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„Ich hoffe auf einen Baustart im Jahr 2017“

Potsdamer Garnisonkirche „Ich hoffe auf einen Baustart im Jahr 2017“

Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand in der Garnisonkirchenstiftung, setzt auf fünf Millionen Euro von der Landeskirche für den Turmbau. Derzeit laufen Gespräche über die finanzielle Unterstützung, so Eschenburg im MAZ-Gespräch. Mit einer Entscheidung sei bereits in den ersten Monaten dieses Jahres zu rechnen.

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Garnisonkirche wird (zunächst) nur ein Turm

Die Garnisonkirche um 1930

Quelle: BLDAM / Positivbildkartei

Innenstadt. Am 15. Januar jährt sich wieder der „Ruf aus Potsdam“, mit dem 2004 der Wiederaufbau der zerstörten Garnisonkirche initiiert wurde. Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand in der Garnisonkirchenstiftung, blickt im MAZ-Interview voraus auf einen möglichen Baustart 2017. Außerdem zeigt er sich „hochverwundert“ über die Stadt, die im Plantagen-Wettbewerb teilweise ohne den Turm plant, und übt Kritik an dem geplanten Bürgergutachten zur Garnisonkirche.

MAZ: Herr Eschenburg, neues Jahr neues Glück, heißt es. Aber wird die Garnisonkirchenstiftung je das Glück des Baustarts für die Kirche erleben?

Wieland Eschenburg: Ja, ich lebe und arbeite mit der guten Hoffnung, dass er 2017 vollzogen wird.

Wie soll das klappen – fast ohne Geld? Oder stimmt es, was man gerüchtehalber hört: Dass möglicherweise die Evangelische Kirche finanzielle Hilfe leistet?

Eschenburg: Ich sehe da sehr gute Chancen. Es liegt an uns, auch in den Gesprächen mit den Entscheidungsgremien der Kirche deutlich zu machen, was wir insbesondere inhaltlich mit dem Gesamtprojekt leisten. Ich bin guten Mutes, dass wir in den ersten beiden Monaten des Jahres 2016 von der Kirchenleitung positive Signale erhalten werden.

Sie sprechen von einer Bürgschaft der Landeskirche für das Wiederaufbauprojekt?

Eschenburg: Das Ideal wäre natürlich ein klarer Zuschuss. Im Moment fehlen noch 17 Millionen Euro der Gesamtprojektkosten für den Turm und die Seitenflügel. So eine hohe Summe von der Kirche zu erwarten, wäre aber absolut irreal. Wir gehen mit der Summe in die Gespräche, von der Landesbischof Markus Dröge in der Diskussion der Landessynode im Herbst gesprochen hat: Momentan laufen die Gespräche über fünf Millionen Euro und über die Ergebnisse berichten wir dann, wenn es sie gibt.

Was macht Sie so sicher, dass die Kirche sich jetzt finanziell beteiligt, nachdem sie so lange Jahre kaum etwas gegeben hat?

Eschenburg: Es gibt ja seitens der Kirche schon eine langjährige gute Unterstützung, für die wir sehr dankbar sind: Die Kirche hat uns immer ideell unterstützt. Die Stiftung ist mit Stiftungskapital der Kirche gegründet worden, etwa die Hälfte der Pfarrstelle an der Nagelkreuzkapelle wird durch die Landeskirche finanziert. In vielen Gesprächen mit möglichen Spendern wird aber immer wieder deutlich, wie wichtig für sie auch ein finanzieller Beitrag der Kirche für diesen Bau ist. In welcher Form so eine, ich nenne es „Starthilfe“, dann umgesetzt werden kann, darüber sprechen wir derzeit. Das Wichtige ist, dass wir mit dem Bau beginnen. Private Spender machen ihr Engagement vom erkennbaren Beitrag der Kirche abhängig.

Der Bund hat zwölf Millionen Euro zugesichert, nun möglicherweise weitere fünf Millionen von der Landeskirche– dennoch klafft noch eine riesige Lücke bis zu den veranschlagten knapp 40 Millionen für den Turmbau. Wie wollen Sie das stemmen?

Eschenburg: Mit fröhlicher Überzeugungskraft. Sehr erfolgreich sind zum Beispiel die Zeichnungsscheine, die von der Fördergesellschaft ausgegeben werden. Mittlerweile sind allein dadurch schon 140 000 Euro beisammen. Hier können Spenderinnen und Spender verbindliche Zusagen zeichnen, die erst mit realistischem Baubeginn eingelöst werden. Trotzdem haben wir einen offenen Finanzbedarf von 17 Millionen. Wir wissen aber: Wenn so ein Bau begonnen wird und sich der erste Kran dreht, dann erst glauben die Menschen tatsächlich, dass es wirklich etwas wird. Die Spendenbereitschaft wächst dementsprechend.

Wieder zurück zur Gegenwart, die doch noch nicht so rosig ist: Der Bürgerdialog zur Garnisonkirche ist höchstwahrscheinlich gescheitert. Als neues Allheilmittel hat die Stadtverwaltung jetzt ein Bürgergutachten vorgeschlagen, bei dem 25 zufällig ausgewählte Potsdamer einen Vorschlag erarbeiten sollen. Was halten Sie von diesem Plan?

Eschenburg: Das Ganze ist mir noch nicht so schlüssig erläutert worden, dass ich es nachvollziehen kann. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass es von Erfolg gekrönt ist. Ich finde es schade, dass der Bürgerdialog in dieser Form nicht klappt. Deshalb müssen wir andere Formen finden. Das heißt: Wir müssen direkt zu den Menschen gehen und sie über unser Vorhaben informieren. Wir werden mehr in die Kirchengemeinden hineingehen und auf Straßen und Plätzen informieren, so wie wir es zum Beispiel bei der 25-Jahr-Feier des Landes Brandenburg gemacht haben. Außerdem werden wir noch gezielter auf die Veranstaltungen in der Nagelkreuzkapelle aufmerksam machen, weil durch sie der Inhalt unseres Konzeptes gelebt wird.

