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Wenn die Kugel Eis 1,30 Euro kostet

Preise in Potsdam ziehen enorm an Wenn die Kugel Eis 1,30 Euro kostet

Lecker, schlecker: Eis ist der Renner im Sommer, aber das Vergnügen wird immer teurer. Vor allem in der Innenstadt kassieren die Cafés mehr denn je. Die Eis-Dieler nennen für den Preisanstieg verschiedene Ursachen: Ladenmiete, Rohstoffe, Mindestlohn. Aber – wo liegt die Schmerzgrenze der Kunden?

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Die Brandenburger Straße hat viele Eisdielen. Hier kostet die Kugel inzwischen 1,20 Euro, bei den meisten Selbstherstellern sind das 20 Cent mehr als im Vorjahr.

Quelle: Rainer Schüler

Innenstadt. Was haben wir als Kinder uns die Bäuche voll geschlagen! Bauchschmerzen hatten wir nach sieben Kugeln Eis; nur die einsetzende Unterkühlung setzte dem Spaß ein Ende, nicht das Portemonnaie. Die Kugel gab’s für 10 bis 20 Pfennig, auch wenn es bloß vier Sorten gab, zuweilen auch mal fünf. Damals zahlte man das Eis meistens mit Münzgeld, so billig war es, heute greift man schnell zum Geldschein, erst recht, wenn man Kinder an der Hand hat.

Ole Züllich

Ole Züllich: „Bei mir ist jetzt schon beim jetzigen Preis Schluss. Deshalb machen wir in meiner Familie sowas selbst, das ist billiger und schmeckt viel, viel besser. Ich bin sowieso mehr der Kuchentyp.“

Quelle: MAZ

Auch der Kakao-Preis ist ein Grund für horrende Kugelpreise

1,20 Euro kostet die Kugel aktuell auf der Brandenburger Straße, bei den meisten sind das stolze 20 Cent mehr als letztes Jahr. Das Eiscafé am Brandenburger Tor verlangte das schon letztes Jahr, berichtet eine Verkäuferin, und die Eismanufaktur ein paar Häuser weiter hatte 2014 diesen Preis schon bei den Sorbet-Eissorten, denen mit dem Fruchtgehalt; gestiegen ist der Preis hier also bei den Milcheis-Sorten. Der Mindestlohn sei schuld, sagt ein Verkäufer schnell, nicht aber, wo in der kurzen Produktionskette des Handwerksunternehmens jemand letztes Jahr nach Mindestlohn bezahlt wurde und nun nicht mehr. Aber der interessierte junge Mann hat noch mehr Begründungen in petto: Schuld sind vor allem die Chinesen, die ihre Liebe zu Schokolade entdeckt und eine Riesennachfrage nach Kakao erzeugt hätten. Asien hat tatsächlich zunehmend Appetit auf Schokolade. Der steigende Verzehr kakaobasierter Genussmittel in der Region hat die Preise für Kakao-Bohnen auf den höchsten Stand seit drei Jahren getrieben. Bei Schokoladeneis könnte das also preissteigernd wirken. Dagegen ist der Kaffeepreis seit Sommer 2014 im Sinkflug: Latte- oder Cappuccino-Eis müssten im Preis eigentlich sinken.

Eva Fischer

Eva Fischer: „Ich esse ja höchstes eine Kugel; 1,20 Euro ist da okay. Bei 1,50 Euro fange ich an zu überlegen. 2,50 Euro aber wären mir zu viel, egal, wie schön die Eisdiele liegt.“

Quelle: MAZ

Preissteigerung wegen Ökostrom

„Alles wird teurer“, sagt eine Eisverkäuferin bei „Gelati“: „Die Miete, die Rohstoffe, der Mindestlohn.“ Höhere Ladenmieten schlagen natürlich auf die Preise durch, die Rohstoffe nicht unbedingt, denn Milch und Zucker als Hauptbestandteile herkömmlichen Speiseeises sind deutlich billiger geworden letztes Jahr.

Im Q-Regio-Hofladen am Holländischen Viertel gibt es das Eis vom Bauernhof aus der Uckermark zwar nicht „to go“ im Waffelhörnchen, aber im 100-Gramm-Becherchen für zwei Euro, zwei Kugeln gibt das her. Ein paar hundert Meter weiter bricht die Eismanufaktur Vanille & Marille die Preisgrenze nach oben und verlangt 1,30 Euro pro Kugel statt 1,20 letztes Jahr. Die Inhaber geben sich aber Mühe, dies ihren Kunden zu erklären, haben Postkarten verteilt und Flyer ausgelegt. „Extreme Preissteigerungen“ bei den Zutaten, zum Beispiel 50 Prozent bei Haselnüssen und Pistazien, sowie höhere Löhne im Verkauf hätten zur Kostensteigerung geführt, ist dort zu lesen. Tatsächlich hatte die Türkei als weltgrößter Haselnussproduzent wegen ungewöhnlicher Märzfröste eine Ernteeinbruch von 800.000 auf 540.000 Tonnen, andere Herstellernationen zogen ihre Preise nach oben nach. Kalifornien als Hauptmandelproduzent rief im Januar 2014 den Dürrenotstand aus, und auch der weltgrößte Pistazienproduzent Iran hatte Probleme. Vanille & Marille hat zudem Produktion und alle Läden auf „zertifizierten Ökostrom“ umgestellt, der komplett aus Wasserkraft gewonnen wird. Aus all diesen Gründen habe man die Kugel teurer machen müssen, heißt es. „Streusel bleiben selbstverständlich kostenlos.“ Im Bahnhof kostet die Kugel Eis einen Euro, wie auch im letzten Jahr, im Stern-Center 1,20 – unverändert.

Dieter Wille

Dieter Wille: „Ich finde 60 Cent angemessen, zahle aber auch einen Euro für eine gute Kugel, mehr nicht. Wir hatten in Frankreich mal eine für 2,30 Euro. Aber die war riesig.“

Quelle: MAZ

Zutaten für Eis bleiben oft Geheimnis der Hersteller

Über die Eisqualität indes sagt der Preis rein gar nichts, denn die Hersteller schweigen sich aus über die Inhaltsstoffe. Über die wird aber heftig diskutiert im Internet. Bei eispreis.de etwa wird der steigende Einsatz künstlicher Aromen und kleiner gewordener Kugelportionierer kritisiert. Erdbeereis sei zu annehmbaren Preisen faktisch nicht mehr herstellbar, weil man für eine Kugel fünf bis acht Erdbeeren bräuchte, und Walnuss-Eis zeige nur sehr selten den typischen Nuss-Geschmackswechsel von süß auf bitter. im Jahre 2002 habe man fast ausschließlich Eisportionierer verwendet, die 20 bis 24 Kugeln aus einem Liter Eis schabten; im Jahr 2013 waren die Portionierer den Angaben zufolge schon so klein, dass der Liter 30 bis 36 Kugeln hergab. Eiszusatzstoffe und Maschinen seien inzwischen so gut geworden, dass die Kugel um mindestens zehn Prozent leichter geworden sei; die Maschinen könnten heute 15 bis 40 Prozent Luft ins Eis einarbeiten statt früher 10 bis 15  Prozent.

Was unterscheidet die Eissorten?

Je nach Zutaten und Mengenanteilen unterscheidet man Fruchteis, Milcheis, Sahneeis, Creme Eis, Fruchteiscreme, Eiscreme, Sorbet oder Wassereis.

Fruchteis enthält einen Fruchtanteil von mindestens 20 Prozent. „Frucht“ umfasst den essbaren Anteil von Früchten, auch zerkleinert, Fruchtzubereitungen, Fruchtmark und Fruchtsaft. Bei sauren Früchten wie Zitrone muss der Fruchtanteil mindestens 10 Prozent betragen.

Milcheis muss mindestens 70 Prozent Vollmilch enthalten. Es können auch andere Milcherzeugnisse, gegebenenfalls getrocknet oder eingedickt, verwendet werden, die dann dem Milchfettgehalt der Vollmilch entsprechen. Eiscreme enthält mindestens 10 Prozent Milchfett.

Creme Eis muss aus mindestens 50 Prozent Milch und einem bestimmten Anteil an Eiern bestehen. Es ist kein zusätzliches Wasser enthalten.

Sorbet ist halbgefrorenes, wenig gesüßtes Fruchteis. Der Anteil der Frucht beträgt mindestens 25 Prozent, bei Sorbets aus Zitrusfrüchten mindestens 15 Prozent. Durch den höheren Fruchtsaft-bzw. Fruchtmarkanteil ist mehr Säure in der Masse; sie gefriert nicht so intensiv. Milch wird nicht genutzt.

Speiseeis kann pflanzliche Fette wie Palmöl, Speiseeispulver, Bindemittel und Aromen enthalten.

Christiane Ritter

Christiane Ritter: „Aussteigen würde ich bei 1,50 Euro. Aber das hängt natürlich von der Kugelgröße ab. In Italien hatten wir mal eine für 3 Euro, die hatten aber eine Kelle zum Schöpfen.“

Quelle: MAZ

Von Rainer Schüler

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