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Fast jedes dritte Kind hat Entwicklungsprobleme

Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung Fast jedes dritte Kind hat Entwicklungsprobleme

Bei den diesjährigen Einschulungs-Untersuchungen im Landkreis Dahme-Spreewald wies fast jedes dritte Kind schulrelevante Entwicklungsprobleme auf. Der Knackpunkt bei den künftigen Abc-Schützen ist wie schon in den Vorjahren die Sprache. Fast jedes sechste Kind hat diesbezügliche Defizite.

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Kinderärztin Birgit Sonntag mit den Bildkarten für den Einschulungstest.
 

Quelle: Pressestelle Landkreis Dahme-Spreewald

Königs Wusterhausen.  Bei den diesjährigen Einschulungs-Untersuchungen wies von den insgesamt im Landkreis Dahme-Spreewald vorgestellten 1655 Mädchen und Jungen fast ein Drittel schulrelevante Entwicklungsprobleme auf. Dieses Fazit zog jetzt Kinderärztin Birgit Sonntag vom zuständigen Gesundheitsamt des Kreises. Die größten Defizite weisen die künftigen Abc-Schützen demnach bei der Entwicklung der Sprache auf. Hier erfüllt mit 15 Prozent seit Jahren annähernd konstant fast jedes sechste Kind die Norm nicht.

An diesem Ergebnis hat auch der in diesem Jahr eingeführte neue Schultest „Sopess“ (Sozialpädiatrisches Screening für Schuleingangsuntersuchungen) nichts geändert. Anhand von Bildkarten wird dabei unter anderem die Fähigkeit der Kinder zur Pluralbildung oder der Umgang mit Präpositionen überprüft. Nicht selten hören die Kinderärzte dann allerdings, dass die Katze nicht unter dem Stuhl, sondern fälschlicherweise beim Stuhl sitzt oder auf dem Bild nicht zwei Häuser, sondern „zwei Hause“ abgebildet sind. Erstmals müssen die Mädchen und Jungen auch Pseudowörter wie „Lomula“ oder „Mesurates“ nachsprechen, um das genaue Hören der Silben und ihr richtiges Artikulieren auch bei Kindern überprüfen zu können, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind.

Ergebnisse im Überblick

Bei den ärztlichen Untersuchungen für die Einschulungen wurden in Dahme-Spreewald 1655 Mädchen und Jungen vorgestellt. 2014 waren es 1500.

Sprach- und Sprechstörungen traten, wie schon in den beiden vergangenen Jahren, bei 15 Prozent der Kinder auf.

Sehfehler
: elf Prozent; 2013: 8,9 Prozent.

Hörstörungen
: vier Prozent, 2013: 2,2 Prozent.

Fehlende Beweglichkeit: sieben Prozent; 2013: 5,1 Prozent.

ADS/ADHS: ein Prozent; 2013: drei Prozent.

Hochwuchs: vier Prozent; 2013: 3,7 Prozent.

Kleinwuchs: ein Prozent; 2013: 1,1 Prozent.

Emotionale und soziale Stö
rungen: 4,4 Prozent; 2013: 3,2 Prozent.

Allergische Erkrankungen: 16 Prozent; 2013: elf Prozent.

Einnässen: zwei Prozent; 2013: 1,5 Prozent.

Schon seit Jahren bestätigen die Ergebnisse der Schuluntersuchungen dabei immer wieder, dass die Sprachentwickung der Kinder maßgeblich vom Bildungs- und Sozialstatus der Eltern, insbesondere der Mutter, abhängt. „Hier ist meist sofort zu spüren, ob mit dem Kind schon als Baby viel gesprochen wurde oder es häufig vor dem Fernseher abgeparkt wird“, sagt Kinderärztin Sonntag. Zudem sei ein direkter Zusammenhang zu sinnvoller Freizeitbeschäftigung wie dem systematischen Heranführen an Bilderbücher oder Familienausflügen in Tierparks oder Wälder erkennbar.

Sprache und Bewegung sind eng verbunden, sodass viele Kinder mit Sprachdefiziten zugleich auch eine mangelnde Beweglichkeit aufweisen. Für sie ist es eine echte Herausforderung, auf der Stelle auf einem Bein zu hüpfen oder entlang einer Linie rückwärts zu laufen. Um den Status der Feinmotorik zu erfassen sollten die Kinder früher einen Menschen malen, jetzt gilt es, einen Lkw zu beladen.

Neu war beim diesjährigen Schultest auch die sogenannte Mengenwahrnehmung. Demnach haben die Kinder eine Sekunde Zeit, um zu erfassen, ob auf der linken oder der rechte Seite einer Karte mehr Bälle oder Autos zu sehen sind. Und wer von den Kindern auf einem Bild mit lachenden und traurigen Gesichtern die Sauertöpfe ganz schnell wegstreichen kann, besteht auch den Test für die selektive Wahrnehmung.

Die Ärzte bewerten aber auch, ob das Kind sozial und emotional altersgerecht entwickelt ist. So kommt es Sonntag zufolge vor, dass sich einige ganz wenige beim Schultest total verweigern, sodass sie noch einmal einbestellt werden müssen. Andere hingegen sind so verschüchtert, dass sie sich schon beim Eintritt in das Arztzimmer ängstlich hinter den Eltern verstecken oder beim Sehtest auf dem Schoß der Mutter sitzen müssen.

Nicht selten empfiehlt die Kinderärztin dann eine Rückstellung, sodass das Kind noch ein weiteres Jahr an Reife gewinnen kann, ehe es die Schule besucht. Insgesamt traf dies für das kommende Schuljahr im Landkreis auf mehr als jedes sechste Kind (15 Prozent; Vorjahr zwölf Prozent) zu. Eine mangelnde Schulreife wird dabei besonders häufig (64 Prozent) den Kindern bescheinigt, die erst kurz vor oder nach Schulbeginn von Juni bis September sechs Jahre alt werden.

Insbesondere den September-Kindern (zehn Prozent) mangelt es Sonntag zufolge noch an Konzentration sowie Fähigkeiten in der Grob- und Feinmotorik. Die Ärztin begrüßt daher die Forderung von Elterninitiativen, die beim vor einigen Jahren veränderten Stichtag für die Einschulung zum alten Modus zurückkehren möchten. Ursprünglich galt der 30. Juni und nicht wie jetzt der 30. September als Stichtag. Diese Entscheidung trifft aber das Bildungsministerium in Potsdam.

Von Franziska Mohr

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