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Der Chor ist wie eine Familie

Jasmin Thelen leitet den Schulchor Der Chor ist wie eine Familie

Die Schülerin Jasmin Thelen aus Birkenwerder hat die Leitung des Schulchores der Regine-Hildebrandt-Schule übernommen. Sie will nach dem Abitur Wirtschaftsinformatik studieren, hat den Traum vom Gesangsstudium aber noch nicht ganz aufgegeben.

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Jasmin Thelen, hier als Chorleiterin des Schulchores bei der Verleihung des Schulpreises an der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule

Quelle: Gawande

Birkenwerder. Wenn jemand von so vielen Klängen umgeben ist wie Jasmin Thelen aus Birkenwerder, dann würde man annehmen, dass es nach dem bestandenen Abitur nur einen Berufswunsch geben kann: Musik! Doch fragt man die 18-Jährige nach ihren Plänen für die Zukunft, kommt trocken: „Ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik.“ In einem Dienstleistungsunternehmen hat sie sich beworben. Sie wolle auf eigenen Füßen stehen, selber Geld verdienen, um auch die Eltern nicht länger zu belasten, erklärt Jasmin, die noch zwei Geschwister hat. Auch Bioinformatik oder -technologie wären noch eine Option, aber nicht die Musik.

Die Abiturientin, die im Sommer an der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule ihren Abschluss machen wird, verrät, dass ein Gesangsstudium zwar schon noch ein Traum von ihr sei, aber sie könne weder Klavier spielen, noch habe sie ausreichende Kenntnisse im Bereich der Gehörbildung. Aber Musiktheorie: Kein Problem. „Noten lesen ist wie Mathematik.“ Musikgeschichte sei dagegen eher langweilig. „Ich hätte gerne einen Musikleistungskurs belegt, das wäre eine tolle Vorbereitung für ein Studium gewesen.“ Ein wenig würde sie daher die zukünftigen Oberstufenschüler ihrer Schule beneiden, die demnächst einen derartigen Kurs belegen können.

Darunter auch ihr Freund Paulus, musikalisches Multitalent, mit dem sie seit mehr als drei Jahren zusammen ist. Und mit dem sie in der Schulband „New Born“ auftritt und privat in der Band „Melotorium“ spielt. Am liebsten Metal. Egal ob Symphonic, Goth oder Progressive. Toll seien die Songs der Progressive-Metal-Band „Dream Theater“ aus New York. Oder wenn in der Metalmusik Operngesang eingesetzt werde. „Klassisch ausgebildete Sänger klingen einfach cool.“

Muss sie es doch wissen, schließlich hat sie seit der 6. Klasse Gesangsunterricht. „Ich singe gerne klassische Stücke, aber anhören muss nicht sein.“ Außer es geht in die Oper, in Berlin, am liebsten in die Komische. „Die Inszenierung der Zauberflöte war genial.“ In der Oper wird eben nicht nur gesungen, stellt Jasmin, die auch Ballett und Bauchtanz gelernt hat, schmunzelnd fest. „Und erst die Kostüme!“, gerät sie ins Schwärmen. Sie hat sich vorgenommen, im Chor der Staatsoper zu singen. „Das Zusammenspiel von Stimmen ist toll, aber es ist schwer, das gleiche Niveau zu finden“, weiß die Sopranistin. „Ich mag Duette, wie die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen.“ Nur an Debussy wage sie sich noch nicht heran. „Das ist musikalisch noch zu anspruchsvoll.“ Sie gibt nämlich zu, nicht allzu gerne zu üben.

Dabei kann sie auch jetzt nichts davon abhalten zur Schule zu gehen, obwohl ihre Schulzeit eigentlich beendet ist. „Ich fühle mich wohl dort, genieße es, die vielen Instrumente ausprobieren zu können.“

So kommt sie auch zu den Proben des Schulchores, dessen Leitung sie im Sommer 2015 übernommen hat. „Unser Musiklehrer Stephan Kuechner macht gerade ein Sabbatical.“ Sie würde überall gerne aushelfen, verrät Jasmin, die seit vielen Jahren selber im Schulchor gesungen hat. So hatte sie auch die Ehre, im Winter den Kulturpreis des Landkreises stellvertretend für ihren Musiklehrer entgegen zu nehmen.

Auf die Frage ob es nicht merkwürdig sei, als Schülerin vor Schülern zu stehen, antwortet sie relaxt: „Ich werde akzeptiert, mehr als mancher Lehrer.“ Manchmal fehle ihr bei den Proben mit den Zehntklässlern und jüngeren Jahrgängen jedoch die Unterstützung Älterer, gibt sie zu.„Beim Musicalprojekt hatte Herr Kuechner immer die Unterstützung der Abiturienten, die fehlen jetzt.“ Aber die Chorarbeit mache ihr unglaublich viel Spaß. Der Chor sei wie eine Familie für sie. „Manchmal werde ich Chor-Mami genannt“, erzählt sie. Sie könne mit dem Schulchor ihre Vorstellung von Klang ausführen. Ob beim Bond-Klassiker „The World is not enough“ oder bei „Verstohlen geht der Mond auf“ in einer Version von Stephan Kuechner. „Der Satz ist genial, auch wenn meine Oma sich über die schiefen Töne beschwert.“ Aber die würden sich eben so gehören.

Selten verspüre sie so etwas wie Lampenfieber, erzählt sie. Schließlich habe sie sich nach und nach hochgearbeitet. In der 12.Klasse sogar den Kompetenznachweis Kultur, eine Art Arbeitszeugnis, der sogar bei Bewerbungen anerkannt wird, erworben. Ein Leben für die Schule und die Musik.

Musik mache sie glücklich. Xavier Naidoo habe einmal gesagt, dass man wenn sich anderen Menschen öffne, auch in seinen Liedern Gefühle transportieren könne. Jasmin Thelen:„Das ist mein Anspruch.“ Man merkt es.

Von Ulrike Gawande

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