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Kirche gibt Kredit – unter einer Bedingung

Wiederaufbau Garnisonkirche Kirche gibt Kredit – unter einer Bedingung

Ein Antrag der Kirchenleitung für die Landessynode schlägt die Bewilligung eines zinsfreien 3,25-Millionen-Kredits für den Aufbau des Turms vor. Aber: Bis Dezember 2016 muss die Garnisonkirchenstiftung es schaffen, selbst Spenden in Höhe von 2,8 Millionen Euro einzuwerben. Davor will die Landeskirche nur mit einem Teilbetrag von 250 000 Euro ins Risiko gehen

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Am Standort Breite Straße soll der Turm der Garnisonkirche errichtet werden.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Der Bruch mit der Vergangenheit der Garnisonkirche soll sich auch in der Architektur des Turms widerspiegeln. Konkret heißt das: Die alten Melodien des Glockenspiels sollen um ein drittes Kirchenlied erweitert werden: „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“. Auch die Inschrift auf dem Architrav, die seinerzeit auf den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. als Kirchenerbauer verwies, soll durch einen neuen Text ersetzt werden. Doch das alles ist vorerst noch Zukunftsmusik, so lange die Finanzierung des Turmbaus nicht in trockenen Tüchern ist. Auf der Landessynode der evangelischen Kirche am 8. und 9. April will die Garnisonkirchenstiftung da einen großen Schritt vorwärts kommen.

Landeskirche will bis Dezember nur mit 250 000 Euro ins Risiko gehen

Ein Antrag der Kirchenleitung für die Synode schlägt die Bewilligung eines zinsfreien 3,25-Millionen-Kredits für den Aufbau des Turms vor. Allerdings ist der Kredit, der durch die 80 Synodalen bewilligt werden müsste, an Bedingungen geknüpft: Bis Dezember 2016 muss die Garnisonkirchenstiftung es schaffen, selbst Spenden in Höhe von 2,8 Millionen Euro einzuwerben. Erst dann würde die volle Kreditsumme zur Verfügung gestellt. Davor will die Landeskirche nur mit einem Teilbetrag von 250 000 Euro ins Risiko gehen.

Blick auf eine Schautafel mit einer Ansicht der alten Garnisonkirche

Blick auf eine Schautafel mit einer Ansicht der alten Garnisonkirche. Im Hintergrund die Nagelkreuzkapelle und die teilweise verdeckte Fassade des Langen Stalls.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Spannend ist auch ein weiterer Punkt in dem Antrag: Darin geht es um „das Einwerben von kirchlichen Zuschüssen und Darlehen in Höhe von fünf Millionen Euro“. In dieser Summe bereits mit eingeschlossen ist der erwähnte 3,25-Millionen-Kredit der Landeskirche. Doch woher kommt der Rest – die 1,75 Millionen? Dem Vernehmen nach soll seitens der Landeskirche die Erwartung bestehen, dass sich noch zwei weitere kirchliche „Player“ beteiligen: Zum einen soll das die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) sein; zum anderen der Kirchenkreis Potsdam. Im Kirchenkreis sieht man das Wiederaufbauprojekt allerdings durchaus auch skeptisch. Schließlich gibt es bereits existierende Kirchen, wo man einen Millionenzuschuss dringend brauchen könnte – bekanntestes Beispiel: die marode Friedenskirche, wo höchste Eile geboten wäre.

Bei der Garnisonkirche belaufen sich die Gesamtprojektkosten für den Turm auf rund 37,8 Millionen Euro. Von diesem Ziel sind die Bauherren noch meilenweit entfernt. Derzeit existiert zwar eine Förderzusage des Bundes in Höhe von zwölf Millionen Euro. Diese Gelder fließen aber erst, sobald die Finanzierung des gesamten Turms „geschlossen“ ist.

Doch auch hier scheint es Mittel und kreative Wege zu geben: Nach neuester Lesart, muss das Gebäude nicht bis zum letzten Schmuckelement durchfinanziert sein, sondern lediglich so weit funktionstüchtig sein, dass man dort Versöhnungsarbeit durchführen kann.

Architektonisches Abspeck-Programm drückt Kosten auf 26,1 Millionen

Der Vorteil des rigorosen architektonischen Abspeck-Programms liegt auf der Hand. „Werden die Turmhaube (Glockenspiel), Fassadenelemente und Ähnliches zunächst nicht errichtet, so ergäben sich Baukosten für den bereits nutzbaren Kirchturm von rund 26,1 Millionen Euro“, heißt es in dem Antrag. Daher wurde aus den Planungen für die Errichtung des Turms weitgehend in seiner historischen Gestalt eine zweistufige Planung entwickelt. Diese ermöglicht im ersten Schritt die Umsetzung des vollständigen Raumprogramms, ist jedoch um die Ausführung von sechs Glocken, Glockenspiel, Turmhaube und Teilen der Schmuckfassade gekürzt. „Zu diesem Vorgehen ist ein Prüfvorgang initiiert“, so die Antragsteller. Sprich: Es ist anscheinend noch nicht einmal klar, ob die abgespeckte Variante mit den 26,1-Millionen-Baukosten überhaupt vom Bund genehmigt wird.

Nur der Turm darf in historischer Form gebaut werden

Sollten sich die Kirchenvertreter auf der Synode für den Kredit entscheiden, wäre dieser auch an architektonische Bedingungen geknüpft. Nur der Turm darf in seiner äußeren historischen Form wiedererrichtet werden. „Falls zusätzlich zum Turm in einem weiteren Bauabschnitt auch ein Nachfolgebau für das Kirchenschiff errichtet werden soll, darf dieser nicht das historische Kirchenschiff wiederherstellen, sondern es muss durch eine neue architektonische Gestaltung schon äußerlich deutlich werden, dass neben der historischen Kontinuität auch der Bruch mit der Tradition zum Ausdruck kommt“, heißt es im Antrag. Eine zugunsten der Landeskirche ins Grundbuch eingetragene beschränkte persönliche Dienstbarkeit soll sicherstellen, dass es ohne Zustimmung der Landeskirche keine Baugenehmigung für das Kirchenschiff geben wird.

Eine „offene Baustelle“ ist noch der Standpunkt der Fördergesellschaft

Eine offene Baustelle – im übertragenen Wortsinne – ist noch die Situation bei der Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche (FWG). In ihrer Satzung ist der „historisch getreue“ Wiederaufbau im Satzungszweck festgehalten. Spannend wird es auf der Mitgliederversammlung am 2. April. Da will FWG-Chef Matthias Dombert diesen Passus streichen lassen. Für einige langjährige Mitglieder wäre die Abkehr vom originalen Wiederaufbau nichts weniger als ein Verrat an der Sache – eine bittere Pille, die aber im Hinblick auf das kirchliche Darlehen geschluckt werden muss.

Von Ildiko Röd

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