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Die Steh-Auf-Frau

Seit 25 Jahren Barbara Kühl leitet Barbara Kühl ihr Café in Mahlow Die Steh-Auf-Frau

Mit einem Käsekuchen begann vor 25 Jahren die Geschichte des Cafés am Mahlower See. So weit, so unspektakulär. Wenn im Leben von Inhaberin Barbara Kühl Dinge nicht Dinge passiert wären, die sich wie der Stoff eines Psychothrillers anhören. Trotzdem denkt die 64-Jährige nicht ans Aufhören.

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Barbara Kühl vor ihrem Lebenstraum: Ein Restaurant mit Pension und Blick auf den Mahlower See.

Quelle: Zielke

Mahlow. Ein sonniger Junimorgen am Mahlower See: Pensionsgäste frühstücken auf der Terrasse, ein paar Meter entfernt feiert eine Gruppe Bundespolizisten ihr Sommerfest auf dem gerade fertig gewordenen Beachvolleyballplatz. Wildgänse suchen im trockenen Gras nach etwas Essbarem.

Plötzlich steht eine Gruppe Rentner vor der Terrasse. Barbara Kühl springt auf, rückt Stühle umher, packt die älteren Herrschaften an den Arm und führt sie an den Tisch. „Eure Mercedesse könnt ihr hier abstellen“, sagt sie und schiebt die Rollatoren beiseite. Wenn viel zu tun ist, packt Barbara Kühl mit an. So tut sie es seit mittlerweile 25 Jahren.

Als Kulturrätin beim Rat des Kreises Zossen und Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes hatte sie an die DDR geglaubt. Als die Mauer fiel, fiel über Nacht ihr Weltbild in sich zusammen. „Das war ein harter Schlag“, sagt sie. Mit knapp 40  Jahren musste sie ein neues Leben beginnen. Weil ihr Sohn, der zu dieser Zeit das Abitur machte, ihren Käsekuchen so lobte, entschloss sich Barbara Kühl, ein Café zu eröffnen. Das Mahlower Seebad wählte sie aus, weil sie dort immer mit ihrem Hund baden war. Am ersten Öffnungstag im Sommer 1990 eröffnete sie ihr erstes Café mit zwei Tischen und acht Stühlen. „Eine Kanne Kaffee und einen Käsekuchen habe ich verkauft“, erinnert sich die 64-Jährige. Nicht viel, aber genug, um zu spüren, dass da eine Marktlücke war. Ihr erster Gast von damals, Gerd Thieme aus Westberlin, kommt immer noch regelmäßig in das Café. Thiemes Sohn wird in ein paar Wochen seine Hochzeit dort feiern, wo sein Vater auf einer Wiese einst Barbara Kühls Käsekuchen aß.

Mit ihren Backkünsten allein hätte sie es nicht zu einem Kleinbetrieb samt Restaurant, acht Zimmern und 14 Angestellten geschafft. Anfang der 1990er Jahre sprach vieles gegen sie. Die Banken wollten ihr keine Kredite geben. „Alleinstehend, Gastronomie, Frau – mehr Gründe, kein Geld zu geben, gab es eigentlich kaum“, erinnert sie sich. Sie musste die Banken mit Hartnäckigkeit, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit überzeugen – und mit dem festen Willen hart zu arbeiten. Rund um die Uhr, an Wochenenden und Feiertagen. Nach wenigen Jahren trug die Plackerei erste Früchte. Stück für Stück hatte Barbara Kühl aus einer verwilderten Wiese mit ein paar nicht weniger verwilderten Bungalows ein beliebtes Ausflugsziel geschaffen. So hätte es weitergehen können, wenn da nicht dieser verheerende Tag im Jahr 1995 gewesen wäre.

Der letzte Gast hielt ihr ein Messer an den Hals

Es war kurz vor Feierabend, als der letzte Gast ihr plötzlich ein Messer an die Kehle hielt, sie einsperrte und vergewaltigte. Zwei Tage dauerte ihr Martyrium. „Er hat einfach beschlossen, dass ich sterben soll“, sagt sie. 20 Jahre später fällt Barbara Kühl ihr immer noch schwer, darüber zu reden: „Es war unglaublich brutal.“ Viele haben ihr damals geraten, das Café aufzugeben. Für Barbara Kühl kam das nicht in Frage. „Dann hätte er sein Ziel erreicht, mich zu zerstören.“

Noch während der Gerichtsverhandlung drohte der Täter Joachim P. mit Rache. Dass er diese auch tatsächlich in die Tat umsetzte, war ein weiterer unglaublicher Schicksalsschlag in Barbara Kühls Leben. Zehn Jahre nach der ersten Tat kehrte Joachim P. nach Mahlow zurück. In der Nacht zum 29. Juli 2005 steckte er das Café seines einstigen Opfers an. Barbara Kühls Lebenstraum brannte innerhalb weniger Stunden bis auf die Grundmauern nieder. Zwei Tage stand sie unter Personenschutz, bis die Polizei Joachim P. festnehmen konnte. Zwölf Jahre Haft und zehn Jahre Sicherheitsverwahrung hat ihm seine Rache eingebracht. Wieder stand Barbara Kühl vor der Frage, ob sie aufgeben soll. „Nie im Leben“, sagt sie. Wenige Tage nach dem Feuer stellte sie vor den Ruinen des Cafés einen Grill auf und schenkte die ersten Biere aus. „Ich habe unglaublich viel Unterstützung und Zuspruch bekommen“, sagt sie. Wieder haben sich allerdings auch die Banken quergestellt. „Ich bin zum Bürgermeister gegangen und habe damit gedroht, bei Ministerpräsident Platzeck in einen Sitzstreik zu treten“. Kurz darauf hatte sie von der Bank eine Kreditzusage.

Das Haus war bis auf die Grundmauern abgebrannt

Das Haus war bis auf die Grundmauern abgebrannt

Quelle: Zielke

Im Oktober 2005 wurde der Grundstein zu ihrem neuen Café gelegt. Mit Anfang 50 musste sie noch einmal bei Null anfangen. Zehn Jahre später hat sie ihren Traum erfüllt.

Barbara Kühl sitzt auf der Terrasse ihres Cafés. „Ich habe es allen Leuten bewiesen und darauf bin ich stolz.“ An Rente denkt sie nicht, dafür mache ihr die Arbeit einfach noch zu viel Spaß. „Wenn ich eine Million gewinnen würde, würde ich trotzdem nicht nach Mallorca ziehen.“ Angst um die Zukunft ihres Lebenswerks hat sie nicht. In den vergangenen Jahren habe sie ein Team geformt, das die Geschäfte eines Tages weiterführen soll. Wie in einer Familie geht es da zu, sagt sie. Und da hält man zusammen – auch in schweren Zeiten. Von denen, sagt Barbrara Kühl, habe sie genug erlebt.

Zum 25. Jubiläum findet am kommenden Sonnabend, 13. Juni, eine kleine Feier mit Musik im Restaurant am Mahlower See statt. Beginn ist 15 Uhr.

Von Christian Zielke

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