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Pilzsaison im Fläming war kurz und heftig

Sommer zu trocken Pilzsaison im Fläming war kurz und heftig

Die Pilze sind bereits wieder von den Speisekarten der Restaurants im Hohen Fläming gestrichen. Die Saison begann spät und verlief dann kurz und heftig. Das schätzen die Experten zwischen Borkheide und Wiesenburg ein. In Kiefernbeständen wie Mischwäldern haben der trockene Sommer und die sich ändernde Bodenvegetation das Wachstum gebremst.

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Die letzte Portion: Jörg Peter Semler verarbeitet die letzten Pfifferlinge der Saison

Quelle: Andreas Koska

Bad Belzig. Jörg-Peter Semler schwenkt eine der letzten Pfifferlingsportionen in einer kleinen Pfanne. Ein Gast hatte ein Rinderfiletsteak mit den Pilzen bestellt. „Die Saison ist zu Ende“, bestätigt der Koch im Hotel „Fliegerheim“ in Borkheide. Einen kleinen Rest an Steinpilzen hat er noch vorrätig.

Die Gegend rund um Borkheide gilt als gutes Sammelgebiet für Speisepilze. Maronen, Steinpilze und Pfifferlinge wachsen dort gut. „Für die Restaurantküche sind selbst gesammelte Wildpilze jedoch tabu“, erinnert der Koch an die Vorschriften. Für den privaten Bedarf begibt er sich durchaus gern in Familie auf die Suche.

Kurze, dafür intensive Ernte

Ab Mitte September waren die Waldwege entlang der Bundesstraße 246 zwischen Reesdorf und Neuendorf (bei Brück) fast zugeparkt. „Das Wachstum der Hutträger begann spät und war dann kurz und heftig“, so Erich Münkner aus Borkwalde. Er ist ein versierter Pilzkenner. Deshalb hatte er kaum Probleme, welche zu finden, die er gebrauchen kann. „In diesem Jahr gab es für die guten zwei Wochen viele Steinpilze, mäßig Maronen und wenig Pfifferlinge“, so sein Resümee für die kiefernbestandene Zauche. Besonders gefreut hat er sich über den Fund von Riesenchampignons. die dort eher selten vorkommen. Sie werden bis zu 37 Zentimeter hoch, und damit fast viermal so groß wie die Wiesenchampignons.

Bei eine von ihm geführten Wanderung hat er beobachtet, dass zwei Teilnehmer alle Pilze sammelten, auch die giftigen. „Die beiden stammten aus Sibirien. Dort werden sogar Fliegenpilze verspeist, ohne Nachwirkungen“, weiß Erich Münkner. Was dort essbar scheint, ist hier auf jeden Fall giftig, lautet daher seine Warnung. Im Zweifel den Sachverständigen fragen und den Genuss in Maßen halten, lautet die Empfehlung des Experten.

Empfehlung: ausgiebig kochen

Pilze tragen zur gesunden Ernährung bei. Sie enthalten Kalzium, Magnesium und andere Mineralstoffe sowie Spurenelemente - etwa Mangan, Zink und Selen. Daneben beinhalten sie Vitamine, vor allem solche aus der B-Gruppe. Pilze sind zudem reich an essenziellen Aminosäuren, den Bausteinen der Eiweiße.

Pilze eignen sich auch zur Unterstützung bei Diäten. Zu rund drei Vierteln bestehen sie aus Wasser, enthalten kaum Fett, dafür aber unverdauliches Chitin.

In der Funktion eines Ballaststoffs sorgt das Chitin einerseits dafür, dass der Magen mit einer Pilzmahlzeit lange beschäftigt ist – man ist also lange satt. Zum anderen können Pilze aber wegen des Chitingehalts schwer im Magen liegen.

Es wird also empfohlen, die Pilzmahlzeit ausgiebig zu kochen, damit sie leichter verdaulich wird.

Einige Pilze reichen Schwermetalle wie Cadmium oder Quecksilber an. In zu hoher Konzentration können diese Stoffe zum Beispiel Schäden an den Nieren verursachen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät deshalb, nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu verzehren

Zumindest reichlich eingepackt wurde auch am anderen Ende der B 246. In den Laub- und Mischwäldern um Wiesenburg begann die Saison ebenfalls später als in den Vorjahren. „Es war kein überragendes Pilzjahr“, sagt deshalb Arno Frommfeld. Der Rentner aus Reetzerhütten liebt die Waldspaziergänge mit seiner Frau, Freunden und Hund, erst recht wenn sie ergiebig sind.

„Dabei habe ich an einer Stelle vier schöne Krause Glucken entdeckt“, berichtet der ehemalige Förster von seinem besten Fund des Jahres..Darüber hinaus berichtet er von guten Hallimasch-Vorkommen. Der Pilz ist an Laubbäume gebunden. „Vielleicht habe ich ihn deshalb so gut gefunden, weil er nicht von allen gesammelt wird“, mutmaßt der Senior.

Immer ein paar Essbare

Die Hitze im Juli und August hat seiner Einschätzung nach dazu geführt, dass tatsächlich erst Ende September einige Maronen und Pfifferlinge zu finden waren. Gleichwohl es ein spezieller Sommer mit extremer Trockenheit war, ist Arno Frommfeld überzeugt, dass sich die Bodenvegetation im Hohen Fläming allgemein verändert und Einfluss auf das Myzeel der Pilze hat. So sind die Himbeere und Brombeeren sowie das Farnkraut dabei sich auszubreiten, was das Wachstum behindern könnte.

Fachleute wie Erich Münkner finden freilich immer ein paar essbare Pilze. Wenn er in den nächsten Tagen auf die Suche geht, dann dürfte er fast allein im Wald sein, was die Chancen noch verbessert.

„Medaillons vom Fläminger Hirschrücken an Beerenjus, dazu Pfifferlings gefüllte Palatschinken“ waren zuletzt die Renner im Hotel „Fliegerheim“. Diese Füllung für die Eierkuchen ist nun passé. Bestenfalls Gerichte mit Champignons, die Jahreszeit unabhängig sind, werden zu finden sein. Doch es naht ohnehin die Zeit der Gänseessen mit Grünkohl.

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Von Andreas Koska

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