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Gemeinsam gegen den Krebs

25 Jahre Potsdamer Frauenselbsthilfe Gemeinsam gegen den Krebs

Wenn die Diagnose „Krebs“ lautet, ist das ein Schock. Der Weg, der vor den Betroffenen liegt, ist steinig – doch er ist überwindbar. Das zeigen die Teilnehmerinnen von der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“. Sie sind füreinander da, fangen auf, informieren, begleiten – und das seit 25 Jahren.

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Nach dem Schock der Diagnose und der Behandlung finden viele Krebspatienten Halt und Rat in einer Selbsthilfegruppe.

Quelle: dpa

Potsdam. Ein kleiner Satz, drei Wörter nur lassen eine Welt auseinanderbrechen. Einfach so, fast nebenbei, ganz ohne Getöse: „Sie haben Krebs“. Petra Spitzner erinnert sich sehr deutlich an jenen Satz an jenem Tag vor 13 Jahren. „Man denkt, es ist vorbei. Das ist eine schlimme Angst“, sagt die Potsdamerin. „Auch wenn der Preis hoch war, heute kann ich sagen: Der Krebs war meine Rettung.“ Hätte, könnte, irgendwann einmal – das alles gibt es für Petra Spitzner schon lange nicht mehr. „Was willst du jetzt noch vom Leben haben?“, fragte sie sich damals, als der Krebs sie erwischt hatte. „Wie willst du leben? Was musst du ändern?“

Um diese Fragen kreisen nicht nur Petra Spitzners Gedanken. Wenn die Diagnose Krebs lautet, kommen viele Menschen an diesen Punkt. In der Gruppe „Frauenselbsthilfe nach Krebs“, der sich Petra Spitzner angeschlossen hat, sprechen die Teilnehmerinnen oft darüber, wie das Leben nun weiter gehen soll. Die Frauen, die sich dort Monat für Monat treffen, haben nicht nur alte Wünsche hervorgekramt, die sie sich endlich erfüllen wollen. Sie haben gelernt (oder lernen noch), mehr auf sich zu achten – auf die Dinge, die ihnen gut tun, auf die Dinge, die sie belasten. Und: Sie scheuen sich nicht, Dinge zu ändern.

Seit 25 Jahren Halt und Rat für Potsdamer Krebspatientinnen

Seit 25 Jahren gibt es die Frauenselbsthilfe (FSH) in Potsdam. Etwa 30 Frauen, die meisten um die 50 und älter, gehören dazu. Einige sind ganz neu dabei, andere kommen seit Anfang an. „In der Gruppe muss man vieles nicht aussprechen, nichts erklären“, sagt Rosemarie Dörwald, die wie Petra Spitzner zur Gruppenleitung gehört. „Ob es die Angst vor dem nächsten Arztbesuch oder vor weiteren Behandlungen ist – wir alle wissen, worum es geht. Man versteht sich einfach anders und kann sich Hoffnung geben.“

Frauenselbsthilfe nach Krebs

Die „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ (FSH) ist eine der ältesten und größten Krebs-Selbsthilfeorganisationen in ganz Deutschland. Sie wurde 1976 in Mannheim von Ursula Schmidt und 15 weiteren brustamputierten Frauen gegründet, die sich mit der Diagnose Krebs allein gelassen fühlten.

Heute hat die FSH zwölf Landesverbände und bundesweit ein dichtes Netz regionaler Gruppen, in denen etwa 35000 krebskranke Frauen – und inzwischen auch Männer – mit unterschiedlichen Erkrankungen Rat und Hilfe finden. Auch Einzelgespräche sowie eine Telefon- und Online-Beratung sind möglich.

Das Motto der Frauenselbsthilfe lautet „ Auffangen, informieren, beraten“.

Die Potsdamer FSH hat sich vor 25 Jahren gegründet. Die Selbsthilfegruppe trifft sich an jedem zweiten Montag im Monat um 16 Uhr im Bürgerhaus am Schlaatz, Schilfhof 28. Die Teilnahme an den Treffen ist unverbindlich und ohne Mitgliedsbeitrag möglich.

Ihr 25. Jubiläum feiert die Potsdamer FSH am heutigen Montag im Bürgerhaus am Schlaatz. Eingeladen sind Vertreter des FSH-Landesverbandes, der Landeshauptstadt, der brandenburgischen Krebsgesellschaft, der Krankenkassen sowie Ärzte verschiedener Krankenhäuer.

Die Frauen, die zur Selbsthilfegruppe finden, kommen nicht mit dem ersten, erschütternden Eindruck. Der Schock der Diagnose liegt längst hinter ihnen. Die Behandlung ist abgeschlossen, die Reha, die Kur. Der Weg zurück ins „normale“ Leben, der nun vor ihnen liegt, scheint aber noch immer steinig. Frauen wie Petra Spitzner und Rosemarie Dörwald sind ihn gegangen. Sie wissen, er ist überwindbar – und sie sind da, um andere Frauen auf ihrem ganz persönlichen Weg zu stützen und zu begleiten.

Experten geben Tipps für Gesundheit und Widerstandskraft

„Wir sind keine Ärzte“, sagt Petra Spitzner. „Wir wollen und können kein Fachwissen anbieten. Aber wir wollen und können unsere Erfahrungen teilen.“ Wer nun glaubt, dass die Frauen bei den Treffen einzig und allein über ihre Krankheit reden, geht fehl. „Das wichtigste Thema ist für alle in der Gruppe, wie man es schaffen kann, nicht wieder zu erkranken, was man selbst tun kann, um sich gesund zu erhalten“, sagt Petra Spitzner. Die Gruppe lädt daher regelmäßig Mediziner und andere Experten ein, die über alle Belange rund um Gesundheit, Wohlbefinden und Widerstandskraft Auskunft geben können. Wie ernährt man sich nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung richtig, um wieder auf die Beine zu kommen? Welche Lebensmittel haben auf lange Sicht einen positiven Einfluss auf die Gesundheit? Wie sieht es mit Sport und Bewegung aus? Was haben Heilmittel wie Massage, Lymphdrainage, medizinische Bäder, Krankengymnastik und Ergotherapie auf sich?

Auch rechtliche Fragen – vor allem zu Arbeitslosengeld und Grundsicherung, zu Patientenrechten und Pflegeversicherung, Schwerbehindertenausweis und Rente – stehen immer wieder auf der Tagesordnung. Ungekannte Herausforderungen – die Gruppe hilft, sie zu meistern. „Bei all dem vergessen wir aber nie die Gemütlichkeit“, sagt Petra Spitzner. Kaffee und Kuchen gehören zu den monatlichen Treffen genauso dazu wie Plaudereien über den Urlaub und den jüngsten Theaterbesuch. Überhaupt sind die Damen keine Stubenhocker. Man unternimmt Wanderungen und Ausflüge, trifft sich mit anderen Gruppen in der Region, hält Kontakt zum Landesverband. „Wer sich für die Treffen interessiert, kann einfach vorbeischauen“, sagt Rosemarie Dörwald. Die Gruppe sei zwar eingeschworen, Scheu brauche aber dennoch niemand zu haben: „Wer neu dazu kommt, den nehmen wir gleich unsere Mitte. – Herzlich willkommen zu unseren Treffen!“

 

Von Nadine Fabian

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