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Wege zu mehr Gelassenheit

Die Falkenseer Autorin Birgit Terletzki Wege zu mehr Gelassenheit

Birgit Terletzki arbeitet als Stressbewältigungstrainerin und Entspannungscoach. Nun hat die Falkenseerin ein Buch über Wege zu mehr Gelassenheit geschrieben.

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Birgit Terletzki weiß: Das Trampolin kann körperlich und geistig locker machen.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Birgit Terletzki ist als Stressbewältigungstrainerin und Entspannungscoach unterwegs. MAZ sprach mit der Falkenseerin über Stress und Zeitkiller, über Rückenschmerzen und E-Mails, über Fernsehen und Schlemmerrezepte.

MAZ: Auf dem Weg zur Arbeit fuhr gestern vor mir eine Autofahrerin sehr langsam, Tempo 60, wo 100 erlaubt ist, dann Tempo 40 auf freier Straße im Gewerbegebiet. Ich wurde richtig wütend und habe geflucht, obwohl mir kein Termin im Nacken saß. Warum war ich so verärgert?

Birgit Terletzki: Sie hatten das Gefühl, Sie verpassen etwas, das Gefühl, die Zeit wird gestohlen. Dabei hatten sie doch an dem Tag und darüber hinaus noch so viel zu tun.

Ist die Zeit zur Währung unseres Lebens geworden?

Terletzki: In gewisser Weise schon. Sie wird als kostbar wahrgenommen. Ich höre in den Seminaren immer wieder: Mir fehlt die Zeit, ich habe keine Zeit, der Job frisst mich auf.

Und fehlt die Zeit?

Terletzki: Zum Teil schon. Aber oft ist sie da, wird aber mit Dingen vertan, die nicht sein müssten. Zeit wird regelrecht verplempert.

Ist Stressbewältigung deshalb auch Zeitmanagement?

Terletzki: Zum großen Teil hängt das zusammen. Ich gebe da ganz konkrete Tipps, wo die Zeitkiller liegen. Zum Beispiel auf der Arbeit muss der E-Mail-Account bei den allermeisten Menschen nicht permanent offen sein, da muss man nicht ständig gucken, ob eine neue E-mail gekommen ist. Das reißt einen aus dem Arbeitsgang raus, man muss sich wieder dreinfinden, das kostet Zeit. Besser: Die E-Mails morgens checken, dann vielleicht noch mal mittags und abends. Das reicht fast immer. Auch zuhause kann viel Zeit gespart werden. Da gibt es Perfektionisten, die jeden Tag das Haus klinisch rein haben wollen, aber wer nicht gerade eine Hausstauballergie hat, muss auch nicht jeden Tag Staub wischen. Na und er größte Zeitfresser ist natürlich bei den meisten der Fernseher.

Sie arbeiten als Stressbewältigungstrainerin und Entspannungscoach. Kommen die Leute zu Ihnen und sagen: Ich habe zuviel Stress?

Terletzki: Meistens nicht, der Stress kann die Ursache für etwas anderes sein. Und deshalb kommen die Frauen und Männer. Meistens habe ich mit Menschen zu tun, die über Rückenschmerzen oder Übergewicht klagen. Und wenn man genau hinschaut, kommt man zum Stress. Der Arbeitsdruck ist so groß, dass man zu lange in ungesunder Haltung am Schreibtisch sitzt und keine Möglichkeit sieht für einen kleinen Spaziergang in der Mittagspause. Oder der Stress ist so groß, dass nebenbei und ungesund gegessen wird.

Kennen Sie auch Stress?

Terletzki: Ja, natürlich. Ich war auch im Hamsterrad drin. Habe sehr viel gearbeitet und nebenbei gefuttert, hatte zugenommen. Es war wie in einer Spirale. Irgendwann habe ich zu mir selbst gesagt: „Mensch, gesund ist das nicht.“ So habe ich angefangen, etwas zu ändern. Ich habe ein Online-Forum über gesunde Ernährung entwickelt und schließlich Bücher geschrieben. „Gesund und fit im Büro“ und „Schlanke Schlemmerrezepte“ sind erschienen.

Ihr neues Buch „Endlich gelassen leben“ ist seit wenigen Tagen auf dem Markt. Wie ist es zu dem Buch gekommen?

Terletzki: In meinen Seminaren, die ich privat und in Firmen abhalte, haben Teilnehmer immer wieder nach einem Handbuch gefragt, in dem sie das Gehörte auch noch einmal nachlesen können. Das war der Anstoß für das Buch.

Das Buch nimmt den Leser an die Hand. Wobei?

Terletzki: Auf dem Weg zu sich selbst. Es gibt Impulse, sein Leben klarer und gesünder zu gestalten. Und es gibt ganz praktische Tipps von der Atmung bis zum Notfallkoffer Stress

Ich habe nach der Lektüre gleich meinen Schreibtisch umstrukturiert.

Terletzki: Ja, jeder soll sich das raussuchen, was zu ihm passt. Ich gebe Ratschläge, die aus der Praxis kommen. Jeder Mensch ist anders und muss finden, was zu ihm passt. Aber mir ist wichtig, viele kleine Ratschläge zu geben. Man kann nicht alles sofort ändern, dann bricht man unter der Größe der Aufgabe zusammen und gibt auf. Dann fällt man in den alten Trott zurück.

Wo ist die Grenze zwischen Gelassenheit und Gleichgültigkeit?

Terletzki: Das ist zum Teil eine Persönlichkeitsfrage. Was dem einen gelassen erscheint, empfindet ein anderer als gleichgültig. Ich plädiere für einen gesunden Egoismus. Der Mensch muss sich selbst wichtig sein. Und auf seine innere Stimme hören.

Hört jeder seine innere Stimme?

Terletzki: Das kann man lernen. Mancher hat vielleicht Angst davor, es geht schließlich an eingebrannte Muster und Normen. Viele haben in ihrer Kindheit Sätze gehört wie „Das gehört sich nicht“ oder „Was sollen die Leute denken?“ Das muss man nicht hinnehmen, das kann man hinterfragen und eigene Wertmaßstäbe entwickeln. Jeder kann sehen, was wichtig, wesentlich und wertvoll ist.

In letzter Zeit sind viele Ratgeber zu Stressbewältigung, zum Glücklicher-Leben, zur Selbstfindung erschienen. Ist die Zeit reif dafür?

Terletzki: Es hat ein Umdenken begonnen. Es ist auch nötig. Wir müssen uns mit dem Materiellen und dem Technischen, mit dem permanent Erreichbarseinmüssen auseinandersetzen. Die Dosis macht das Gift, das gilt ja nicht nur für Arzneimittel.

Sind Sie gegen Stress immun?

Terletzki: Nein. Aber mittlerweile kann ich ganz gut damit umgehen. Neulich ist mir der Rechner abgestürzt, ich war gerade beim Schreiben und hatte nicht gesichert. Ja, ich hatte nicht gesichert, vieles war weg. Ich habe tief durchgeatmet. Dinge passieren. Vielleicht sollte es so sein.


Von Marlies Schnaibel

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