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Jetzt kommen die Alten nach Potsdam

Zuzug und Bevölkerungsprognose Jetzt kommen die Alten nach Potsdam

Potsdam zieht junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren magisch an. Das ist keine neue Nachricht. Was aber überrascht an einer aktuellen Bevölkerungsstudie ist dies: Potsdam ist auch attraktiv für Ältere – überdurchschnittlich im Bundesvergleich. Doch gibt es auch genug Angebote für die Senioren?

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Viele Ältere ziehen nach Potsdam.

Quelle: HPI Hasso-Plattner-Institut/Kay Herschelmann

Potsdam. Ein neuer Titel für Potsdam: Die Landeshauptstadt kann sich nun zu den „Schwarmstädten“ in Deutschland zählen – zusammen mit Top-Städten wie Berlin, München oder Leipzig. Das Besondere ist aber, dass Potsdam nicht nur die Jugend anzieht. Mittlerweile gehört die Metropole der Mark auch zu den Sehnsuchtszielen für die Älteren. Eine aktuelle Studie des Berliner Forschungsinstituts Empirica zeigt, dass Potsdam nicht nur einen enormen Zulauf von jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren hat, sondern dass die Stadt auch bei den 60- bis 74-Jährigen eine große Zugkraft besitzt. Auf der Empirica-Ranking-Liste liegt Potsdam deutschlandweit auf Platz sechs der Schwarmstädte für Ältere.

Zuzügler aus allen Gegenden ziehen an die Havel

Stark ist der Zuzug der Jungen, aber auch bei den über 60-Jährigen ist Potsdam beliebt

Stark ist der Zuzug der Jungen, aber auch bei den über 60-Jährigen ist Potsdam beliebt.

Quelle: Grafik/Scheerbarth

Wie ein Vogelschwarm – daher die Bezeichnung „Schwarmstadt“ – ziehen die Zuzügler aus allen Gegenden an die Havel, um hier ihren Alterssitz zu nehmen. Potsdam hatte in fünf Jahren sieben Prozent Zuwachs bei den 60 bis 74-Jährigen. Der Grund hierfür ist der Wunsch, Menschen der gleichen Generation in der eigenen Nähe zu wissen und mit diesen Kontakt zu pflegen.

„Die Älteren, die es sich leisten können, ziehen an Orte, die sehr attraktiv sind, um sich ihren Lebensabend zu gestalten“, sagt Matthias Förster, Statistiker bei der Stadt Potsdam: „Hier hat Potsdam als Stadt der Schlösser und Gärten mit einem reichhaltigen Kulturangebot viel zu bieten. Gerade für diese Bevölkerungsgruppe bietet der freie Wohnungsmarkt ein gutes Angebot.“

Die Alten bevorzugen die Küsten und die Alpen – und Potsdam

Dasselbe Schwarm-Phänomen wie Potsdam, so das Ergebnis der Studie, erleben derzeit die Landkreise an der Ostsee- und Nordseeküste und entlang des Alpenrandes mit Gemeinden wie Garmisch-Partenkirchen. „Sie gewinnen zwischen fünf und zehn Prozent in der Altersklasse hinzu“, beschreibt Harald Simons, der die Studie basierend auf Daten der Einwohnermeldeämter erstellt hat, das relativ neue Phänomen. Bei den Städten ist neben Potsdam auch Baden-Baden oder Ahrweiler attraktiv für die wanderlustigen Älteren. Im Vergleich mit den jungen Generationen sei das Ausmaß der Wanderung aber deutlich geringer, so Simons.

Potsdam ist ein grüner Fleck auf der Karte der Alten-Zuwanderung.

Das Schwarmverhalten ist ein noch relativ neues Wanderungsmuster innerhalb Deutschlands, bei dem sich Menschen einer bestimmten Altersgruppe in immer weniger Orten „zusammenrotten“. Dadurch wird in diesen Kommunen der Wohnraum knapp, während sich die anderen Städte und vor allem Landkreise zunehmend entleeren. In den Schwarmstädten steigen die Mieten, während sie in den anderen Regionen stagnieren oder gar fallen. Weil in den Städten, die bei den jungen „Schwärmern“ begehrten sind, immer mehr Wohnungen, Kitas und Schulen gebaut werden müssen und die gesamte öffentliche und private Infrastruktur erweitert wird, erhöht sich auch die Attraktivität für Zuzügler ständig – ein sich selbst verstärkender Kreislauf. Andere Städte und Regionen bluten hingegen aus.

Hauptschwärmer in Brandenburgs Landeshauptstadt sind die Jungen

Die demografische Spaltung des Landes wird zwar in erster Linie von den Jüngeren getragen, die noch auf der Suche nach dem Lebensmittelpunkt sind. Die „Hauptschwärmer“ sind aber die Berufsanfänger in der Altersklasse zwischen 25 und 34 Jahren. Am stärksten profitieren davon Städte wie Leipzig, München, Frankfurt/Main, aber auch kleinere Kommunen wie Heidelberg, Darmstadt und Regensburg. Bei den jüngeren Schwärmern geht es vor allem darum, mit Altersgenossen einen bestimmten Lifestyle mit den entsprechenden Angeboten teilen zu können.

Anders sieht es in der Altersklasse der 60- bis 74-Jährigen aus. Hier ziehen die teuren „Schwarmstädte“, die bei den jüngeren Schwärmern beliebt sind, den Kürzeren. Hauptverlierer sind Metropolen wie München. Bayerns Landeshauptstadt verliert einen von acht Einwohnern in dieser Altersklasse. „Die manchmal geäußerte Vermutung, dass es gerade auch ältere Personen in die attraktiven Großstädte zieht, wird durch die Empirie nicht gedeckt“, erklärt Simons.

Zur Ausbildung nach Potsdam – aber danach ziehen viele Jüngere wieder weg.

In Potsdam reagiert man auf die Herausforderungen durch den Zuzug. So soll etwa ein millionenschweres Schulneubau-Programm den Bedarf der vielen jungen Familien befriedigen. Die älteren Jahrgänge mit ihren Bedürfnissen stehen hingegen noch nicht so stark im Fokus. Kommunalpolitiker wie Peter Schultheiß (73, Potsdamer Demokraten) fordern deshalb, dass die Stadt auch preiswerten Wohnraum für Ältere schaffen muss und sich generell mehr um Seniorenfreundlichkeit bemühen sollte.

Von Ildiko Röd und Mathieu Krause

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