Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Sprühregen

Navigation:
Grazie und überquellende Körperfülle

Ausstellung im Lendelhaus in Werder Grazie und überquellende Körperfülle

Eine außergewöhnliche Ausstellung führt gerade im Lendelhaus sehr feminine und makelfreie Modelle, die ihre erotischen Reize fast immer unter einer dürftigen textilen Teilbedeckung zeigen zusammen mit überbordenden weiblichen Hügellandschaften. Frauen in ihrer zarten und stabilen Form bestechen gleichermaßen in der aktuellen Schau.

Voriger Artikel
Harald Kretzschmar porträtiert Humperdinck
Nächster Artikel
Das Schweigen muss gebrochen werden

Rolf Ohsts fleischbergige Riesenmatrone „Earth“ ist eigentlich nur die mehr als sechs Meter breite Mitteltafel eines noch größeren Triptychons.

Quelle: Christel Köster

Werder. Im linken Flügel des Lendelhauses zeigt der Kunstverein Goldrotschwartz noch bis zum 29. November die Ausstellung „Körperfülle. Graziöse Gestalt“ der Künstler Rolf Ohst und Willi Kissmer. Werder und besonders seine im breiten Havelstrom ruhende Inselstadt, mit ihren beiden Kirchen, den engen Gassen und den wechselnden Ansichten auf Natur und Architektur ist ohnehin eine Reise wert.

Dieser Tage aber gibt es dort ein weiteres optisches Ereignis zu bestaunen. Akte im Lendelhaus. Bilder mit nackten weiblichen Körpern finden sich inzwischen zwar in jedem Zeitungsständer, aber solche eben nicht. Überraschend am monumentalen Bilderreigen im Lendelhaus ist das Nebeneinander von halbverpackter Grazie und überquellender Körperfülle. Diese so rätselhafte und zugleich mutige Kombination von zwei fremden Bildwelten mit ihrer geradezu bipolaren ästhetischen Anschauung des weiblichen Körpers erwartet man nicht, zumal an diesem Ort. Es wirkt wie ein Duett von Tuba und Piccoloflöte.

Willi Kissmers sehr feminine Akte in der Ausstellung

Willi Kissmers sehr feminine Akte in der Ausstellung

Quelle: Christel Köster

Die Tuba spielt Rolf Ohst. Seine fleischbergige Riesenmatrone „Earth“ ist eigentlich nur die mehr als sechs Meter breite Mitteltafel eines noch größeren Triptychons und sie allein nimmt schon die komplette Stirnwand des hinteren Raumes ein. Ohst ist Realist mit Sinn für viel Hintersinn. So ist seine, auf allen Vieren kriechende fettleibige Mutter Erde teilweise eingerüstet und auf diesem Gerüst werkelt ein halbes Dutzend Miniaturbauarbeiter. Bis weit in den gebirgigen Bildhintergrund tummelt sich diverses Volk und belebt die Szenerie wie auf Altdorfers berühmtem Bild „Alexanderschlacht“. Anderen seiner stets beleibten Damen fehlt solch schmückendes Getümmel. Sie stehen solitär in mit feinem Pinsel gemalten bühnenbildartigen Landschaften oder Interieurs. Eine dieser nackten Damen wölbt ihren mit einer Perlenkette behängten Bauch in einer Seitenansicht und dreht dabei mit selbstbewusster Miene ihr Gesicht fast triumphierend dem Betrachter zu. So wirkt sie wie ein seitenverkehrtes Pendant zum Bild des Feldhauptmanns Allessandro del Borro aus der Berliner Nationalgalerie.

Erotisch

Erotisch: Die weiblichen Reize unter feinem Tuch

Quelle: Christel Köster

Altmeisterliche Akribie zeichnet auch die Bilder von Willi Kissmer aus. Seine Akte ahnt der Betrachter eher als dass er sie sieht. Kissmers sehr feminine und makelfreie Modelle zeigen ihre erotischen Reize fast immer unter einer dürftigen textilen Teilbedeckung. Manchmal verhüllt er sie auch mit nassen Stoffen unter denen sich dann die weiblichen Hügellandschaften und noch speziellere körperliche Details konturieren. Einige Damen sind in Tücher und Bänder gewickelt. Immer ist der Bildausschnitt so nah gewählt, dass sie wie Torsi wirken. Einschmeichelnde Farbharmonien in warmen erdigen Tönen komplettieren Kissmers ganz auf Erotik fixierte Inszenierungen. Sein bildnerischer Hedonismus ist aber kurioserweise auch die Brücke zur Fleischesfülle der Bilder von Ohst. Ein Besucher sprach im Gästebuch sogar von „Erotik pur“ und davon, dass ihn diese Gedankenwelten nicht mehr losließen. Mehr kann man von einer Ausstellung wirklich nicht erwarten. Auf nach Werder!

Das Lendelhaus

Die einstige Fabrikantenvilla von Friedrich Wilhelm Lendel an der Föhse in Werder wird als Veranstaltungsstätte und Hochzeitshaus genutzt. Der Berliner Besitzer des Freigutes auf der Insel hat die Potsdamer Agentur Manitours beauftragt, das Ensemble mit Veranstaltungen zu beleben. Die Gastronomie wird von Manitours Tochtergesellschaft Mari Eventgastronomie geführt.

Das Haus mit Terrasse, Restaurant, Sommergarten, historischer Saftfabrik und Weinkeller ist nach umfangreichen Umbauarbeiten wieder in altem Glanz erstanden.

Von Lothar Krone

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Gesundheit & Lebensfreude
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg