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„Klare Kante“ für Anstand und Hilfe

Integrationsabend in Kleinmachnow „Klare Kante“ für Anstand und Hilfe

Auf der Veranstaltung „Ernstfall Integration – Lösungen und Perspektiven“ der Friedrich-Naumann-Stiftung haben am Dienstagabend fast 100 Interessierte und Ehrenamtliche über Erfolge und Probleme in der lokalen Arbeit mit Flüchtlingen gesprochen.

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Der Medizinstudent Khaled (25) aus dem syrischen Homs sprach in Kleinmachnow über seine Flucht und die Zukunft in Deutschland. Moderator Heiko Krause übersetzte.

Quelle: C. Krause

Kleinmachnow. Wenn es in einer Gemeinde ohne Flüchtlingsheim eine große Gemeinschaft von Ehrenamtlichen pro Flüchtlingshilfe gibt, ist das etwas Besonderes. So musste es nicht überraschen, dass am Dienstagabend bei der Veranstaltung „Ernstfall Integration – Lösungen und Perspektiven“ der Bürgersaal des Rathauses rappelvoll war. Bürgermeister Michael Grubert (SPD) holte selbst weitere Stühle und freute sich, dass so viele Leute der Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung gefolgt sind.

Grubert bekannte sich mit Nachdruck zu dem umstrittenen Satz der Kanzlerin „Wir schaffen das“ und appellierte an die Politiker seiner und der anderen Parteien, „mehr Gelassenheit, Ruhe und konstruktive Lösungen“ in die Arbeit zu bringen und nicht „jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu jagen“. Er wünscht sich „anständige Deutsche, die aufstehen und klare Kante zeigen“ gegen Vorfälle wie in Clausnitz und Bautzen.

Die Sambagruppe „Bateria Da Supresa“ der Kreismusikschule Potsdam-Mittelmark zeigte, wie Integration über Musik funktioniert

Die Sambagruppe „Bateria Da Supresa“ der Kreismusikschule Potsdam-Mittelmark zeigte, wie Integration über Musik funktioniert. Einheimische und Flüchtlinge trommeln und tanzen gemeinsam – und dem Publikum im voll besetzten Bürgersaal gefiel’s.

Quelle: C. Krause

In der Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf (TKS) leben jetzt etwa 1000 Flüchtlinge in fünf Häusern. Allein in Teltow gibt es zwei Heime und eine Notunterkunft in der Warthestraße, die laut Landkreisverwaltung im Frühjahr in ein festes Haus in der Oderstraße 67 ziehen soll. 70 Kleinmachnower sind inzwischen Paten geworden und treffen sich ein- bis dreimal die Woche mit Flüchtlingen, um ihnen das Einleben zu erleichtern. Grubert lobte die „sehr große Spendenbereitschaft“ und Projekte wie Fahrradwerkstatt und Kleiderkammer, die die Gemeinde unterstützt. Auf Wunsch des Kreises wurde eine Willkommensklasse mit 15 bis 18 Kindern an der Eigenherd-Schule eröffnet. Besonders aktiv ist die evangelische Kirchengemeinde, die ein Begegnungscafé als zentralen Treff und Ideenschmiede für Projekte etabliert hat. Für die Koordination der TKS-Flüchtlingshilfen finanziert Kleinmachnow freiwillig 20 Stunden pro Woche seiner Gleichstellungsbeauftragten. Außerdem leben in mehr als zehn Gemeinde-Wohnungen bereits Flüchtlinge.

Auf Themenwolken schrieben Gäste der Veranstaltung Fragen und Probleme zur Flüchtlingsintegration in der Region auf

Auf Themenwolken schrieben Gäste der Veranstaltung Fragen und Probleme zur Flüchtlingsintegration in der Region auf.

Quelle: C. Krause

Der Abend im Bürgersaal sollte „keine Lösungen für den Syrienkrieg und das Flüchtlingsproblem“ finden, wie Moderator Heiko Krause sagte, sondern Aspekte praktischer Integration vor Ort beleuchten. Dazu gehören zum Beispiel mehr Informationen über das Leben des anderen, um Missverständnisse und Ärger zu vermeiden. „Fragen, fragen, fragen“ – lautete denn auch der Rat des 25-jährigen Syrers Khaled an die Flüchtlinge. Der Medizinstudent lebt in Kleinmachnow und will in Deutschland sein Studium abschließen, um später wieder heimzukehren, erzählte er auf englisch.

Besondere Probleme, so machten viele Redner neben all dem Positiven deutlich, sind oft die „schlechte Qualität“ der amtlichen Deutschkurse, das schwierige Vermitteln von Flüchtlingen in Arbeit und eine schlechte Kommunikation mit der Ausländerbehörde des Kreises in Werder. Jan Syré, Vorsitzender des Liberalen Mittelstands Brandenburg, sagte, dass „eine große Unsicherheit herrscht“, wen man in Arbeit oder einen Ein-Euro-Job vermitteln könne. Gefordert wurden der „Abbau von Bürokratie für Helfer und Flüchtlinge“, aber auch mehr Informationsplattformen, Datenbanken und Netzwerke. Dabei sollte man die Netzwerker-Fähigkeiten der Flüchtlinge mit nutzen, riet ein Herr. Angeregt wurde auch, das Grundgesetz und die deutschen Werte besser in der Landessprache zu vermitteln und künftig auf mehr Verbindlichkeiten im Lernprozess zu drängen. Die Flüchtlingsheime in Stahnsdorf starten jetzt ein Projekt mit „Wohnbefähigungsschein“. Den bekommt, wer den Kurs zu Alltagsdingen wie Mietrecht und Hausordnung mit einer Prüfung auf deutsch besteht. Nur dann erteilt auch das Sozialamt das Okay für eine eigene Wohnung. Mitarbeiter des Jobcenters Maia boten am Abend noch spontan an, im Begegnungscafé ein „Job-Center spezial“ durchzuführen. Integrationsbemühen total lokal.

Begegnungscafé feiert Geburtstag

Am 1. März 2015 öffnete das Begegnungscafé in Kleinmachnow, Zehlendorfer Damm 212. Seitdem kommen jeden Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr bis zu 150 Gäste – Flüchtlinge wie auch Einheimische aus Kleinmachnow, Stahnsdorf, Teltow und Umgebung. Kontakte werden geknüpft, Sprachbarrieren überwunden, Projekte geplant. Es wird gespielt, gelacht, geredet.

Der 1. Geburtstag wird am 28. Februar ab 14 Uhr gefeiert. Die Gäste erwartet ein Büffet, das Flüchtlinge mit traditionellen Heimatgerichten bestücken.

Von Claudia Krause

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