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Ein Gesundheitslotse in grüner Kluft

Gesundheit in Oberhavel Ein Gesundheitslotse in grüner Kluft

Dieter Nollen ist einer von zwei Männern, der bei den Grünen Damen und Herren in Oberhavel mitmacht. Im Landkreis Oberhavel sind 50 Personen als Grüne Damen und Herren tätig, nur zwei von ihnen sind Männer. Sie kommen in den Oberhavel-Kliniken in Oranienburg, Hennigsdorf und Gransee sowie in der Asklepios-Klinik in Birkenwerder zum Einsatz.

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Dieter Nollen vor der Rezeption der Klinik Hennigsdorf, hier steht er Besuchern zur Seite.

Quelle: Marion Bergsdorf

Hennigsdorf. Jeden Dienstag von 9 bis 12. Uhr arbeitet Dieter Nollen aus Bötzow im Eingangsbereich der Klinik Hennigsdorf. Der 69-Jährige ist einer von nur zwei Männern, die bei den Grünen Damen und Herren in den Oberhavel-Kliniken mitmachen.

MAZ: Was konkret tun Sie dienstagsvormittags in der Klinik Hennigsdorf?

Dieter Nollen : Ich biete Menschen, die die Klinik betreten, Hilfe an. Ich zeige ihnen zum Beispiel, wo sich der Fahrstuhl befindet, mit dem sie die einzelnen Stationen erreichen können.

Ist das notwendig? In der Rezeption werden solche Auskünfte doch auch erteilt?

Nollen : Das stimmt schon, doch häufig kommen ältere Menschen herein, die völlig orientierungslos und ängstlich sind. Ich spreche sie an, meist fühlen sie sich dann schon etwas sicherer. Eine ältere Dame hatte neulich Angst mit dem Fahrstuhl zu fahren, weil sie schon einmal im Fahrstuhl steckengeblieben war. Also bin ich mit ihr zusammen hochgefahren. Ich helfe auch mal, eine schwere Tasche zu tragen. Manchmal stehen an der Rezeption auch mehrere Patienten an. Da kann ich dann der Mitarbeiterin an der Rezeption etwas Arbeit abnehmen. Wenn jemand schlecht laufen kann, hole ich einen Rollstuhl heran.

Entstehen Gespräche mit den Patienten?

Nollen : Im Fahrstuhl erzählen die Menschen, warum sie ins Krankenhaus sollen. Manche sind sehr ängstlich wegen einer bevorstehenden Operation. Ich versuche, sie zu beruhigen und erzähle von eigenen Erfahrungen. Dass bei mir zum Beispiel auch schon zweimal ein Herzkatheter gesetzt werden musste, um das Herz zu untersuchen.

Wie sind sie eigentlich zu den Grünen Damen und Herren gekommen?

Nollen : Meine Frau Ines hatte etwas gesucht, wo sie sich ehrenamtlich einbringen konnte. Zwei Bekannte von uns waren bereits bei den Grünen Damen in der Klinik Hennigsdorf. Als meine Frau sich mit Helga Bathe traf, die sich um die Grünen Damen kümmert, bin ich einfach mitgegangen. Seit zwei Jahren sind meine Frau und ich nun dienstags immer im Foyer der Klinik Hennigsdorf im Einsatz.

Grüne Damen in Oberhavel

Die Evangelische Krankenhaus-Hilfe (eKH) ist der Verein, für den Frauen und Männer in grüner Kleidung arbeiten und „Grüne Damen“ genannt werden.

Helga Bathe ist die Landesbeauftragte von Berlin und Brandenburg der Grünen Damen. Die ehemalige Pflegedienstleiterin der Oberhavel-Kliniken gehört dem erweiterten Vorstand der eKH an.

Gründung: Seit 2001 gibt es die Grünen Damen der Oberhavel-Kliniken. Helga Bathe brachte die Idee aus Oranienburgs Partnerstadt Hamm nach Oberhavel.

Im Landkreis Oberhavel sind 50 Personen als Grüne Damen und Herren tätig, nur zwei von ihnen sind Männer. Sie kommen in den Oberhavel-Kliniken in Oranienburg, Hennigsdorf und Gransee sowie in der Asklepios-Klinik in Birkenwerder zum Einsatz. In Berlin und Brandenburg engagieren sich 220 Frauen und Männer bei den Grünen Damen-

Zweck: Die Grünen Damen nehmen sich Zeit für Gespräche mit Patienten und bringen menschliche Wärme in den Klinikalltag. So hat es der Geschäftsführer der Oberhavel-Kliniken, Detlef Troppens, formuliert.

Kontakt: Grüne Damen an den Oberhavel-Kliniken, Helga Bathe, 0 33 03/52 21 71. Mitstreiter sind stets willkommen.

Wollen Sie diese Arbeit weitermachen?

Nollen : Ja, mir macht es Spaß, am Empfang zu arbeiten. Ich habe einen guten Orientierungssinn. Und wenn das neue Bettenhaus fertig ist, wird der Bedarf nach Lotsentätigkeit weiter steigen. Denn wir haben diverse Nebengebäude und weisen die Wege auch zu den ambulanten Praxen. Meine Frau könnte sich auch vorstellen, die Patienten in den Zimmern aufzusuchen und mit ihnen zu sprechen. Aber ich bleibe am Empfang, das ist mein Ding.

Warum haben sie den Dienst bei den Grünen Damen und Herren aufgenommen. Hatten Sie Langeweile als Rentner?

Nollen : Auf keinen Fall, wir haben genug in Haus, Hof und Garten zu tun. Wir gehören den Heimatvereinen Bötzow und Vehlefanz an. Wir gehen zum Rentnersport, denn Bewegung ist wichtig. Wir gehen kegeln und spielen Rommé. Doch ich wollte noch irgendetwas für andere Menschen tun.

Warum, was gibt Ihnen das?

Nollen : Das gibt mir Befriedigung. Wenn ich nach Hause komme, habe ich das Gefühl, etwas Gutes gemacht zu haben. Zum Beispiel wenn ich einem Menschen die Angst vor dem Herzkatheter nehmen konnte.

Lassen denn Ihre vielen Freizeitaktivitäten den sozialen Dienst bei den Grünen Damen und Herren zeitlich zu?

Nollen : Das muss man eben einplanen. Und es sind ja nur drei Stunden in der Woche. Das kann man wohl einrichten, finde ich.

Gab es schon mal brenzlige Situationen?

Nollen : Eine Frau kam mal mit ihrem Mann in die Klinik und sagte, sie habe den Verdacht, ihr Mann hätte einen Schlaganfall gehabt. Ich fuhr den Mann dann im Rollstuhl schnell zur Rettungsstelle. Viele Menschen trauen sich nicht, die 112 anzurufen. Das wäre aber sinnvoll, weil der Patient schon im Rettungswagen ärztlich betreut werden würde.

Muss man bestimmte Voraussetzungen mitbringen, um bei den Grünen Damen und Herren zu arbeiten?

Nollen : Man muss kontaktfreudig sein und auf Menschen zugehen können.

Sie sind gebürtiger Rheinländer. Haben Sie sich in Bötzow gut eingelebt?

Nollen : Meine Frau und ich hatten ja zuvor schon 30 Jahre in Berlin gelebt und sind dann 1999 nach Bötzow gezogen. Haben hier gebaut und leben mit Sohn und Familie in einem Haus zusammen. Wir fühlen uns sehr wohl. An den Wochenenden sind wir oft mit dem Vehlefanzer Heimatverein unterwegs. Ob Mühlenfest oder Matjesessen, da ist immer was los.

Bei den Grünen Damen sind Sie ja fast der Hahn im Korbe. Macht Ihnen das nichts aus?

Nollen : Das macht mir gar nichts aus, ich habe keine Berührungsängste. Im Team der Grünen Damen fühle ich mich akzeptiert. Wir beraten einmal im Monat. Und dann haben wir auch etliche kulturelle Veranstaltungen im Jahr, so zum Beispiel eine Weihnachtsfeier oder einen Konzertbesuch.

Wie lange können Sie sich vorstellen, noch bei den Grünen Damen und Herren mitzumachen?

Nollen : Das Höchstalter ist 80. Doch dann kann ich wahrscheinlich keine schweren Taschen mehr tragen. Also ein paar Jahre lang werde ich noch mitmachen.


Von Marion Bergsdorf

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