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Freies Obst für freie Bürger

Mundraub in Bad Belzig Freies Obst für freie Bürger

Knackige Äpfel, aromatische Kräuter und frisches Gemüse kostenlos am Straßenrand einsammeln – klingt super. Eine Internetplattform informiert über die besten Stellen für den so genannten Mundraub. Welche Orte sich in Bad Belzig besonders lohnen und ob sich Sammler eventuell sogar strafbar machen, hat die MAZ für Sie herausgefunden.

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Quelle: Dirk Froehlich

Bad Belzig. Mirabellen und Brombeeren in Jeserig/Fläming, Pflaumen in Kranepuhl, Kirschen und Äpfel auf der Strecke nach Wiesenburg – auch im Fläming findet sich Obst, das man einfach so pflücken könnte. Man muss nur wissen, wo. Die Internetplattform mundraub.org will ein Wegweiser für moderne Sammler sein. Zehntausende Nutzer haben bereits Stellen auf der interaktiven Deutschlandkarte markiert, an denen sie Nüsse, Gemüse, Kräuter und Beeren ernten, ohne dafür zu bezahlen. Mundraub nennt sich das Prinzip, das sogar Bundesforschungsministerin Johanna Wanka unterstützt.

Die Devise hinter dem Projekt lautet, herrenlose Früchte nicht verderben zu lassen, sondern zu verzehren. Die Mundraub-Macher wollen, wie sie sagen, „vergessene Früchte wieder ins Bewusstsein rücken“ und diese „als Teil unserer Kulturlandschaft und Biodiversität erhalten“. Deshalb rufen sie ihre Nutzer auf, bekannte Bäume und Sträucher im Internet zu markieren. An der B246 zwischen Wiesenburg und Bad Belzig findet sich beispielsweise der Eintrag „alte Obstbäume an der Allee zwischen Belzig über Hagelberg, Grützdorf und Klein-Glien bis Wiesenburg - immer so 10-20 hintereinander“. Man könne dort, so der eintragende Nutzer, in idyllischer Landschaft weitgehend ungestört ernten.

Es klingt nach paradiesischen Zuständen, doch im Vergleich mit umliegenden Regionen ist der Bad Belziger Raum auf der Mundraubkarte deutlich unterrepräsentiert. Brandenburg sei für Obstfreunde grundsätzlich besonders attraktiv , sagt Mundraub-Gründer Kai Gildhorn, weil die Preußen traditionell viele Obstbäume entlang der Alleen pflanzten. Die Früchte seien als Verpflegung für die Soldaten vorgesehen gewesen. Sogar ein Gesetz habe im Preußen des 18. Jahrhunderts existiert, nach dem ein Mann vor seiner Hochzeit 20 Obstbäume zu pflanzen hatte. „Davon“, sagt Gildhorn, „zehren die Regionen in Brandenburg noch heute.“ Die Obstbaumalleen verschwinden allerdings nach und nach, sie machen Platz für Radwege und verbreiterte Straßen. Zudem kennen im Fläming nur relativ wenige Menschen das Internetangebot oder tragen gar die Orte auf den interaktiven Karten ein.

Dazu kommt, dass die Anarcho-Ernte nicht überall gern gesehen ist. Grundstücke und damit auch die darauf stehenden Bäume und deren Früchte gehören in den meisten Fällen jemandem; seien es Privatpersonen, Firmen oder Gemeinden. In den Regeln, die sich die Mundräuber selbst auferlegt haben, steht an oberster Stelle, dass vor dem Eintrag eines Baumes die Eigentumsverhältnisse zu klären seien. Kontrollieren kann und will das jedoch in der Berliner Firma Terra Concordia, welche die Homepage betreibt, niemand, wie Pressesprecherin Andie Arndt zugibt: „Die Community reguliert sich selbst“, so Arndt auf Anfrage der MAZ, „wenn jemand eine Beanstandung hat, zum Beispiel weil irgendjemand seine privaten Obstbäume eingetragen hat, reagieren wir sofort. Aber das passiert nur in 0,3 Prozent unserer mehr als 20000 Einträge.“ Margarete Löffler vom Gartenbauverband Berlin-Brandenburg sagt: „Freie Flächen, auf denen man einfach pflücken kann, sind uns nicht bekannt.“Andie Arndt gibt den Tipp, bei zweifelhaften Stellen das Obst sicherheitshalber hängen zu lassen. Privatgärten sind im Mundraub-System ohnehin anderweitig eingebunden: „Wer seine Ernte im Schrebergarten nicht verarbeitet, der kann sie anderen Interessenten anbieten“, so Arndt.

Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte vor der Ernte herausfinden, wem Busch und Baum gehören und sich ruhig trauen, Nachbarn und Gartenbesitzer direkt anzusprechen, ob sie bereit wären, einen Teil ihrer Ernte abzugeben.

Von Saskia Popp

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