaren Grundstücks- und Wohnungspreise, die gute Kinderbetreuung und die Freizeitangebote auf kurzen Wegen schätzen. Die bisherige Investitions-Strategie der Stadt sei weiterhin der richtige Weg, sagt die Bürgermeisterin.

Einen dauerhaften Bevölkerungsrückgang beklagen 101 der ausgewählten Städte in Ostdeutschland. Schlusslicht mit mehr als 50 Prozent Verlust ist Weißwasser (Oberlausitz).

Von Luise Fröhlich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bauen & Wohnen


Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg