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Umdenken beim Essen

Gespräch zu Massentierhaltung und Volksbegehren Umdenken beim Essen

Zehn Brandenburger Vertreter der „Volksinitiative gegen Massentierhaltung“ haben die Durchführung eines Volksbegehrens auf den Weg gebracht. Einer von ihnen ist der Falkenseer promovierte Allgemeinmediziner Knut Horst, der in Dallgow-Döberitz eine Praxis führt.

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Der Mediziner Knut Horst setzt sich gegen ungesunde Massentierhaltung ein.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Zehn Brandenburger Vertreter der „Volksinitiative gegen Massentierhaltung“ haben die Durchführung eines Volksbegehrens auf den Weg gebracht. Einer von ihnen ist der Falkenseer promovierte Allgemeinmediziner Knut Horst, der in Dallgow-Döberitz eine Praxis führt.

MAZ: Was hat Sie dazu gebracht, ein Volksbegehren mit auf den Weg zu bringen?

Knut Horst: Ich kam durch meinen Beruf als Arzt dazu. Die weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenzen beunruhigen mich. Der missbräuchliche Einsatz dieser wichtigen Medikamente sowohl beim Menschen als auch in der Tiermast hat verheerende langfristige Folgen – für Mensch und Tier.

Was ist das Gefährliche daran?

Horst: Gefährlich sind die resistenten Keime, die durch den massenhaften Antibiotikaeinsatz entstehen Sie gelangen sowohl über das Fleisch, etwa im Auftauwasser, als auch über Gemüse, das mit Gülle gedüngt wurde, zum Menschen. Über die Nahrung gelangen zudem Rückstände von Antibiotika in den Körper des Menschen.

Nicht jeder hat eine medizinische Sicht auf das Thema Massentierhaltung. Was motiviert Ihre Mitstreiter?

Horst: Im Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg sind verschiedene Gruppen vertreten, die einen Weg aus der industriellen Tierhaltung finden wollen, nicht nur Mediziner. Die Mitstreiter kommen von Bürgerinitiativen, die sich gegen Massentierhaltung vor ihrer Haustür, wie in Gumtow oder am Mellensee, einsetzen, aus der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, von den Imkern, vom Landestierschutzbund, vom BUND, vom Nabu und weiteren Verbänden.

Was wollen Sie mit dem Volksbegehren erreichen?

Horst: Wir fordern den Landtag auf, die Ausbreitung der Massentierhaltungsanlagen in Brandenburg zu unterbinden. Seit in den Niederlanden und in Dänemark schärfere Bestimmungen gelten, drängen ausländische Investoren nach Deutschland. Wir wollen, dass ausschließlich artgerechte Haltung von Tieren gefördert wird. Wir sind zum Beispiel gegen das übliche Abschneiden von Schwänzen und Schnäbeln, das Kannibalismus infolge der engen Haltung verhindern soll. Wir fordern die Berufung eines unabhängigen Landestierschutzbeauftragten und Klagerecht für Tierschutzverbände.

Lässt sich alles auf Landesebene regeln?

Horst: Nicht alles. Deshalb wollen wir, dass sich die Landesregierung für Gesetzesänderungen im Bundesrat einsetzt. Es geht um strengeren Immissionsschutz, novellierte Düngemittelverordnung, Verschärfung des Arzneimittelgesetztes und ein stärkeres Mitspracherecht der Kommunen.

Sie selbst sind Hobby-Imker, Bienen leben ja – mal salopp formuliert – selbst in einer Art Massentierhaltung. Was halten Sie von dem Begriff Massentierhaltung?

Horst: Wir wissen, dass der Begriff polarisiert. Es geht nicht gegen Massentierhaltung an sich. Auch in großen Anlagen können Tiere artgerecht gehalten werden, wenn sie etwas genug Auslauf haben. Aber, nicht die Tiere sollen den Haltungsbedingungen angepasst werden, sondern umgekehrt.

Um das Volksbegehen auf den Weg zu bringen, wurden Unterschriften gesammelt. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Horst: Wir haben sehr viel Zustimmung bekommen. Die Menschen wollen billiges Fleisch von glücklichen Tieren - aber das ist unmöglich. Das Thema ist komplex und geht alle an. Die Tierhalter sollen dabei nicht als Buhmann hingestellt werden. Wir wollen Zusammenhänge aufzeigen und ein Umdenken anstoßen.

Was kann jeder einzelne tun?

Horst: Sich fragen: Was will ich essen? Welche Art Tierhaltung will ich unterstützen? Und danach einkaufen. Mit meinem Arzt oder meiner Ärztin besprechen, ob ich wirklich ein Antibiotikum brauche.

Aufbegehren

Das Volksbegehren „Volksinitiative gegen Massentierhaltung“ wird vom 15. Juli 2015 bis zum 14. Januar 2016 durchgeführt.

Alle stimmberechtigten Bürger , die das 16. Lebensjahr vollendet haben, können in die Eintragungslisten oder durch briefliche Eintragung auf den Eintragungsscheinen ihre Unterstützung abgeben. Die Listen liegen in Rathäusern aus, in Falkensee beispielsweise im Bürgeramt an der Poststraße 31.

Um ein Volksbegehren zum Erfolg – also zur Behandlung im Deutschen Bundestag oder in einem Landesparlament – zu führen, müssen die Initiatoren in einer bestimmten Frist eine festgelegte Zahl an Unterschriften Wahlberechtigter vorlegen.

34.000 Brandenburger hatten die Forderungen der Volksinitiative zur Herbeiführung des Volksbegehrens unterschrieben. Nun sind 80 000 Un-terschriften nötig, um es zum Erfolg zu bringen.

Sind Sie Vegetarier?

Horst: Nein, ich esse Fleisch, aber selten, nicht jede Woche. Jeder Deutsche isst durchschnittlich 60 kg Fleisch im Jahr. Da liege ich deutlich drunter. Es ist eine Mär, dass wir Fleisch bräuchten, um gesund leben zu können.

Was kann der normale Bürger bei dem Volksbegehren tun?

Horst: Die Listen liegen in den Bürgerämtern aus, auch Briefwahl ist möglich. Wir brauchen 80.000 Unterschriften für einen Erfolg. Das ist viel. Aber es ist zu erreichen. Für diejenigen, die sich in die Liste eintragen möchte und es nicht zum Bürgeramt schaffen, haben wir eine Website, auf der Briefwahlunterlagen angefordert werden können. Die ist unter www.volksbegehren-massentierhaltung.de zu erreichen.


Von Marlies Schnaibel

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