Und welche Rolle kommt der Fördergesellschaft bei all dem zu?

Eschenburg: Die Stiftung ist froh, dass es eine Gesellschaft gibt, die ihre Tätigkeit – wie der Name schon sagt – „fördert“ und unterstützt. Wir sind daher dankbar, dass die Fördergesellschaft und insbesondere ihr Vorstand wie beim Spenden- und Marketingkonzept Initiativen entfaltet, mit uns diskutiert und gemeinsam beschlossene Schritte umsetzt. Alle fast eintausend Mitglieder sind aufgerufen, sich mit ihren jeweiligen Möglichkeiten aktiv einzubringen.

Ist da bislang zu wenig geschehen?

Eschenburg: Nein, aber es kann immer noch mehr gemacht werden. Stiftung, Pfarramt und Fördergesellschaft haben in den vergangenen Wochen ihre Vorhaben in ein klares Konzept gebracht. Die Fördergesellschaft hat sich ja zur Aufgabe gemacht, das Projekt finanziell zu unterstützen. Jedes Mitglied kennt wieder viele Menschen. Da ist es gut, wenn sie alle aktiv losziehen und werben. Von einem kann uns aber auch die Fördergesellschaft nicht befreien: die Baugenehmigung als Bauherr im Sinne unserer Satzung und des Stiftungszwecks mit Leben zu erfüllen.

Fühlen Sie sich auch von der Stadt ausreichend gefördert? In dem geplanten Gestaltungswettbewerb für die Plantage und ihr Umfeld sollen laut Vorgabe auch Vorschläge bearbeitet werden, in denen der Garnisonkirchturm gar nicht vorkommt. Fühlt man sich da nicht düpiert – wo es doch die bis 2019 gültige Baugenehmigung für den Turm gibt?

Eschenburg: Es darf nicht suggeriert werden, was nicht der Faktenlage entspricht: Wenn in einem der vier Diskussionsszenarien der Turm nicht vorkommt und in anderen die Seitenflügel am Turm, für die wir die Baugenehmigung haben, nicht gezeichnet sind, dann wird den Menschen etwas vorgegaukelt. Im Grunde ist das unverantwortlich und wir waren in der Stiftung schon hochverwundert darüber.

Der Turm ist für Sie also gesetzt. Aber ist auch ein Kirchenschiff zwingend notwendig?

Eschenburg: Bauabschnitt I ist der Turm. Da setzen wir alle Kraft hinein, dass dieser Abschnitt durch den praktischen Baubeginn für alle Menschen sichtbar wird. Die Überlegungen zum Kirchenschiff werden folgen, wenn es an der Zeit dafür ist.

Sie sind jetzt schon seit mehr als hundert Tagen bei der Stiftung Garnisonkirche als Vorstand für Kommunikation und Programm tätig. Heißt Ihre Bestellung, dass es in den Jahren davor keine gute Kommunikation von Seiten der Stiftung gab?


Eschenburg: Doch, es ist gut kommuniziert worden. Das Kuratorium hat schon vor anderthalb Jahren beschlossen, dass im Vorstand der Stiftung die dritte Stelle besetzt werden soll. Dieses 40-Millionen-Projekt des Wiederaufbauens der Garnisonkirche ist nicht einfach so im Ehrenamt zu steuern. Wir sind ja eine sehr kleine Mannschaft in der Stiftung. Bislang gab es nur zweieinhalb bezahlte Stellen. Das reichte nicht aus. Das Kuratorium und auch die Stiftungsmitarbeiter haben deutlich gespürt, dass – trotz der bisherigen Aktivitäten – das Wissen um das Projekt noch nicht den Stand erreicht hat, der für die Umsetzung erforderlich ist.

Aber „Garnisonkirche“ ist für die Potsdamer doch wirklich kein Fremdwort mehr. Manchmal hat man das Gefühl, dass wirklich alles schon gesagt worden ist. Wo könnte es da noch Informationslücken geben?

Eschenburg: Meine Aufgabe erschöpft sich ja eben nicht in Potsdamer Kommunikationsaktivitäten. Es handelt sich um ein Vorhaben mit bundesweiter, ja internationaler Resonanz die wir reflektieren müssen. Wir müssen alle Facetten unseres inhaltlichen Tuns verdeutlichen und, es ist schlicht noch nicht einmal hier in Potsdam allen bekannt, dass die Aussichtsplattform des Turmes barrierefrei zu erreichen sein wird. Viele ältere Menschen haben zu mir mit Bedauern gesagt: Schade, dass ich später dann nicht mehr auf den Turm hinaufsteigen kann. Ich antworte dann immer: Stattdessen können Sie ganz bequem hochfahren! Der Turm wird einmalig in der Lennéschen Kulturlandschaft und die Aussicht von dort oben sensationell - sogar noch höher und rundum besser als die vom Mercure-Hotel. Aus den Einnahmen der Turmbesteigung werden wir später die Betriebskosten für den Turm finanzieren können.

Apropos Zukunft. Könnten Sie es sich auch vorstellen, in Potsdam politisch aktiv zu werden? Schließlich sind Sie SPD-Mitglied, waren lange Jahre OB-Büroleiter in Cottbus und zuvor in Potsdam. Juckt es Sie da nicht in den Fingern, selbst mitzumischen?

Eschenburg: Ich bin glücklich mit meiner derzeitigen Aufgabe.

Von Ildiko Röd

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