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Babelsberger Eisfrau wartet auf Frühling

Kölnerin betreibt Manufaktur in Potsdam Babelsberger Eisfrau wartet auf Frühling

Andrea Lisboa arbeitet in einem Kölner Verlag, viele Jahre lang. Heute ist sie „Die Eisfrau“ und verkauft frostiges Glück in Babelsberg. Eine Geschichte von Zu- und Glücksfällen.

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Andrea Lisboa stilecht in ihrer Eisfrau-Uniform, die zum Interieur ihres „auf Früher“ gemachten Ladens passt.

Babelsberg. Die Eisfrau friert. Andrea Lisboa fröstelt, als sie zur Probe die rot-weißen Markisen an der Fensterfront auskurbelt. Wie auf Bestellung wirbeln ein paar Schneeflocken durch die Februarluft. Als hätte man den kleinen Laden in der Babelsberger Rudolf-Breitscheid-Straße in eine Schneekugel gepackt und sacht geschüttelt. Die Leute wollen warmen Tee zu dieser Zeit oder heiße Schokolade. Deswegen hat Lisboa ihr Eislabor zwei Monate lang geschlossen. Schulkinder und Rentner bleiben hoffnungsvoll stehen. Ist es etwa soweit? Macht die Eisfrau wieder auf? Sie schüttelt den Kopf. Vier Wochen noch.

„Was machen Sie denn im Winter?“ Diese Frage hört sie oft. Eis sei eben ein Saisongeschäft. Man lebt in der Winterpause von den Einnahmen der wärmeren Monate. Dabei komme es gar nicht so sehr auf die Temperaturen an, sondern auf Sonnenschein. Anfang November, an einem sonnigen Tag, stürmten die Leuten in den Laden, obwohl es kühl war. „Sie hatten mich ausverkauft“, sagt die 46-Jährige, die erst im Juli 2015 ihre Eismanufaktur eröffnete. Dass es dazu kam, ist eine Geschichte von Liebe, Glück und künstlichen Aromen.

Andrea Lisboa ist Kölnerin. 18 Jahre arbeitet sie bei einem Verlag. Glücklich war sie damit schon länger nicht mehr. Sie ging durch die Domstadt, kaufte sich ein Trost-eis. Es schmeckte nicht. Sie zog weiter zur nächsten Eisdiele, schleckte sich durch die halbe Stadt. Bäh! Sie war überzeugt: Das geht besser. Tatsächlich verlor sie bald ihren Job. Aber sie hatte einen Plan: Eismachen! Sie las, experimentierte, lernte auf einer Eisfachschule. Frische Zutaten, kein Pulver, kein Püree. Das sei ihr ganzes Geheminis. Drei Jahre Vorbereitung gingen ins Land, bevor sie ihr erstes eigens Gelato an die Kunden brachte – in Babelsberg.

Verliebt in Potsdam

Andrea Lisboa verliebte sich in Potsdam, ohne die Stadt vorher gesehen zu haben. Die Ex-Frau ihres Mannes zog nach Berlin, mit den beiden Kindern. Damit ihr Mann (54) – Top-Manager und gebürtiger Portugiese – seine Kinder weiter sehen konnte, war Andrea Lisboa bereit umzuziehen. „Ich wollte aber nicht nach Berlin“, erklärt sie, „zu groß“. Sie habe lange im Belgischen Viertel in Köln gelebt, Clubs, Kneipen, Highlife. „Ich gehe gerne in Kneipen, aber ich muss sie nicht mehr nebenan haben“, sagt sie. Also nahm sie eine Landkarte. „Schau dir an, wie das liegt. Dort muss es cool sein“, habe sie zu ihrem Mann gesagt und auf Potsdam getippt. Grün, viel Wasser. Sogar die hohen Mieten überzeugten: Ist wohl kein schlechter Ort zum Leben, wenn die Leute bereit sind, so viel zu zahlen. „Ich wollte ungesehen hin“, sagt die Eisfrau. Ihr Mann, der seinen Geschäftsführerjob aufgab um seine chaotisch-kreative Frau bei der Ladenorganisation zu unterstützen, ermahnte sie, doch wenigstens vorher einmal hinzufahren. Das tat sie – fand es „zauberhaft“. „Für Potsdam muss man im richtigen Alter sein“, fügt die 46-Jährige hinzu. „Mit 18 hätte ich nichts anderes zu tun gehabt, als Potsdam dem Rücken zu kehren. Aber jetzt?“

Sie ruft die „Sorbetisierung Babelsbergs“ aus

Jetzt strahlt sie beim Erzählen als hätte sie ein „Bällchen“ geschleckt, wie sie zur Kugel sagt. Andrea Lisboa mochte kein Schokoeis – bis sie selbst die Eismaschine anwarf. Einen Klacks Sahne drauf, fertig sei der perfekte „Sorgenhobel“. „Ich verkaufe Glück“, meint die Eisfrau. Ältere Herren sind ihre liebsten Kunden. „Für einen Sekundenbruchteil sehe ich dann Siebenjährige vor mir.“ Die Senioren schlecken in Erinnerungen – den immergleichen. Einmal Pistazie, immer Pistazie. Da sei nichts zu machen, auch wenn sie Sorten wie Milchreis oder salziges Butterkaramell anpreist und zur „Sorbetisierung“ Babelsbergs aufruft. Ein Kampf gegen Geschmacksvorurteile. Bei Sorbet dächten die meisten an kristalliges Wassereis, das zwischen den Zähnen knirscht. „Das ist kein Flutschfinger“, erklärt sie mit Nachdruck, „das ist 50 Prozent Frucht.“

Beim Eismachen lerne mal viel über die Menschen im Allgemeinen und die Babelsberger im Besonderen. „Eisessen gehen ist absolute Vätersache“, sagt sie. „Die Väter heben die Kinder an der Vitrine hoch.“ Dabei kann man in ihrem Laden die süße Masse gar nicht sehen. Sie verbirgt sich unter silbernen Deckeln, weil Luft der natürliche Feind des Eises sei.

Einmal sei ein grimmig dreinblickender Italiener in den Laden gekommen. Seine Kunden hätten vom Eis der Eisfrau geschwärmt. Das kränkte ihn in seiner Gelatiere-Ehre. „Was du verstehe vone Eis, Frau?“ Er kostete – und lächelte. Vielleicht kommt er inkognito auf ein Bällchen vorbei, wenn die nächste Eiszeit angebrochen ist.

Saisonstart am 18. März

Ihre Winterpause beendet die Eisfrau im März, am 18. öffnet der Laden in der Rudolf-Breitscheid-Straße 42 wieder.

Das Geschäft ist kein klassisches Eiscafé, sondern bietet „Eis to go“. Es gibt wenige Sitzmöglichkeiten – innen den bestuhlten Tresen, außen zwei Bänke.

Für die neue Saison sucht die Eisfrau noch Mitarbeiter, gerne Studenten.

Ein mobiler Eisverkauf mit einem Piaggio Ape Kastenwagen soll ab diesem Jahr zu Wochenmärkten starten.

Von Marion Kaufmann

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