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Krankenhaus behandelt junge Flüchtlinge

Erster Arztbesuch auf Farsi und Arabisch Krankenhaus behandelt junge Flüchtlinge

Zwölf minderjährige Flüchtlinge waren am Dienstag die ersten, die zur ersten Untersuchung auf die Ludwigsfelder Kinderstation kamen. Zehn Jungen aus Syrien, Afghanistan, Bangladesh und dem Libanon konnten sich mit den fremden Ärzten direkt unterhalten – in Farsi und auf Arabisch.

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Jedes Jahr gestalten Kolleginnen einen Adventskalender für die kleinen Patienten, auch Chefärztin Marlies Wolter freut sich darüber.

Quelle: Jutta Abromeit

Ludwigsfelde. Anders als in anderen Landkreisen hat das Jugendamt Teltow-Fläming entschieden, alleinreisende minderjährige Flüchtlinge zur Erstuntersuchung nicht irgendwohin zu schicken. Die hier wartenden jungen Flüchtlinge sollen also möglichst schnell und möglichst nah an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort untersucht werden.

Das ist für junge Männer, die zurzeit in den Wünsdorfer Werkstätten leben, das Evangelische Krankenhaus Ludwigsfelde. Im Land Brandenburg hatte es Diskussionen darüber gegeben, welche medizinischen Einrichtungen überhaupt für diese Erstuntersuchungen zugelassen sind. Empfohlen wurden letztlich vier Kliniken im Land.

Junge Männer aus Syrien, Afghanistan, Bangladesh und dem Libanon

Zwölf junge Leute im Alter zwischen 15 und 18 Jahren waren am Dienstag die ersten, die zur geforderten Erstuntersuchung auf die Kinderstation an der Albert-Schweitzer-Straße kamen. Die jungen Männer aus Syrien, Afghanistan, Bangladesh und dem Libanon hatten ungewöhnliches Glück: Zehn von ihnen konnten sich mit den fremden Ärzten in ihrer Muttersprache unterhalten – in der Ludwigsfelder Klinik arbeitet ein Kinder- und Jugendmediziner, der Farsi spricht, eine mit dem Persischen verwandte Regionalsprache, und ein Chirurg, der Arabisch spricht.

Damit war für diese jungen Leute bei dieser gefühlsmäßig schwierigen Begegnung kein Dolmetscher erforderlich und damit ein Fremder weniger im Behandlungszimmer. „Das ist natürlich unheimlich vertrauensbildend und war für uns wie ein emotionaler Schlüssel“, berichtet Markus Schmitt, Chefarzt der Ludwigsfelder Kinderstation.

Erwartet werden 100 Jugendliche

Schmitt steht mit seinen Kollegen nun vor der Aufgabe, in den kommenden Wochen statt der ursprünglich avisierten 40 wahrscheinlich bis zu 100 Minderjährige zu untersuchen und ihren Impfstatus zu prüfen, so weit das überhaupt möglich ist. „Natürlich sagen uns einige, dass sie geimpft worden sind“, erzählt Kinderarzt Markus Schmitt, „aber womit sie geimpft wurden oder wogegen, das wissen die allerwenigsten. Zumal vieles für uns ja kaum kontrollierbar ist.“

Von den Jugendlichen, die älter als 15 Jahre alt sind, werden außerdem Röntgenbilder des Brustkorbs aufgenommen. „Wir haben mit diesen Untersuchungen auszuschließen, dass die jungen Menschen infektiöse Krankheiten haben. Dabei geht es vor allem um TBC, also Tuberkulose“, sagt Schmitt.

Gebrochene Hand und innere Erkrankungen

Das Ergebnis ihrer Untersuchungen und auch alles, was die Mediziner über den Gesamtzustand der Flüchtlinge feststellen, dokumentieren sie. Bei ihren ersten zwölf Patienten stellten die Ludwigsfelder Ärzte eine gebrochene Hand und einige innere Erkrankungen fest. „In solchen Fällen besprechen wir auch die weitere Behandlung. Und notgedrungen müssen wir auch über die Kostenübernahme reden“, sagt Schmitt. Selbst das ist bei Waisen, Halbwaisen oder allein Reisenden ein Problem, wenn Verwandte oder Erziehungsberechtigte am anderen Ende der Welt oder gar nicht mehr leben.

Der Mediziner Schmitt beendet das Gespräch nachdenklich: „Es läuft einem eiskalt den Rücken runter bei dem, was diese jungen Menschen erzählen und was sie in ihrem kurzen Leben vom Töten des IS mit ansehen mussten.“

Von Jutta Abromeit

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