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Zieh’ dir ein Stück Kunst!

Kunstautomat in Teltow Zieh’ dir ein Stück Kunst!

Zwei Euro sind schnell ausgegeben. Wie wäre es mit etwas, das überdauert? Zum Beispiel etwas Kunst aus dem Automaten? Die Malerin Frauke Schmidt-Theilig hat jetzt den ersten Kunstautomaten zum Mattauschhaus nach Teltow geholt. Dort kann sich der Passant rund um die Uhr kleinformatige Kunstwerke ziehen.

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Automaten-Fans: Frauke Schmidt-Theilig und Lars Kaiser bringen den ersten Kasten mit Kunst in Teltow an. Stahnsdorf und Kleinmachnow könnten folgen.

Quelle: C. Krause

Teltow. Obwohl Potsdam quasi gleich neben Teltow liegt, hat es der erste Kunstautomat aus der Landeshauptstadt erst jetzt in die Kanalstadt geschafft. Lars Kaiser (40), der seit 2007, in der gesamten Republik inzwischen die Automaten mit kleinen Kunstwerken in Schachteln anbringt, schraubte ein solches quietschbuntes Teil am 8. Dezember an die Ziegelwand, die zum Grundstück des historischen Mattauschhauses gehört.

Kunst im Format einer Zigarettenschachtel

Der Potsdamer befüllte die drei Schächte des alten Automaten mit 90 geschlossenen Schachteln, die etwa die Größe einer normalen Zigarettenbox haben. Ab sofort kann sich jeder Passant 24 Stunden lang aus der blechernen Wundertüte bedienen – mit zwei Euro ist er dabei. Wechselgeld gibt’s nicht. Je ein Euro geht an den Künstler und einer an die Automaten-Crew. „Alles, was der Künstler schafft, dort rein zu stecken, kann rein“, sagt Kaiser. Kleine Plastiken, Glaskörper, Bildchen. Egal, ob gefaltet oder gerollt. Mit rein kommt eine kleine Vita über den jeweiligen Künstler. Mit Telefonnummer und Internetadresse. Schließlich wünschen sich die Akteure einen Austausch über die Kunst. Wartung und Befüllung übernehmen Kaiser und sein Kompagnon, der Automatenaufsteller Andreas Petzke. Entstanden war die Idee, weil Freunde und Kunden immer mal fragten, ob es nicht „was Kleines von Künstlern“ gebe, das man jemandem schenken könne, erzählt Kaiser, der in Potsdam eine Kunstagentur betreibt und Ausstellungen organisiert.

Werke regionaler Künstler

Einer Zufallsbegegnung ist es zu verdanken, dass die Stahnsdorfer Malerin Frauke Schmidt-Theilig (57), die als Eigentümerin seit 2011 ihr Atelier im Mattauschhaus führt, auf Lars Kaiser gestoßen ist. „Ich war von der Automaten-Idee sofort begeistert“, sagt die gebürtige Rostockerin, die seit Jahrzehnten hier in der Region lebt. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin, von Hause aus ist sie wissenschaftliche Bibliothekarin. Auf die Wirkung des Automaten an ihrer Atelier-Grundstücksmauer ist sie „sehr gespannt“. Die Schächte sind vorerst mit Werken regionaler Künstler im Teltower Umkreis von 30 Kilometern gefüllt; auch Schmidt-Theilig-Bildchen werden drin sein, auch welche von den Potsdamer Künstlern Alfred Schmidt, Christian Heinze und Bernd A. Chmura zum Beispiel, verrät Kaiser. Einen zweiten Automaten haben die Künstlerin und ihr Ehemann Roman Theilig (54) für ihr Lokal „Turandot“ in Berlin-Kreuzberg bei Kaiser bestellt. Da ist viel Publikumsverkehr. Den selben wünscht sich die Künstlerin auch für die Alte Potsdamer Straße in Teltow, wenn erst das einstige Diana-Kino – wenige Meter vom Mattauschhaus entfernt – als Restaurant mit Kulturnische und Hotel wieder erwacht.

Automat als Kommunikationsplattform

Lars Kaiser freut sich immer wieder über neue Standorte für die Automaten, die als Kondom- oder Zigarettenspender längst ausgedient haben. Denn gerade etliche junge Künstler, die sich vor großen Galerien scheuen, oder kaum Geld für eigene Ausstellungen haben, nutzen die Automaten, um bekannter zu werden. „Es ist eine wunderbare Kommunikationsplattform. Inzwischen gibt es sogar eine Facebookseite ’Ich habe Kunst am Automaten gezogen’“, erzählt Kaiser. Über die Seite werden dann schon mal kleine Kunstgüter getauscht.

Kaisers Kunstautomaten

Der Potsdamer Lars Kaiser ist gelernter Stuckateur und arbeitet als Kunstagent und organisiert Ausstellungen.

Der heute 40-jährige Vater von zwei Kindern hat den ersten Kunstautomaten im Jahr 2001 im Holländischen Viertel von Potsdam aufgestellt. Heute gibt es in der brandenburgischen Landeshauptstadt etwa zehn Automaten, wie Kaiser sagt. Die ersten derartigen Automaten soll es bereits in den 20er/30er Jahren gegeben haben.

Ausgediente Kondom- oder Zigarettenautomaten erwerben Kaiser und sein Partner, der Automatenaufsteller Andreas Petzke, und möbeln sie wieder auf oder lassen sie von Künstlern gestalten. Es gibt welche mit zwei bis 12 Schächten; je Schacht passen etwa 25 bis 30 Schachteln rein, die kleine Kunstüberraschungen in Form von Bildern, Drucken, Objekten, Zeichnungen aber auch Lyrik und Prosa samt Künstler-Vita enthalten.

Mehr als 200 Automaten von Kaiser & Co. hängen und stehen in der deutschen Republik. Über 200 Künstler kreieren dafür kleinformatige Kunst.

Kunstautomaten gibt es zum Beispiel in Velten und Eberswalde, Neuruppin und Cottbus, in Hamburg und Stuttgart, in Wernigerode – am Strand und im Wald.

Je weiter entfernt von Potsdam die Automaten hängen, um so teurer sind die Schachteln. In Süddeutschland muss man schon 4 Euro in die Schlitze stecken, um dort Kunst zu ziehen. Denn der Aufwand ist für Kaiser und Petzke höher.

Kontakt: www.kunstautomaten.com und www.atelier-im-mattauschhaus.de

 

Von Claudia Krause

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