Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Willkommen bei der Fischpediküre

Schönheitstrend Knabberfische erreicht Potsdam Willkommen bei der Fischpediküre

Die Füße in ein Becken voller Fische halten und sich von denen auch noch anknabbern lassen? Freiwillig? Die meisten Menschen lehnen erst mal dankend ab, doch die Fangemeinde der Knabberfische wächst – auch in Potsdam. Die MAZ hat sich in einem Fisch Spa in Babelsberg umgesehen – und natürlich Probeknabbern lassen.

Potsdam, Babelsberg 52.3875629 13.1028718
Google Map of 52.3875629,13.1028718
Potsdam, Babelsberg Mehr Infos
Nächster Artikel
„Erwachsenen-Hotel“ findet Zustimmung

Knabberfische: Seltsames Gefühl, ungewohnter Anblick.

Quelle: Saskia Popp

Babelsberg. Für viele Menschen eine Horrorvorstellung: Hände oder Füße in ein Becken voller Fische tauchen, die dann auch noch den Kontakt suchen, richtig nahe kommen, an der Haut herumknabbern. Ja, die Vorstellung ist unangenehm. Dabei liegen kosmetische Behandlungen wie diese Fischpediküre voll im Trend. So genannte „Fish Spas“, die viele aus dem Urlaub kennen, eröffnen in immer mehr deutschen Städten. Auch in Potsdam kann man sich von nimmersatten Saugbarben die Füße schön machen lassen. Die MAZ hat diesen Schönheitstrend für Sie ausprobiert.

„Die natürliche Umgebung der Knabberfische, die eigentlich Rötliche Saugbarben heißen, ist die türkische Region Kangal“, erzählt Nancy Hedderich, „dort legen sich die Menschen komplett in den Fluss und lassen sich beknabbern“. Nancy Hedderichs Kosmetiksalon in Babelsberg bietet keine Behandlungen dieser Größenordnung, hier stehen eher Hände und Füße im Mittelpunkt. „Wir behandeln mit Hilfe des instinktiven Verhaltens der Fische unsere Kunden“, so Hedderich. Sie besitzt etwa 400 Fische, die wurden allerdings nicht aus der Türkei eingeflogen, sondern stammen von einem professionellen Züchter.

Ursprünglich hatte die 38-Jährige Nancy Hedderich eine Ausbildung zur Arzthelferin gemacht, später ließ sie sich zur Kosmetischen Fußpflegerin weiterbilden. Beim Urlaub auf Mallorca lernte Nancy Hedderich die Knabberfische kennen, irgendwann stand die Idee im Rau, selbst ein „Fish Spa“ zu eröffnen. Bevor sie jedoch fremde Füße in Fischbecken tauchen durfte, war eine langwierige Ausbildung vonnöten. Tierschutz, chemische Kenntnisse, Buchhaltung und der professionelle Umgang mit den kleinen Kosmetikfischen waren Inhalte der Ausbildung, die neben Nancy Hedderich selbst auch ihr Mann und die gemeinsame Tochter absolvierten.

 

Knabberfische: Die Rechtslage

Zu kosmetischen Zwecken dürfen die Rötlichen Saugbarben – auch bekannt als Knabberfische, Doktorfische, Kangalfische oder Garra rufa – eingesetzt werden, wenn die Haltung mit dem Tierschutz vereinbar ist. Regelmäßiger Wasserwechsel, eine Wassertemperatur zwischen 28 und 33 Grad sowie regelmäßige Fütterungen mit einem speziellen Trockenfutter sind Pflicht.

„Fish Spas“ werden regelmäßig vom Amtstierarzt untersucht. Sie müssen von Züchtern stammen, denn der Export aus der Türkei, dem natürlichen Gebiet der Knabberfische, steht unter Strafe.

Im November 2014hat dann auch das Veterinäramt grünes Licht gegeben – 34 verschiedene Auflagen von der ständigen Überwachung der Wasserparameter bis zu speziellem Fischfutter muss das „Fish Spa“ erfüllen. Auch der Tierschutz hat ein Auge auf Fischpediküresalons. Knabberfische sind Wirbeltiere und stehen damit unter uneingeschränktem Schutz. Alle vier bis sechs Wochen werden die Knabberfische zudem vom Tierarzt untersucht. Der ist Profi, er betreibt in Berlin eine spezielle Zierfischpraxis. „Bisher haben wir jedes Mal eine sehr gute Bewertung erhalten“, sagt Nancy Hedderich stolz. Auch Krankheiten übertragen die Tiere laut Hedderich nicht: „Da müssten schon sehr große offene Wunden vorhanden sein“, sagt sie, „und solche Kunden können wir hier nicht behandeln. Es ist infektiöser, in die Havel zu gehen, da bin ich sicher.“

Auch für den Arbeitsschutz ist gesorgt. Im Land Brandenburg dürfen die Rötlichen Saugbarben 30 Minuten am Stück eingesetzt werden, danach müssen sie mindestens genauso lange pausieren. Die Fische haben zehn Stunden Nachtruhe und zwei freie Tage in der Woche.

Den Tieren geht es also gut, die Wasserqualität wird ständig kontrolliert, hygienisch ist es auch: es gibt nun keine Ausreden mehr, der Fuß kommt ins Wasser. Im ersten Moment fühlt es sich an, als würde man sanft über feinkörniges Schleifpapier streichen – gewöhnungsbedürftig, aber keineswegs unangenehm. Etwa 50 der so genannten Knabberfische laben sich am ihnen feilgebotenen Fuß; sie wirbeln durchs Wasser, saugen sich an der Haut fest und fressen abgestorbene Hautschüppchen ab. Wellness, eine Mikromassage, die Entfernung von Hornhaut, bessere Durchblutung, ein natürliches, eingecremtes Gefühl – all das soll die Behandlung bringen. Und tatsächlich: es kribbelt angenehm, als die Tiere sich der Haut annehmen, nach der Behandlung fühlt sich der Reporterinnenfuß an, wie frisch gecremt. „Das liegt daran, dass die Fische ein Sekret beim Knabbern absondern“, erklärt Chefin Nancy Hedderich. Fischsekret. Auf der Haut. Noch so ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke.

Von Saskia Popp

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lifestyle & Trends
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg