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Jetzt wehren sich Obstbauern gegen Mundraub

Diebstahl nervt Bauern Jetzt wehren sich Obstbauern gegen Mundraub

Mundraub wird im Internet beworben und ist legal – das denken zumindest viele. Doch der Apfeldiebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Nun meldet sich einer der vielen im Fläming geschädigten Landwirt zu Wort. Er klagt über hohe Ernteeinbußen. Das ist aber längst nicht alles, denn Fehler bei der Ernte können nachhaltig Schäden anrichten.

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Carsten Hahn

Quelle: Saskia Popp

Bad Belzig. Ernsthafte Ernteeinbußen, zerstörte Bäume, zertrampelte Wiesen - die Fläminger Obstbauern klagen über die Auswirkungen des so genannten Mundraubs. Dieser wird im Internet propagiert und sogar von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) unterstützt. Auf einer interaktive Deutschlandkarte können sich Interessierte über die besten Orte zur kostenlosen Selbsternte von Obst, Gemüse und Kräutern informieren. Eigentlich sollen auf der Karte nur Pflanzen angezeigt werden, bei denen die Ernte legal ist. Doch eine Kontrolle der gemeldeten Stellen erfolgt nicht.

„Die Grundidee hinter dieser Aktion finde ich nicht schlecht“, sagt Carsten Hahn, „vergessene Bäume gibt es nämlich gerade im Fläming viele.“ Als Besitzer einer Streuobstwiese in der Kreisstadt kennt Hahn auch die negativen Aspekte des Mundraubs genau. Der 53-jährige Bad Belziger ist Landwirt im Nebenerwerb. Auf seiner Wiese baut der Landwirt seit fünf Jahren Äpfel und Quitten an. Seit zwei Jahren tragen die ersten Bäume, die Ernte hätte eigentlich um die 500 Kilogramm betragen müssen. „Es waren aber nur 300 Kilo“, klagt Hahn, „Quitten kann ich in diesem Jahr zum Beispiel vollkommen vergessen.“

Ernte illegal und wild

Das liege, sagt Carsten Hahn, an der wilden, illegalen Ernte. „Dieser so genannte Mundraub hat Auswüchse angenommen, die große wirtschaftliche Schäden verursachen“, sagt Hahn. Er kennt Fälle von komplett abgeernteten Bäumen auf Streuobstwiesen, „da können nur Profis am Werk gewesen sein, die haben sich die wertvollsten Sorten ausgesucht.“ Doch auch der nicht professionelle Teil der Obstdiebe bringt Probleme für Carsten Hahn und dessen Kollegen mit sich.

Hahns Streuobstwiese wird nur selten gemäht – eine Auflage der Naturschutzbehörde – dadurch sieht sie zwar wild aus, bietet aber auch vielen Tieren ein Zuhause. „Igel, Blindschleichen, Fasane – die leben alle auf meiner Wiese“, sagt Hahn stolz. Die vielen ungebetenen Besucher scheuchen die Tiere auf. Und sie schaden auch den Bäumen, welche die Mundräuber ja eigentlich schützen wollen: „Eine einzige unprofessionelle Ernte kann Arbeit von zehn Jahren zerstören“, so Landwirt Hahn.

Bauer appelliert an die Politik

Er wünscht sich von den Mundräubern Rücksicht. „Eigentumsverhältnisse müssen einfach geachtet werden“, betont Hahn. Viel Hoffnung hat der Obstbauer allerdings nicht mehr, seit er Spaziergänger beobachtete, die mit Regenschirmen und Gehstöcken einen Pfirsichbaum abernteten. „Dieser Baum“, so Hahn, „stand hinter einem 1,60 Meter hohen Zaun. Da war klar, dass der nicht frei herumsteht.“

Doch auch an die Politik appelliert Carsten Hahn. „Die Obstbaumalleen sind ungepflegt, sie werden völlig falsch beschnitten“, erklärt Hahn, der bundesweit als Experte für Baumschnitt gefragt ist, „gleichzeitig werden immer mehr Alleen angelegt, das ist doch Irrsinn!“ Sein Lösungsansatz ist simpel: „Es braucht Kontinuität in der Pflege von Bäumen und andererseits Menschen, die bereit sind, für Arbeit mit dem entsprechendem Geld zu bezahlen.“

Von Saskia Popp

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