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Geteilte Meinung über Pflegestärkungsgesetz

Vor- und Nachteile Geteilte Meinung über Pflegestärkungsgesetz

Nach einem Jahr Praxiserfahrung mit dem Pflegestärkungsgesetz sehen die Pflegedienste die Novelle unterschiedlich: Während Marko Fischer vom DRK in Meyenburg Vorteile für die Patienten benennt, will Birgit Schnell aus Wittstock erst abwarten, was die Einführung des neuen Dokumentationsprogramms SIS bringt.

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Für die ambulante oder ehrenamtliche Betreuung dementer Menschen steht mit dem Pflegestärkungsgesetz mehr Geld zur Verfügung.

Quelle: Foto: dpa

Meyenburg/Wittstock. Ein Jahr nach der praktischen Einführung des Pflegestärkungsgesetzes sind die Meinungen darüber geteilt. Während Marko Fischer vom DRK-Kreisverband Prignitz durchaus Vorteile vor allem für die Patienten sieht, steht Birgit Schnell, Inhaberin des Pflegedienstes „Pusteblume“ in Wittstock, den neuen Regelungen teils eher skeptisch gegenüber.

„Die Einführung des SIS-Programms ist in der Schlussphase“, sagt die Wittstockerin. Die SIS – Strukturierte Informationssammlung – beinhaltet „den Einstieg in den vierphasigen Pflegeprozess und kann nur von geschultem Personal angewandt werden“, heißt es auf der eigens zum Thema angelegten Internetseite der Bundesregierung zu Fragen rund um die praktische Anwendung der neuen Regelungen.

Birgit Schnell hat für ihre Mitarbeiterinnen einen Privatberater engagiert, bevor ihr Pflegedienst jetzt in die SIS-Schulungen eingestiegen ist. „Wir haben noch nicht umgestellt“, so die Pflegedienstleiterin. Ihre Kritik: „Die Politik denkt, das läuft so nebenbei, dabei wird die Umstellung nicht einmal finanziert.“ Einige der Neuerungen sind aus ihrer Sicht gut, bei anderen richte sich ebenso wie ihr Unternehmen auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) auf die neuen Umstände erst ein.

Birgit Schnell arbeitet seit 1991 im Pflegebereich

Birgit Schnell arbeitet seit 1991 im Pflegebereich.

Quelle: Beate Vogel

Birgit Schnell arbeitet seit 1991 im Pflegebereich: „Wir haben seitdem so viel Quatsch machen müssen.“ Sie will nun einfach mal abwarten und schauen, ob das Pflegestärkungsgesetz detailliert 1:1 übernommen wird. Das neue Dokumentationssystem etwa müsse erst nach und nach aufgebaut und auch das Qualitätsmanagement angepasst werden. „Das sind Dinge, die sieht der Außenstehende nicht.“ Für eine gute Idee hält Birgit Schnell, dass die ambulante Pflege vor der stationären Vorrang haben soll. „Jemanden zu Hause zu pflegen ist viel schöner als dies institutionell zu tun – auch bis zum Tod.“ Birgit Schnell kann das beurteilen, sagt sie: „Ich war fast 20 Jahre lang Leiterin in der stationären Pflege.“

Der Anteil der Dokumentation am Gesamtaufwand ist auch mit der Einführung des Pflegestärkungsgesetzes gleich geblieben, hat Marko Fischer vom DRK beobachtet: „Was wir mehr an Leistungen erbringen, müssen wir auch wieder dokumentieren“, erklärt er. Für die Patienten habe das Pflegestärkungsgesetz aber in den allermeisten Fällen viel gebracht, findet der Leiter des Pflegedienstes „Am Schlosspark“ in Meyenburg: „Bei den Klienten ist das angekommen.“ So könnten etwa jetzt bei der Verhinderungspflege 50 Prozent des Kurzzeitpflegesatzes dazugerechnet werden. „Wir haben mehr Einsätze gefahren beziehungsweise mehr Zeit beim Klienten verbracht.“ Wenn also sonst die reine Körperpflege auf dem Plan stand, kam über die Kurzzeitpflege nun noch eine Betreuung hinzu. Zusätzlich gab es ab 2015 bei der Betreuung auch für Menschen mit Demenz mehr Geld, nämlich 104 Euro. „Und wer eine Pflegestufe hatte, der hat auch dieses Betreuungsgeld bekommen, das wurde bei unseren Patienten bis auf wenige Ausnahmen so gemacht.“

Mit Hilfe dieser 104 Euro pro Fall konnte im Bürgerhaus des DRK eine neue ambulante Gruppe aufgebaut werden, für Leute, die keine Demenz haben. Sie können sich einmal in der Woche für drei Stunden in den Räumen in der Marktstraße treffen. Das wird angenommen, sagt Fischer: „Ab 2016 werden wir eine weitere Gruppe vorwiegend für Alleinstehende eröffnen. Auch für sie kann diese monatliche Pauschale von 104 Euro abgerechnet werden.“ Der Fahrdienst, der ebenfalls aufgestockt wurde, holt und bringt die Senioren. Dieses Jahr haben die Meyenburger damit begonnen, mit den an Demenz erkrankten Patienten auch mal Ausflüge zu machen. Die gingen zum Beispiel nach Plau am See oder in den Perleberger Tierpark. „Das sind dann immer bis zu sechs Personen und zwei bis drei Ehrenamtler. Die Teilnehmer teilen sich dann die Benzinkosten.“

Unternehmerisch sei die Umstellung auf das neue Pflegestärkungsgesetz in Meyenburg nur gelungen, indem das Personal aufgestockt wurde, sagt Fischer. „Wir haben zum Beispiel zusätzlich eine reine Betreuungstour organisiert.“ Auch das Büro sei von den Veränderungen betroffen: Antragsbearbeitungen, Verträge, Abrechnungen und Dokumentationen werden jetzt von zwei Kollegen Vollzeit und einer zusätzlichen 30-Stunden-Kraft übernommen. Das Pflegepersonal beim Meyenburger Pflegedienst habe laut Fischer die Änderungen auch für gut befunden, „allerdings die zusätzlichen Dokumentationen bemängelt“. Pro Patient sind inzwischen fünf bis sechs Blätter abgeheftet, erklärt er: für Verhinderungspflege, Medikamentenbetreuung, häusliche Pflege wie Körperhygiene, 104-Euro-Betreuung und andere. Die Reform hat aus seiner Sicht Vorteile für Patienten, aber auch für Pflegedienste gebracht.

Von Beate Vogel

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