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Alexander Gauland ist AfD-Spitzenkandidat

"Putin-Versteher" und möglicher Alterspräsident in Brandenburg Alexander Gauland ist AfD-Spitzenkandidat

Alexander Gauland ist Mitbegründer der Alternative für Deutschland (AfD) und kämpft zurzeit als AfD-Spitzenkandidat in Brandenburg um den Einzug seiner Partei in den Landtag. Auf Landesebene gibt es dabei für ihn vor allem zwei wichtige Themen, aber das ganz große Thema ist für ihn die Außenpolitik und da bezieht er deutlich Stellung.

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Alexander Gauland bei einem Beusch in der MAZ-Redaktion.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Warum er sich das antue – diese Frage, sagt Alexander Gauland fast ein wenig amüsiert, werde ihm in diesen Tagen oft gestellt. „Vor allem von denen, die mich kennen.“ Über 40 Jahre lang war der konservative Intellektuelle Gauland Mitglied der CDU. „Ich war am Ende mit der Partei völlig unzufrieden. Aus vielen Gründen.“ Energiepolitik, Wehrpflicht, Euro-Rettungspolitik – da reichte es ihm. Schon länger hatte er mit Angela Merkels Politik gefremdelt, den Verlust des konservativen Profils beklagt. Er trat aus.

Ein Freund brachte ihn im Januar 2013 mit dem Ökonomieprofessor Bernd Lucke zusammen. Der wollte eine neue Partei gründen. Gauland sagt, dass er anfangs darüber laut gelacht habe und sehr skeptisch war. „Doch mit Lucke“, so befand Gauland nach einiger Zeit, „kann das gehen.“ Die Energie, mit der Lucke los gelegt habe, die habe ihn überzeugt. So wurde der 73-jährige Potsdamer Mitbegründer der Alternative für Deutschland (AfD). Und als später Landesverbände gegründet wurden, war schnell klar, dass es in Brandenburg auf Gauland zuläuft. Heute ist er nicht nur Parteichef, sondern auch noch Spitzenkandidat zur Landtagswahl.

In diesen Tagen ist er viel in Brandenburg unterwegs – es ist Wahlkampf. Gauland, der große England-Freund, ist gerade erst braun gebrannt vom Cornwell-Urlaub zurück. Die Chance, mit der neuen Partei erstmals in den Potsdamer Landtag einzuziehen, ist vorhanden. In Umfragen liegt die AfD derzeit zwischen fünf und sechs Prozent. „Wir sind noch lange nicht in trockenen Tüchern. Wir müssen uns anstrengen.“

Gaulands Karriere fing 1970 beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung in Bonn an. Er war von 1977 an 10 Jahre Büroleiter des Oberbürgermeisters von Frankfurt/Main, Walter Wallmann (CDU). 1987 zog Gauland in die Staatskanzlei in Wiesbaden ein und wurde Staatskanzleichef von Ministerpräsident Wallmann. Der Konflikt um die Versetzung eines Leitenden Ministerialrats, für die Gauland in seiner Zeit als Staatskanzleichef in Hessen verantwortlich war, wurde 1995 von Martin Walser literarisch verarbeitet. Gauland firmiert in dem Roman „Finks Krieg“ als „Tronkenburg“. Nach der Wende ging Gauland in den Osten. Er war von 1991 bis 2006 Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Danach war er als Publizist für Tageszeitungen sowie als Buchautor tätig.

Eines seiner großen Themen ist die Außenpolitik. Für die ist er neuerdings auch auf AfD-Bundesebene hauptzuständig. In kurzer Zeit sei er zum „Putin-Versteher“ aufgerückt, sagt Gauland. „Das hätte ich nie für möglich gehalten.“ Nur weil er die Meinung vertrete, dass daran, was jetzt in der Ukraine und Russland passiere, „wir alle“ schuld seien. „Weil wir 1990/1991 den Russen keine neue Weltordnung angeboten haben.“ Russland sei in seine „alte zaristische Rolle des Einsammelns russischer Erde“ zurückgefallen, sagt Gauland. Für diesen Satz sei er auch in seiner Partei viel gescholten worden. Er habe aber auch viel Zustimmung erfahren.

Mit Landesthemen fiel die AfD indes nicht groß auf. Zwei Themen sind Gauland wichtig: der Flughafen und die Grenzkriminalität. Seine Partei fordert einen Baustopp am BER und die Errichtung eines neuen Flughafens durch private Investoren in Sperenberg (Teltow-Fläming). Und die AfD will mehr Polizisten im Kampf gegen Grenzkriminalität einsetzen. Oder es müssten das Schengen-Abkommen ausgesetzt und Grenzkontrollen eingeführt werden.

Den Vorwurf, seine Partei sei wegen einiger Positionen „nach rechts außen nicht ganz dicht“, wie es SPD-Fraktionschef Klaus Ness formulierte, weist Gauland entschieden zurück. Ehemalige Mitglieder von NPD oder DVU würden nicht aufgenommen. „Und rassistische Äußerungen gehen gar nicht“, betont er. Einige Bewerber für den Landtag waren allerdings auch Mitglieder der rechtslastigen Partei „Die Freiheit“, wie die Nummer zwei der Liste, Rainer van Raemdonck (57), zu DDR-Zeiten in der SED und für die „Freiheit“ stellvertretender Landesvorsitzender. Gauland sagt dazu, wenn ihm jemand sage, dass er sich geirrt habe, könne dieser nicht dauerhaft vom politischen Leben ausgeschlossen werden. Es würden schließlich auch frühere SED-Mitglieder oder inoffizielle Stasi-Mitarbeiter im Landtag sitzen. Wie es in einer neuen AfD-Fraktion im Landtag zugehen werde, könne er noch nicht sagen. „Wenn man eine neue Partei gründet, kommen Sie immer in die Situation, dass das eine Wundertüte ist“, sagt er nur und lächelt.

Gauland wäre, falls die AfD in den Landtag einzieht, vermutlich der Alterspräsident. Er würde die Konstituierung des Landtags eröffnen. Da würde er sich die Rede des einstigen Alterspräsidenten im Bundestag, des Schriftstellers Stephan Heym von 1994 – damals für die PDS, ansehen, sagt Gauland. „Die war nämlich gut.“

Von Igor Göldner

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