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Jugendliche lehnen A4-Challenge ab

Neuer Magerwahn im Internet Jugendliche lehnen A4-Challenge ab

Es gibt mal wieder einen neuen Beautytrend aus Asien, der über Snapchat, Facebook und vor allem Instagram auch nach Deutschland schwappt: die A4-Challenge. Mädchen halten sich das Papier vor den Körper, um zu zeigen, dass ihre Taille nicht dicker ist. Wir haben Jugendliche aus Oberhavel und dem Havelland dazu befragt.

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Laura Lehmann (l.) und Jessica Binte aus Liebenwalde halten den Trend für gefährlich.

Quelle: Marco Winkler

Oberhavel/Havelland. Das gute, alte A4-Papier muss momentan für den neuesten Körperkult herhalten. Es ist ein neuer Magertrend, der über Internetplattformen wie Instagram, Snapchat oder Facebook aus Asien nach Deutschland schwappt.

Dabei halten sich vor allem junge Mädchen ein A4-Papier hochkant vor den Körper, um zu zeigen, dass ihre Taille so schmal wie das Blatt Papier ist – nämlich etwa 21 Zentimeter breit. „A4-Challenge“ nennt sich dieser merkwürdige Beautytrend. Auf vielen der Fotos ist zu sehen, dass die Mädels diesen „Wettbewerb“ sogar gewinnen – und dann zur A5-Challenge übergehen wollen. Das wären sogar nur 15 Zentimeter.

In den sozialen Netzwerken verbreiten sich solche Trends schnell. Laura Lehmann (16) aus Liebenwalde hat von der „A4-Challenge“ auf Facebook gelesen. Ihr erster Gedanke: Schwachsinn. „Jeder ist doch auf seine Art und Weise schön“, sagt die Berufsschülerin. Freundin Jessica Binte (17) kann ihr nur zustimmen. „Es ist lächerlich und bringt nichts als ein paar Klicks“, so die Liebenwalderin.

So sieht der Magerwahn bei Instragram aus

So sieht der Magerwahn bei Instragram aus.

Quelle: Robert Tiesler

Beide besuchen die Berufsschule des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums in Oranienburg. Sie sind in der Ausbildung zur Sozialassistentin. Jessica will in die Altenpflege, Laura in die Krankenpflege. Fit müssen sie da sein. „Aber nicht übertrieben“, meinen sie unisono. „Solange ich mich wohl fühle, mache ich keinen Sport“, sagt Laura. Dem Schlankheitswahn ist sie nicht verfallen. Sie hält ihn sogar für äußerst bedenklich. „Es hat viel mit den Medien zu tun und auch mit Sendungen wie ‚Germanys Next Topmodel’, wo nur dürre Mädchen mitmachen dürfen. Ich möchte aber selbst bestimmen, mit welchem Gewicht ich mich gut fühle.“ Bei Jungs sei das anders, da sei der Druck nicht so groß.

So sieht das auch Patrick Fouad (17) aus Schönwalde-Siedlung. Das extreme Dünnsein ist aus seiner Sicht ein falsches Schönheitsideal. „Ich finde solche dünnen Mädchen nicht besonders attraktiv“, sagt er.

Es geht um Aufmerksamkeit

Jessica Binte sieht noch einen anderen Grund für den „papierdünnen Trend“: Aufmerksamkeit. Sie ist im Internet deshalb vorsichtig. „Ich gebe nicht so viel von mir preis“, sagt die Liebenwalderin.

In der Berufsschule haben Laura und Jessica keine Probleme mit Mobbing beobachten können, weil jemand angeblich zu dick sei. „Das gibt es nicht mehr“, so Laura. Im Oberstufenzentrum in Zehdenick sei das jedoch ein Thema gewesen. „Jeder, der ein paar Röllchen mehr hatte, wurde gleich als fett abgestempelt.“ Beide haben sie eine Freundin, die sehr dünn sei. „Einmal hat sie mich komisch angeguckt, weil ich ein Snickers gegessen habe“, erinnert sich Laura. Die Freundin nagte an einem Salatblatt. „Ich meinte nur, ich esse das, weil es mir schmeckt. Ich finde, Frauen müssen Kurven haben und dürfen kein Strich in der Landschaft sein.“

Als Laura und Jessica das A4-Blatt vor ihre Körper halten, können sie deshalb nur lachen über diesen Internet-Mager-Irrsinn.

Marisa Loppnow lehnt die Challenge ab

Marisa Loppnow lehnt die Challenge ab.

Quelle: Elisa Schütz

„Der Weg zur Magersucht ist meist kürzer als erwartet“, sagt Marisa Loppnow (18) aus Falkensee. Es gebe Leute, die im Spiegel immer wieder Körperpartien sähen, die sie als zu dick empfänden und sich immer weiter runterhungern würden. „In meinen Augen ist es nicht schlimm, wenn man etwas dicker ist, solange man nicht so dick ist, dass es der Gesundheit schadet.“ Ähnlich beschreibt es Patrick Fouad: Problematisch werde es, wenn man durch das Gewicht körperlich eingeschränkt sei, findet er.

Um gegen den A4-Papier-Magertrend zu kämpfen, tauchen nun im Internet immer mehr Fotos von Mädchen auf, die diese Challange nicht gewinnen – und glücklich darüber sind.

Von Robert Tiesler, Elisa Schütz und Marco Winkler

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