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Immer mehr Brandenburger hungern sich krank

Drastischer Anstieg von Ess-Störungen Immer mehr Brandenburger hungern sich krank

Zwischen Diätwahn und Fress-Attacken: Immer mehr Brandenburger lassen sich wegen einer Ess-Störung behandeln. Gerade unter Teenagern sind die Zahlen sprunghaft angestiegen. Schuld daran sind Leistungsdruck und ein falsches Schönheitsideal, warnen Experten. Vor allem eine Gruppe ist besonders gefährdet.

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Quelle: Fotolia

Potsdam. Sie hungern sich fast zu Tode oder leiden unter Fress-Attacken: Immer mehr Brandenburger haben Ess-Störungen. Die Zahl der Betroffenen stieg in den vergangenen Jahren um gut 22 Prozent an, wie aus aktuellen Zahlen der Krankenkasse Barmer GEK hervorgeht, die der MAZ vorliegen. 2009 ließen sich 1277 Märker wegen Magersucht, Bulimie oder Ess-Sucht behandeln, vergangenes Jahr waren es 1559. Vor allem unter Jugendlichen schnellten die Behandlungszahlen nach oben – um mehr als 130 Prozent auf 220.

„Diese Zunahme ist besorgniserregend“, sagt Gabriela Leyh, Barmer-Landeschefin. Teenager sollten bereits in der Schulzeit über die Risikofaktoren aufgeklärt werden. Ursachen für ein gestörtes Verhältnis zur Ernährung und zum eigenen Körper könnten Überforderung, Leistungsdruck, familiäre Probleme, aber auch falsche Vorbilder sein. Deswegen sei es wichtig, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken.

Sylvia Beisel, leitende Psychologin der Salus-Klinik Lindow (Ostprignitz-Ruppin), behandelt Menschen mit Ess-Störungen. Sie vermutet hinter der starken Zunahme der Patientenzahlen eine gewachsene Sensibilität bei den Betroffenen. „Wir kennen das Phänomen seit vielen Jahren. Die Patienten gehen heute aber eher in Behandlung.“ Beisel bestätigt, dass vor allem Jüngere betroffen sind. „Ess-Störungen entstehen meist im Jugendalter, wenn Aussehen, Gewicht und Figur wichtig werden. Für das Selbstwertgefühl von Mädchen spielt das eine größere Rolle.“

Die Mehrzahl der Betroffenen sei weiblich. „Auf einen Mann mit einer Ess-Störung kommen etwa zehn Frauen.“ Das Krankheitsbild sei typisch für industrialisierte Länder, wo ein Nahrungsüberangebot herrsche und Schlankheit als Schönheitsideal gelte, so Beisel. „Jugendliche werden ständig mit dünnen Vorbildern konfrontiert.“ Übermäßiges, anfallartiges Essen wiederum gebe den Betroffnen kurzfristig ein gutes Gefühl. „Das hat Belohnungscharakter.“

Ess-Störungen müssen nicht mit Gewichtsveränderungen einhergehen, deswegen bleiben sie oft lange unentdeckt, erklärte Barmer-Chefin Gabriela Lehy. Sie rät Eltern, darauf zu achten, wenn Kinder sich verstärkt mit ihrer Figur, dem Essen beschäftigen oder plötzlich außerordentlich viel Sport treiben.

Gefährliches Abnehmen

Magersucht: Um abzunehmen, ordnen Betroffene ihr Leben diesem Ziel unter. Sie hungern, treiben viel Sport. Erst werden kalorienreiche Lebensmittel gestrichen, dann das Essen generell eingeschränkt. Magersüchtige haben oft einen hohen Leistungsanspruch, wollen die Besten in der Schule sein.

Bulimie: Die sogenannte Ess-Brech-Sucht ist äußerlich oft nicht zu erkennen. Die Krankheit wird vor anderen geheim gehalten. Die Betroffenen leiden unter regelmäßigen, unkontrollierten Ess-Anfällen. Um danach nicht zuzunehmen, übergeben sie sich oder nehmen Abführmittel.

Binge Eating: Anfallartiges Essen macht diese Erkrankung aus (der englische Begriff „binge“ bedeutet Gelage). Im Unterschied zur Bulimie werden jedoch keine „Gegenmaßnahmen“ wie Erbrechen oder viel Sport ergriffen.

 

Von Torsten Gellner

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