Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Neuruppin: Ärger über Fontane-Imbissbuden

Werbung mit dem großen Sohn der Stadt Neuruppin: Ärger über Fontane-Imbissbuden

Theodor Fontane ist zweifellos an vielen Ecken Neuruppins vertreten, sogar im Beinamen der Stadt. Doch was einer Neuruppinerin sauer aufstößt ist, dass Imbissbudenbesitzer ihre Läden nach dem bekannten Dichter benennen. Sie fordert, die Namen zu ändern, und wandte sich damit an den Bürgermeister. Doch der Stadt sind in dieser Sache die Hände gebunden.

Voriger Artikel
Prignitz und Ruppiner Land zeigen volle Vielfalt
Nächster Artikel
Genusstrainerin bittet zum Sonntagstalk

Stefan Zabel steht hinter dem Namen, das er seinem Grill- und Curryrestaurant gegeben hat.

Quelle: Luise Fröhlich

Neuruppin. „Ich habe nichts so gern wie fröhliche Menschen“, sagte einst Theodor Fontane. Stefan Zabel, Inhaber des Neuruppiner Grill- und Curryhauses, das er nach dem berühmten Dichter benannt hat, sieht das genauso. Deshalb hat er dieses Zitat auch gut lesbar in seinem Currywurst­restaurant platziert. „Ich stehe hinter Fontane, bin selbst Neuruppiner und fühle mich damit verbunden“, sagt Zabel. Andere Neuruppiner hingegen sehen es gar nicht gern, dass ein Currywurstrestaurant oder eine Dönerbude nach Theodor Fontane benannt sind, der 1819 in Neuruppin geboren wurde.

Fontanes Grill & Curry an der Wichmannstraße in Neuruppin

Fontanes Grill & Curry an der Wichmannstraße in Neuruppin.

Quelle: Luise Fröhlich

Die 73-jährige Rosmarie Nann aus Berlin hat vor einiger Zeit ihre Geburtsstadt verlassen, um in Neuruppin fernab der Großstadthektik ihre Ruhe zu finden. Was die Rentnerin auf dem täglichen Spaziergang durch die Stadt sieht, erschüttert sie allerdings in Mark und Bein, wie sie selbst sagt. Ganz in der Nähe ihrer Wohnung steht der Fontane-Dönerladen in der Fehrbelliner Straße. Dass eine Imbissbude nach dem bedeutsamen Sohn der Stadt benannt wurde, kann Rosmarie Nann nicht verstehen: „Ich verurteile diese Art Werbung. Theodor Fontanes Name wird dadurch verunglimpft und seine Person mit türkischem Döner und Berliner Currywurst diskriminierend in Verbindung gebracht“, sagt sie.

Raymond Gerorbian, Mitarbeiter beim Fontane-Döner, fühlt sich falsch verstanden. „Wir wollten dem Laden einen Namen geben, der zur Stadt passt“, erklärt er. „Das soll keine Provokation sein, sondern Werbung für die Stadt machen.“ Von seinen Kunden habe er bislang keine Beschwerden über den Namen gehört. Viele seiner Gäste kommen aus den beiden umliegenden Schulen. „Die Schüler behandeln Fontane ja auch im Deutschunterricht, von daher haben sie auch einen Bezug dazu. Soll ich dem Imbiss lieber einen arabischen oder persischen Namen geben?“, fragt Gerorbian. Er selbst kommt ursprünglich aus dem Iran, lebt seit 29 Jahren in Deutschland und fünf Jahre davon in Neuruppin.

Fontane-Döner an der Fehrbelliner Straße

Fontane-Döner an der Fehrbelliner Straße.

Quelle: Luise Fröhlich

Ur-Neuruppiner ist Stefan Zabel, der im September 2014 „Fontanes Grill und Curry“ in der Bilderbogenpassage eröffnet hat. „Am Ende kann man es eben nicht allen recht machen“, sagt der 50-Jährige. Jeder Mensch setze seine Prioritäten eben anders. „Ich wusste, dass irgendwann jemand kommt und sich über den Namen aufregen wird“, erzählt Zabel. An allen Wänden des kleinen Restaurants hat er gerahmte Zitate von Fontane aufgehängt. Für ihn hat der Name etwas mit Identifikation zu tun und auch Fontane hat auf seinen Wanderungen durch die Mark gut gegessen, sagt der Imbissinhaber und weist auf das Fontane-Kochbuch hin.

Rosmarie Nann würde sich wünschen, dass Fontane von den Imbisslogos der Stadt verschwindet. „Man stelle sich nur vor, dass Deutsche eine Bratwurstbude nach Mustafa Kemal Atatürk benennen. Da wäre die Hölle los“, meint die Rentnerin. Während der Fontane-Ehrung mit dem Möhringchor am 30. Dezember vor dem Denkmal habe sie unter anderem den Baudezernenten Arne Krohn darauf angesprochen und auch eine Mail an den Bürgermeister Jens-Peter Golde geschrieben. Eine Antwort hat sie bis jetzt noch nicht bekommen.

Rathaussprecherin Michaela Ott erklärte auf eine MAZ-Anfrage, dass juristisch nichts dagegen spricht, einen Imbiss nach Fontane zu benennen. „Wir können Frau Nanns Irritation darüber ein Stück weit nachvollziehen“, sagt Ott. Jedoch sei der Stadt auch nach Rücksprache mit der Gewerbefachaufsicht oder dem Handelsregister keine Rechtsvorschrift bekannt, wonach die Bezeichnungen unzulässig wären. Demnach kann die Stadt nicht dagegen vorgehen.

Von Luise Fröhlich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Essen & Trinken
Lebensmittel bequem online einkaufen!!
Spargelrezepte

Klassische und raffinierte Rezepte mit dem beliebeten Gemüse finden Sie hier.

 
 
 
 
 
 

Kartoffelrezepte

Ob Suppe oder Salat, Auflauf oder Püree - leckere Kartoffel-Rezepte