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Honig von glücklichen Bienen

Hobbyimker setzen auf die Bienenkiste Honig von glücklichen Bienen

Imkern ohne viel Aufwand – das verspricht das Prinzip der Bienenkiste. Zahlreiche Hobbyimker aus der Region haben es ausprobiert und sind von der als naturnah beschriebenen Zuchtart begeistert, bei der die Tiere weniger gestört werden als üblich.

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Hobbyimker Rolf Engler vor der Bienenkiste in seinem Garten in Dabendorf.
 

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Dahmeland-Fläming.  Wenn Rolf Engler an seine Bienen denkt, fällt ihm spontan ein Zitat von Aristoteles ein: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ So beschreibt er das naturnahe Prinzip, nach dem er arbeitet und mit dem er sich von herkömmlichen Imkern unterscheidet. Es ist ein Hobby, das in der Region Dahmeland-Fläming immer beliebter wird.

Seit drei Jahren hat der 57 Jahre alte Dabendorfer eine Bienenkiste, die etwa einen Meter lang ist, in seinem Garten, zu Höchstzeiten im Sommer schwärmen bis zu 50 000 Carnica-Bienen ein und aus. Honig darf er aber nur einmal im Jahr ernten – traditionelle Imker passen die Pollenveränderungen ab und können so verschiedene Honigsorten wie Raps- und Blütenhonig ernten. „Beim Bienenkisten-Honig ist ein guter Mix aus allem drin, es ist kein sortenreiner Honig“, sagt Engler.

Hinter den Bienenkisten steht die Philosophie, die Insekten nur selten zu stören und so natürlich wie möglich leben zu lassen. Insgesamt drei Bienenkisten betreut auch Bettina Wendt in Dahme. Eine steht auf ihrem eigenen Grundstück, zwei weitere finden sich bei Freunden. Wendt, die zu DDR-Zeiten eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert hat, fand das Thema zwar immer spannend, traditionelles Imkern schien ihr jedoch zu zeitaufwendig. Vor allem der Umstand, dass die fleißigen Nutztiere nach und nach sterben, bedrückt sie. „Die normalen Imker haben daran große Aktien“, ist Wendts Auffassung, „in der Bienenkiste werden die Tiere weniger gestört.“ Somit gebe es weniger Angriffsfläche für potenzielle Krankheiten. Traditionelle Imker öffnen ihre Kisten oft, um die Waben zu überprüfen, dabei entweicht die wertvolle Stockluft.

Die Bienenkiste verursacht zudem nicht viel Arbeit – gut zehn Stunden im Jahr lautet die Faustregel. Damit ist sie ideal geeignet für berufstätige

Blick in die Bienenkiste

Blick in die Bienenkiste.

Quelle: Privat

Menschen wie Wendt, die in Königs Wusterhausen als Finanzwirtin arbeitet. Nach einer Bauanweisung aus dem Internet zimmerte ihr Mann die erste Kiste zusammen. Die rechteckige Holzkiste ist in zwei Abschnitte geteilt: Den Brut- und den Honigraum. Der Brutraum, in dem die Königin weilt und außerdem der Nachwuchs gezogen wird, wird völlig in Ruhe gelassen, nur die Waben im kleineren Abteil werden für die Honigernte genutzt. „Man nimmt nur den Überschuss“, erklärt Wendt. Normale Imker hingegen entnähmen auch Waben aus dem Brutabteil und ernten mehrmals im Jahr. Den Honig, den die 53-Jährige einmal im Sommer erntet, nutzt sie nur privat, viel ist es ohnehin nicht – ungefähr mit zehn Kilo pro Kiste kann man rechnen.

„Die Bienenkiste ist nicht dazu da, um massiv Honig zu produzieren“, sagt auch Olaf Matthäi aus Bestensee, der im vergangenen Jahr auf das Prinzip der Bienenkiste über einen Zeitungsartikel aufmerksam wurde. Da die Handhabung der Bienenkiste einfach ist, hat er sich dazu entschlossen, sie auszuprobieren. „Meine Hasen brauchen tägliche Pflege, die Bienen nicht“, sagt er. Vor allem, dass man die Bienen weitestgehend in Ruhe lässt, hat ihn überzeugt. Bei seiner ersten Ernte im August bekam er neun Kilo Honig von seinen Bienen – etwa 18 Gläser. Da sein Sohn Felix eines der Gläser in zwei Wochen leer nascht, wird der Vorrat nicht lange reichen.

 Die Bienenkisten-Imker unterscheiden sich von den konventionell

Einmal im Jahr wird der Honig geerntet

Einmal im Jahr wird der Honig geerntet.

Quelle: Privat

arbeitenden Kollegen auch darin, dass sie ihre Bienen selbst entscheiden lassen, wann es an der Zeit ist, einen neuen Schwarm zu bilden. Diesen fangen sie entweder rechtzeitig ein oder lassen ihn ziehen. „Für den klassischen Imker ist ein Schwarm ein Betriebsunfall“, erklärt Rolf Engler. Diese würden die Königszellen herausbrechen, an denen man erkenne, dass eine Schwarmbildung bevorsteht. „Bei der Bienenkiste ist das Schwarmverhalten gewollt“, so Engler weiter, der aber nicht ausschließt, eines Tages das traditionelle Imkern auszuprobieren. Seinen ersten Bienenschwarm bekam er von einem befreundeten Imker.

Hintergrund

Die Bienenkiste ist eine Holzkiste, deren Boden und Rückbrett abtrennbar sind.

Man kann sie selbst nach der Anleitung in dem Buch „Die Bienenkiste“ von Erhard Maria Klein bauen oder auf www.bienenkiste.de bestellen.

 
Bienenkisten-Besitzer sind verpflichtet, ihre Tiere mit Ameisen- und Oxalsäure gegen die Varroa-Milbe zu behandeln und sich zu registrieren, damit bei Auftreten der Faulbrutseuche alle Völker der Umgebung überprüft werden können.

Doch im Moment ist der Geschäftsführer einer Sicherheitstechnik- und Computerfirma in Mahlow völlig zufrieden mit den Immen, die durch seinen Garten fliegen. „Im Beruf ist bei mir alles hochgradig technisch. In der Natur gelten andere Gesetze“, sagt er. Dass ein Volk mit 50 000 Bienen sich problemlos organisieren kann, findet er faszinierend: „Zehn Menschen auf einem Haufen verursachen dagegen schon ein Chaos.“

Etwas haben alle drei Hobbyimker bemerkt: Seit sie die Bienenkisten haben, ist die Obsternte in ihrer Umgebung auffällig besser geworden. „Ich bin mir nicht sicher, ob das an den Bienen liegt“, sagt Olaf Matthäi. Da kann Bettina Wendt jedoch versichern: „Es liegt an den Bienen.“ Denn seit sie die Kisten hat, haben ihre Nachbarn, in deren Gärten Äpfel- und Birnenbäume wachsen, nicht nur mehr, sondern auch größere Früchte geerntet. Gleiches hat Rolf Engler beobachtet. Er freut sich über jede Biene, die durch Dabendorf schwirrt. „Wenn die Bienen sterben, sterben drei Jahre später die Menschen“, zitiert er Einstein.

Von Anne-Kathrin Fischer

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