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Schmerzpatientin wird in Klinik abserviert

Es fehlte an einem Bett Schmerzpatientin wird in Klinik abserviert

Mit dem Krankenhaus in Lehnin (Potsdam-Mittelmark) war Adelheid Kammer immer zufrieden. Doch damit ist es vorbei. Weil es ihr schlecht ging, ließ sie sich von einem Bekannten in die Klinik bringen. Doch dort war kein Bett mehr frei. Sie wurde gar nicht erst untersucht.

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Das Lehniner Krankenhaus war ausgelastet, als Adelheid Kammer mit Schmerzen kam. Sie wurde verwiesen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Kloster Lehnin. Es fing mit einem Husten an. Wie bei vielen Erkältungskranken in diesen Tagen. Am Ende schrammte Adelheid Kammer (75) nur knapp an einer Lungenentzündung vorbei. Inzwischen ist die Damsdorferin über den Berg. Zu verdanken hat sie die Genesung ihrer behandelnden Hausärztin. Vom Lehniner Krankenhaus ist die Rentnerin jedoch enttäuscht.

Adelheid Kammer war mit dem Lehniner Krankenhaus immer zufrieden

Adelheid Kammer war mit dem Lehniner Krankenhaus immer zufrieden. Doch jetzt hat ihr Vertrauen gelitten.

Quelle: Bürstenbinder

Und das kam so: Drei Tage nach den ersten Anzeichen einer Atemwegserkrankung haute es Adelheid Kammer in ihrem Haus um: Durchfall, Erbrechen, Fieber, Hustenanfälle und Schmerzen in der Brust. Dazu kam eine völlige Kraftlosigkeit, die ihr Angst machte. Selbstständig ein Auto zu lenken, kam nicht in Frage. In ihrer Not bat die alleinstehende Damsdorferin einen Bekannten sie ins nahe Lehnin in die Klinik zu fahren. Dort lag Adelheid Kammer erst vor einem Jahr wegen einer Lungenentzündung auf Station und wurde gut versorgt. „Ich kenne das Krankenhaus von früher in- und auswendig. Da wollte ich hin. Schließlich ist es das nächst gelegene Haus“, berichtet die Seniorin.

Der Neubau für die Lehniner Kliniken war 2003 für rund 29 Millionen Euro errichtet worden

Der Neubau für die Lehniner Kliniken war 2003 für rund 29 Millionen Euro errichtet worden.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Doch die Ernüchterung war groß am 30. Januar als Adelheid Kammer gegen 18 Uhr bei der diensthabenden Notärztin des Hauses vorstellig wurde. „Es gab zwei Tabletten und ein Glas Wasser. Sonst nichts. Es fand keine Untersuchung statt“, beklagt sich die Damsdorferin. Statt der erhofften Aufnahme ins Krankenhaus wurde ihr von der Ärztin mitgeteilt, dass im Haus kein Bett mehr frei sei. Auch sei zu diesem Zeitpunkt keine Entlassung mehr vorgesehen, so dass nicht mit freien Kapazitäten gerechnet werden könne. Stattdessen wurde Adelheid Kammer vorgeschlagen sich nach Brandenburg oder Potsdam fahren zu lassen. Eine Krankenhauseinweisung erhielt sie jedoch nicht. „Deshalb habe ich mich mit zitternden Knochen wieder nach Hause fahren lassen. Ich war erschüttert. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich gleich beschweren. Aber das war zu krass. Kann man so mit Menschen umgehen“, fragt sich Adelheid Kammer.

Zwei Kliniken unter einem Dach

Am Standort Lehnin betreibt das Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin eine Klinik für Geriatrische Rehabilitation mit 70 stationären Betten und zehn Tagesklinikbetten sowie ein Akutkrankenhaus mit der Klinik für Innere Medizin, Palliativmedizin und Akutgeriatrie (55 Betten).

Jährlich werden rund 2000 Patienten im Krankenhaus und rund 1200 in der Reha-Klinik behandelt. Am Krankenhaus ist ein Notarztstandort etabliert und niedergelassene Ärzte sind angesiedelt. Beide Kliniken sind nach Qualitätsiegeln- und Normen zertifiziert.

Dagegen spricht das Selbstverständnis der Klink für Innere Medizin, Palliativmedizin und Akutgeriatrie, die über 55 Betten verfügt. „Die Arbeit der Klinik ist getragen vom Gedanken der tätigen christlichen Nächstenliebe“, heißt es auf der Internetseite des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin. Pressesprecher Alexander Schulz nimmt die diensthabende Ärztin in Schutz. Eine Prüfung des Falls ergab, dass an dem besagten Abend tatsächlich kein freies Bett mehr zur Verfügung stand. „Eine stationäre Behandlung in Lehnin war deshalb nicht möglich. Frau Kammer war in Begleitung und sah sich auf Nachfrage in der Lage ein anderes Krankenhaus aufzusuchen“, sagte Schulz der MAZ. Seines Wissens nach sei eine Untersuchung der Patientin erfolgt, was Adelheid Kammer auch mit Verweis auf ihren anwesenden Begleiter als unwahr bezeichnet: „Ich kam mir vor, wie abserviert.“

Pressesprecher Schulz beteuert, dass man keine unzufriedenen Patienten wolle. Doch wer sich selbst in ein Krankenhaus begebe, müsse mit zeitweiligen Kapazitätsengpässen rechnen. Rettungsdienste dagegen wüssten über die Aufnahmefähigkeit von Kliniken Bescheid. Adelheid Kammer wollte keinen Notarzt nach Damsdorf bemühen: „Ich dachte, dass es Leute geben könnte, denen es schlechter geht.“ Offenbar ein Fehler.

Von Frank Bürstenbinder

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