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So denken MAZ-Leser über den Ärzte-Irrsinn

Bis zu zwei Monate Wartezeit auf einen Termin So denken MAZ-Leser über den Ärzte-Irrsinn

Das Versorgungsstärkungsgesetz sorgt nicht nur unter Ärzten für Diskussionen. Am Donnerstag hat der Bundestag das Gesetz verabschiedet. Doch die MAZ-Leser sind sich auf der sozialen Plattform Facebook (fast) einig: Ein neues Gesetz kann den Fachkräftemangel und somit lange Wartezeiten nicht beheben.

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Das Versorgungsstärkungsgesetz wird von MAZ-Lesern diskutiert.
 

Quelle: dpa

Brandenburg. Der Bundestag hat das Versorgungsstärkungsgesetz am Donnerstag verabschiedet. Schon am 1. August soll es in Kraft treten. Nach Angaben des Bundestags verbessert das Gesetz die Versorgung und verstärkt die Patientenrechte.

Ärzte und Kassenärztliche Vereinigung sehen es hingegen kritisch und befürchten massive Versorgungsengpässe in Brandenburg. Auch die MAZ-Leser diskutieren über das Gesetz. Viele sind sich einig.

Brandenburg ist nach Angaben des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Hans-Joachim Helming, schon jetzt die Region mit der geringsten Arztdichte bundesweit. Das sorgt oft für lange Wartezeiten in den Praxen. Länger als acht Wochen muss sich ein Fünftel der Patienten im Land sogar gedulden.

Durch das Gesetz können nun Arztpraxen in überversorgt geltenden Regionen aufgekauft und verlegt werden. Außerdem legt der Entwurf eine Bindung fest: Höchstens vier Wochen sollen Patienten künftig warten müssen.

Die Ärzte sind am Limit

„Diese Terminvergabe ist unsinnig. Für viele Arztpraxen wird das organisatorisch nicht möglich sein, viele von ihnen sind an ihrem Limit was die Patientenzahl betrifft. Wenn man zusätzlich noch Praxen schließt, macht es die Situation nicht besser, eher schlimmer“, schreibt Melanie Graf auf Facebook. Sie ist selbst seit 18 Jahren in verschiedenen Arztpraxen tätig. Manchmal arbeite sie 10 Stunden am Tag und selbst, wenn die Praxis 24 Stunden geöffnet wäre, hätten sie noch immer einen Andrang. Sie rät, nicht bei jedem „Wehwehchen“ zum Arzt zu gehen.

Statt eines Gesetzes fehlen Fachkräfte

Auch Bea Bel glaubt nicht an die Notwendigkeit. Vielmehr brauche man „eine gleichmäßigere Arztverteilung oder mehr Ärzte auf dem Land.“ Hans-Jürgen Maletzki sieht das Hauptproblem ebenfalls im Ärztemangel. Es seien vor allem Fachärzte, die fehlen. „Hatte beim Kardiologen 5 Monate zu warten“, schreibt er.

Nancy Dombek berichtet sogar von einem Notfall, der abgewiesen wurde. Noch keine zwei Jahre war ihr Sohn, als er sich das Gesicht blutig kratzte. Er leidet unter schwerer Neurodermitis. Doch kein Hausarzt habe sie behandeln wollen. Erst 60 Kilometer weiter habe man dann einen Termin bekommen. Die MAZ-Leser bringen das auf den Punkt, was auch in unserer MAZ-Umfrage deutlich wird. Demnach finden 38 Prozent, dass wochenlanges Warten auf einen Termin Alltag in Brandenburg ist. Nur 13 Prozent bekommen zeitnah einen Termin. Dennoch glauben 49 Prozent der Teilnehmer nicht, dass eine Termingarantie Sinn ergibt, solange es zu wenig Ärzte in der Region gibt.

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Landesregierung glaubt nicht an attraktive Lebensbedingungen

Den Fachkräftemangel kritisieren aber nicht nur die Nutzer auf Facebook. Schon im Rahmen der Haushaltsdiskussion hatte die CDU-Fraktion einen Antrag, die Brandenburger Kommunen finanziell bei Projekten zur Ansiedlung neuer Ärzte im ländlichen Bereich zu unterstützen. Der wurde abgeschmettert. In der Beschlussempfehlung heißt es wörtlich: „Zudem sei der Umstand, dass sich in den Kommunen im ländlichen Raum keine Ärzte ansiedelten, auf die mangelnde Attraktivität der dortigen Lebensbedingungen zurückzuführen. Diese könnten auch nicht mit den beantragten Landesmitteln für entsprechende Programme verbessert werden.“

Die CDU wirft der Landesregierung eine erschreckende Passivität vor. „In den Lehrkrankenhäusern unseres Landes werden jährlich nur knapp 120 Ärzte ausgebildet. Dem stehen allein im ambulanten Sektor ca. 750 Ärzte gegenüber, die innerhalb der nächsten 5 Jahre altersbedingt aus der Versorgung ausscheiden“, heißt es in einer Mitteilung. Die Fraktion sieht Handlungsbedarf.

Im Social Web sind Befürworter des Gesetzes bisher rar. Stefan Schirmag befürwortet das verabschiedete Gesetz beispielsweise. Doch sein Kommentar ist knapp. „Ich finde es sehr gut“, schreibt er und lässt die Begründung offen.

Von MAZonline

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