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„Freiland“ für Potsdam

Arbeitsgruppe Jugendkultur löst sich auf „Freiland“ für Potsdam

Die Arbeitsgruppe „Jugend- und Soziokultur“ in Potsdam hat sich aufgelöst. Gegründet wurde das Gremium mit Politik, Verwaltung und Vertretern der Jugendkulturszene nach schweren Einbrüchen bei Jugend- und Kultureinrichtungen im Jahr 2008. Gemeinsam wurden tragfähige Alternativen gesucht. Namhaftestes Resultat: Das neue Jugendkulturzentrum „Freiland“.

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Breakdance-Wettbewerb beim „Youth ’n’ Culture“-Festival 2013 auf dem Freiland-Gelände.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Arbeitsgruppe Jugend- und Soziokultur hat sich aufgelöst. Die mit Vertretern der Jugendkulturszene, der Verwaltung und Kommunalpolitikern besetzte Arbeitsgruppe wurde Anfang 2010 auf Beschluss der Stadtverordneten formiert. Nach der schweren Krise der Kulturszene im Jahr 2008 mit Schließungen, Insolvenzen und Jugendprotesten ging es in diesem Gremium darum, teils neue, vor allem beständige Strukturen und Angebote zu schaffen.

Namhaftes Resultat ist mit dem „Freiland“ an der Friedrich-Engels-Straße die Gründung eines völlig neuen Jugendkulturzentrums, das mit dem „Spartacus“ die Tradition eines 2008 verloren gegangenen Clubs wieder aufnahm, daneben im Haus 2 aber auch eines der wichtigsten Kunst- und Atelierhäuser der Landeshauptstadt neu etablieren konnte.

Insgesamt wurden von der Arbeitsgruppe zehn Themenschwerpunkte angegangen und mit unterschiedlichem Erfolg abgearbeitet. Neben der Rettung des von der schließungsbedrohten Kulturzentrums Archiv in der Leipziger Straße und der Suche nach einem neuen Ort für den „Spartacus“ ging es etwa um die Schaffung neuer Flächen für Graffiti-Künstler, für die man Möglichkeiten am Lindenpark und auf dem Freiland-Gelände, aber auch an den Bauzäunen des Landtags und des Badneubaus fand. Ein weiteres ständiges Thema ist der Mangel an Bandprobenräumen. Die jüngste Nachricht kommt auch hier vom „Freiland“: Nach Mitteilung Dirk Harders von der Betreiberfirma Cultus UG ging vor wenigen Tagen die Baugenehmigung für sechs Bandprobenräume ein.

Zu den offenen Baustellen zählt ein Ersatz für die 2008 geschlossene und später abgerissene Skaterhalle in der Kurfürstenstraße. Nicht bewährt hat sich offenbar eine 2012 eröffnet „Servicestelle Jugendkultur“, die ihren Betrieb laut Verwaltung mangels Nachfrage zum Ende des Jahres einstellt.

Das Krisenjahr 2008

Die Gründung der Arbeitsgruppe Jugend- und Soziokultur war eine politische Reaktion auf eine der schwersten Krisen dieser Szene seit 1989.

Mit dem Waschhaus und dem Lindenpark mussten im Krisenjahr 2008 die größten alternativen Kulturzentren des Landes Insolvenz anmelden. Der Spartacus-Club in der Schlossstraße gab auf. Dem Archiv drohte die baupolizeiliche Schließung.

Zusätzliche Verwerfungen wurden erst zum Ende der Sanierung des Kulturstandortes Schiffbauergasse offenbar: Das Verschwinden letzter legaler Wände für Graffitikünstler, der Wegfall von Bandprobenräumen.

Im Oktober eröffnete die Stadt ein Rundtischverfahren. Eine Gruppe „Alternative Jugendkultur in Potsdam“ (AJKP) übergab einen Katalog mit 13 Forderungen der Jugendszene.

Der Konflikt eskalierte. Das „La Datscha“ am Babelsberger Park wurde besetzt. Nach einer Demonstration mit 1500 Teilnehmern räumte die Polizei die Abschlussparty in der danach gesperrten Skaterhalle Kurfürstenstraße.

Jugendliche stürmten daraufhin die Stadtverordnetenversammlung; Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kommentierte das mit einem Nazi-Vergleich, für den er sich später entschuldigen sollte. vo

Die Auflösung der Arbeitsgruppe wird von der Verwaltung in einer der MAZ vorliegenden Mitteilung für die nächste Stadtverordnetenversammlung bekannt gegeben, vollzogen wurde sie aber schon im Juli. Als Grund für die Auflösung wurden die „größtenteils erfüllten Aufgaben“, aber auch stetig abnehmendes Interesse der Teilnehmer genannt.

Benjamin Bauer, als Vertreter der Sprayer-Szene einer der Wegbereiter dieser Arbeitsgruppe, mahnte am Montag im Gespräch mit der MAZ an, dass die nächste Jugendgeneration vergleichbare Möglichkeiten der Beteiligung bekommen müsse. Zu seinen Kritikpunkten zählt, dass ein extra aufgelegter Förderfonds für Jugendprojekte von anfangs 10 000 Euro pro Jahr auf mittlerweile 6000 Euro geschrumpft worden sei.

Von Volker Oelschläger

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