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Flüchtlinge: Ärzte sehen keine Gefahr

Ansteckung von Krankheiten Flüchtlinge: Ärzte sehen keine Gefahr

Viele Flüchtlinge kommen nach der langen Reise geschwächt nach Deutschland, manche sind ernsthaft krank. In Neuruppin diskutierte der Ärztestammtisch über Infektionsgefahren und darüber, wer eigentlich ihre Rechnung bezahlt, wenn sie einen Asylbewerber ohne Versicherungskarte behandeln.

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Auch Flüchtlinge müssen zum Arzt – aber wer ist zuständig?

Quelle: dpa

Neuruppin. Hepatitis, Tuberkulose, Krätze, Aids? Solche Krankheiten werden gern als Argument aufgeführt, in Deutschland keine Flüchtlinge aufzunehmen. Die Ärzte im Ruppiner Land haben offenbar keine Angst vor einer Ansteckung – das wurde am Mittwochabend beim Ärztestammtisch im Neuruppiner Tempelgarten deutlich.

Jeder Flüchtling, der in der Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt registriert wird, bekommt dort auch eine medizinische Untersuchung und eventuell fehlende Impfungen. Ohne Untersuchung kann er keinen Asylantrag stellen. Nur wer sich nirgends registrieren lässt und in Deutschland illegal unterwegs ist, wird nicht auf Tuberkulose geröntgt.

Mediziner sehen keine Probleme für die Bevölkerung

Ein Problem für die normale Bevölkerung sei das trotzdem nicht, sagt die Allgemeinmedizinerin Karin Harre aus Walsleben. „Sie müssen schon acht Stunden mit jemandem mit offener TBC in einem Raum verbringen, um die Chance zu haben, sich anzustecken.“ Ist die Tuberkulose nicht offen, komme es erst nach Wochen im selben Raum zu einer Ansteckung. Bewohner von Flüchtlingsheimen könnten die Krankheit also durchaus untereinander weitergeben. Für alle anderen sei die Infektion unwahrscheinlich.

Syrer sind die gesundesten Flüchtlinge, Asiaten relativ oft mit Hepatitis infiziert, Afrikaner am häufigsten krank – nicht selten geschwächt durch die lange, strapaziöse Reise. Allerdings würden Flüchtlinge auf Hepatitis und Aids nicht routinemäßig getestet, weil diese Tests sehr teuer sind, sagt Karin Harre.

Matthias Voth, Geschäftsführer der Ruppiner Kliniken

Matthias Voth, Geschäftsführer der Ruppiner Kliniken.

Quelle: Christian Schmettow

Der Geschäftsführer der Ruppiner Kliniken, Matthias Voth, erklärt, dass für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in den ersten 15 Monaten ohnehin die Ruppiner Kliniken zuständig sind und nicht die niedergelassenen Ärzte – nur wissen das die Flüchtlinge nicht immer. „Bei klassischen Notfällen müssen Sie agieren“, sagt Voth. Alle anderen Patienten müssten nach Neuruppin fahren.

Ausnahmen gelten in weit entfernten Gebieten wie Rheinsberg. Dort sei aber mit den Kassenärzten gesprochen worden. Heidelind Schäfer aus Rheinsberg widerspricht: „Das ist alles organisatorisch überhaupt nicht gelöst. Die kommen täglich zu uns und stehen da ohne Papiere. Uns ist unklar, was wir überhaupt machen dürfen“, so die Allgemeinmedizinerin. Matthias Voth räumt Klärungsbedarf ein.

Vielen Ärzten ist auch nicht klar, wie sie einen „normal Kranken“ wieder wegschicken können. Wer zahlt den Krankentransport oder das Taxi? Es komme vor, dass der Flüchtlingskoordinator Martin Osinski abends selbst die Flüchtlinge zurückfahre oder nach Treskow schickt, wo sie ein Notbett für die Nacht im Wohnheim bekommen, sagt Matthias Voth. Je mehr Flüchtlinge irgendwo fernab im Wald untergebracht werden, desto schwieriger werde auch die ärztliche Versorgung.

Kassenärzte sorgen sich auch darum, wer im Zweifelsfall ihre Rechnung zahlt. Asylbewerber haben keine Krankenkassenkarte – zumindest nicht im ersten Jahr. Erst nach 15 Monaten im Land dürfen sie sich eine Krankenkasse aussuchen. Vorher sind sie über den Staat versichert und haben aber auch nur Anspruch auf eine Minimalversorgung.

Dass die Flüchtlinge nicht krankenversichert sind, bedeute aber auch, dass nicht die Asylbewerber schuld daran haben, wenn die Krankenkassenbeiträge steigen, sagt Karin Harre.

Von Christian Schmettow

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