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Wenn Weizen, Nüsse und Co. gefährlich werden

Sorge um Allergie-Kinder Wenn Weizen, Nüsse und Co. gefährlich werden

Kindergärten müssen sich immer häufiger um Spezial-Essen für Kinder mit Allergien kümmern. Ein Beispiel aus dem Kreis Potsdam-Mittelmark zeigt, dass das einige Kitas vor enorme Herausforderungen stellt. Die MAZ hat sich bei Kitas von Teltow bis Beelitz umgehört, wie sie mit dem Thema umgehen.

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Nicht in allen Kitas sind die Mittagsteller der Kinder noch gleich gefüllt: Wegen Allergien müssen immer mehr Knirpse Spezialkost bekommen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Region Teltow/Umland. Der Fall des „Allergie-Kindes“ in Stahnsdorf, das ohne Absprache mit den Eltern aus einer kommunalen Kita von der Gemeindeverwaltung zu einer Tagesmutter geschickt werden sollte, hat in den Nachbar- und Umlandgemeinden für Unverständnis und Befremden gesorgt. Überall gibt es immer mehr Kita-Kinder, die wegen Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln eine spezielle Kost benötigen, vor Allergien oder lebensbedrohlichen Zuständen geschützt werden müssen. „Bei uns wird deshalb kein Kind abgewiesen“, sagte Solveig Haller, Chefin von „Menschenskinder Teltow“, dem Eigenbetrieb der Stadt, der unter anderem zehn Kitas betreibt. Eine Allergie sei schon schlimm genug, „wie schlimm muss es dann sein, wenn das Kind noch dazu aus der Kita genommen wird“, so Haller.

Allergische Erkrankungen

Für den Landkreis Potsdam-Mittelmark hat das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit im Gesundheitsmonitoring von Kleinkindern im Alter von 30 bis 42 Monaten im Jahr 2014 nach Elternangaben 1456 Kinder mit allergischen Erkrankungen gelistet.

Am häufigsten treten Neurodermitis, Asthma bronchiale und Allergische Rhinitis (Heuschnupfen) auf.

Gut 20 Allergie-Kinder gehen zur Zeit in kommunale Teltower Kitas. Dabei liegen die Unverträglichkeiten ganz unterschiedlich: rohe Karotten, Erdbeeren, Stiel- oder anderes Kernobst (Äpfel) und Nüsse stehen auf der Verbotsliste für etliche Kinder. Aber auch Gluten, Laktose sowie das Bindemittel E 410 (Johannisbrotkernmehl) sind für manche tabu.

Trotz Spezialkost: Eltern sollen nicht mehr bezahlen

Allein fünf Betroffene gehen in die Kita „Pusteblume“, in der noch selbst gekocht wird. Jetzt wird dort beraten, ob wir die Küchenarbeitszeit wegen der Zubereitung der Spezialportionen um eine Stunde verlängern“, sagt Haller. Höhere Kosten kommen auf die jeweiligen Eltern nicht zu. Jede individuell nötige Speise ist mit dem Essenanbieter abgesprochen und kommt in extra Behältern an. Voraussetzungen aller Bemühungen um das Kindswohl seien Gespräche mit Eltern, Erziehern, Caterer. Es gibt Schulungen und wenn nötig auch Hilfe durch Ärzte und Schwestern. Da die Erzieher arbeitsrechtlich nicht gezwungen sind, Medikamente oder Spritzen (etwa Insulin bei Diabetikern) Kindern zu verabreichen, werden nur jene dafür geschult, die es übernehmen wollen. „Im Team ist immer gewährleistet, dass es jemand kann“, versichert Haller und: „Wir sind doch für die Kinder und ihre Familien da.“

Kitas entwickeln ihre eigenen Systeme, um allen gerecht zu werden

Das sieht auch ihre Kollegin in Kleinmachnow so. Susanne Feser, Leiterin des Kita-Verbundes, war „schon sehr überrascht“ von dem, was in Stahnsdorf passiert ist. Man habe ein „engmaschiges System“ zwischen Eltern, Erziehern und Küchenpersonal aufgebaut. Von rund 550 täglichen Essensportionen, die für acht Kindergärten selbst zubereitet werden, müsse für 22 Allergiker extra gekocht werden, sagt Feser – in Abstimmung mit den Eltern und zum Teil laut ärztlichem Attest. In eigenen Aufbewahrungsboxen mit Namensschild kommt das Essen zu den Kindern. „Die Mehrkosten trägt die Solidargemeinschaft“, sagt die Diplompädagogin. So, wie manches Kind mehr Zuwendung benötige, brauche ein anderes eben eine spezielle Kost. Sichtbar für Erzieher, Köche und Eltern gibt es Aushänge, die über die Allergiefälle informieren und vor unerlaubten Gaben warnen; etwa bei Geburtstagen (Schokolade!). Vorwiegend handelt es sich um Laktose- und Glutenunverträglichkeit sowie Hühnereiweißallergie; aber „wir haben auch zwei Fälle von extremer Nussallergie“, so Feser.

Köche sind gut ausgebildet und können entsprechende Essen zubereiten

Durchschnittlich fünf bis acht verschiedene Essen müssen täglich die Frauen in der Beelitzer Zentralküche kochen. Unter den 860 Kindern in den sieben kommunalen Einrichtungen sind 28 Allergiker, fünf Kinder mit Laktoseintoleranz, zwei Vegetarier, ein Elternpaar bringt extra Essen für sein Kind. Beelitz leistet sich seit Jahren eine eigene Diätassistentin und nimmt „Rücksicht“ auf alle Kinder mit Empfindlichkeiten. „Wo kommen wir denn hin, wenn wir deswegen eins abweisen“, sagt Hauptamtsleiterin Dörthe Kiesel, die insgesamt eine Häufung von derartigen Fällen in Kindertagesstätten bestätigt hat.

In den drei kommunalen Kitas der Gemeinde Schwielowsee werden vier Kinder mit Laktoseintoleranz betreut, die in Geltow ein spezielles Essen bekommen. Außerdem gibt es in Ferch ein Diabetikerkind mit Assistenz. Zusätzliche Kosten kommen auch hier nicht auf die Eltern zu. „Wir haben gut ausgebildete Köchinnen und Köche in unseren Einrichtungen, die den Wünschen der Kinder in vollem Umfang entsprechen“, so Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU).

 

 

Von Claudia Krause

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