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Landkreis will Potenziale besser nutzen

Erneuerbare Energien in Potsdam-Mittelmark Landkreis will Potenziale besser nutzen

Bei der Nutzung erneuerbarer Energien hat der Landkreis Potsdam-Mittelmark noch Reserven. Das weiß auch Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Die Potenziale künftig besser zu nutzen, ist nun Aufgabe von Barbara Ral. Die Diplom-Biologin ist ab sofort als Klimaschutz- und Energie-Managerin des Landkreises Potsdam-Mittelmark eingesetzt.

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Barbara Ral hat im Neue-Energie-Forum Feldheim ein Büro bezogen. Die Klimaschutzmanagerin des Kreises Potsdam-Mittelmark will die Menschen hierzulande gern für Elektromobilität begeistern.

Quelle: Th. Wachs

Bad Belzig. „Vor allem wenn es darum geht, die damit verbundene Wertschöpfung in der Region zu halten, die kleinere Firmen und die Menschen vor Ort davon profitieren zu lassen“, sagt Wolfgang Blasig (SPD) zum Thema erneuerbare Energien.

Die vom Landrat erwähnten Potenziale zu heben, ist ab sofort eine der Aufgaben von Barbara Ral. Die Diplombiologin, die seit gut zehn Jahren in Beelitz wohnt, ist ab sofort Klimaschutz- und Energie-Managerin. Angestellt ist die bisherige Freiberuflerin neuerdings beim Technologie- und Gründerzentrum Bad Belzig. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Neue-Energien-Forum Feldheim hat sie in dem Forschungs- und Kommunikationszentrum des energieautarken Treuenbrietzener Ortsteiles kürzlich ihr Büro bezogen.

Dort will die 45-Jährige einerseits das Haus und seine Ausstellungen mit der Vorstellung vorbildlicher Klimaschutzprojekte zwischen Werder/Havel, Wusterwitz und Wiesenburg bereichern. „Es gibt bereits viele Initiativen, die bekannter gemacht und vernetzt werden sollten“, sagt Barbara Ral. „Viele Akteure stellen ihr Licht leider noch unter den Scheffel“, so die Klimaschutzmanagerin.

„Andererseits werde ich viel unterwegs sein, um in Kindergärten, Schulen und bei Veranstaltungen Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Energieeinsparung und Nutzung alternativer Quellen zu machen“, sagte Barbara Ral der MAZ. Eine wesentliche Aufgabe wird es für sie zudem sein, den 2009 vom Parlament gefassten Beschluss für eine Klimaschutz-Strategie mit einem Konzept für den Landkreis zu untersetzen.

Chancen sieht die Expertin in der stärkeren Nutzung von Wäldern. Aus deren Pflege und dem nachhaltigen Umbau von der Kiefer als vorherrschender Monokultur hin zu Mischwäldern ließe sich viel Durchforstungsholz als Brennstoff gewinnen. „Einige auch private Wälder sind diesbezüglich noch weitgehend ungenutzt“, sagte Barbara Ral. Sie bewirtschaftet seit einigen Jahren ihren privaten Wald selbst ökologisch und ökonomisch. „Für Kunden ist es heutzutage in der Region oft noch schwer, gutes Brennholz zu finden“, so Barbara Rals Erfahrung.

Der Nutzung von Wäldern für den Bau von Windrädern steht sie indes eher kritisch gegenüber. Die Anlagen sieht sie besser auf Feldern aufgehoben, wenngleich die verfügbaren Flächen dafür derzeit durch die Regionalplanung begrenzt seien.

Möglichkeiten zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes und damit zum Klimaschutz hat die Umweltexpertin vor allem noch bei der Energieeinsparung an kommunalen Gebäuden erkannt. Wärmedämmung und Umrüstung von Heizanlagen könnten dazu beitragen. Sparmöglichkeiten gebe es ferner bei der privaten wie öffentlichen Mobilität, beispielsweise durch die stärkere Nutzung von Elektrofahrzeugen vom Fahrrad bis zum Auto.

24 mal mehr Energie aus Alternativquellen als 2000

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark war im Jahr 2013 eine Gesamtleistung von rund 493.400 Kilowatt in 2614 Anlagen zur Energieerzeugung aus alternativen Quellen installiert.

Davon entfielen auf 157 Windkraftanlagen 261.480 Kilowatt Leistung sowie auf 2404 Photovoltaikanlagen knapp 208.000 Kilowatt Leistung.
Zudem hatten 47 Blockheizkraftwerke eine Leistung von 23.815 Kilowatt und sechs Wasserkraftanlagen 99 Kilowatt Gesamtleistung.

Der Energieverbrauch stieg im Kreis von rund 750.000 Kilowattstunden im Jahr 2000 auf zirka 850.500 Kilowattstunden in 2013.

Aus alternativen Quellen wurden im Jahr 2000 rund 31.700 Kilowattstunden ins Netz eingespeist oder selbst verbraucht. 2013 waren es bereits 713.000 Kilowattstunden. thw

Bei der Nutzung von Strom, der aus regenerativen Quellen erzeugt wird, hat der Landkreis Potsdam-Mittelmark einen vergleichsweise guten Anteil von knapp 84 Prozent am Gesamtverbrauch erreicht. Das ist dem von Wolfgang Lorenz zusammengestellten Energiebericht für 2013 zu entnehmen. Der Experte im Landratsamt Bad Belzig kann sich über die personelle Verstärkung freuen, weil Politik und Verwaltung der steigenden Bedeutung der Erneuerbaren Energien damit Rechnung tragen, wie es heißt.

Insgesamt nehme der Anteil bei der Stromversorgung zu, wenngleich 2013 die installierte Gesamtleistung bei Windrädern um zwei Prozent gesunken ist, während sie für Photovoltaikanlagen um fünf Prozent stieg und bei Blockheizkraftwerken konstant blieb. Setzt sich dieser Trend fort, könnte der Kreis – zumindest bilanziell – bereits im kommenden Jahr stromautark sein, konstatierte Barbara Ral.

Einige Kommunen zwischen Havel und Fläming produzieren heute schon das Mehrfache ihrer verbrauchten Energie aus alternativen Quellen. Spitzenreiter ist das Amt Niemegk mit einer Bedarfsabdeckung von 510 Prozent. In der Stadt Treuenbrietzen lag der Wert 2013 bei 437 Prozent und im Amt Beetzsee bei 316 Prozent. Gleichzeitig steigt der Energieverbrauch in der Region insgesamt jährlich weiterhin um bis zu zwei Prozent. Grund sei eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Doch offenbare das Verhältnis, dass es in der Energieeffizienz kaum Fortschritte gebe, „auch wenn es in Einzelfällen ein starkes Bemühen von Unternehmen und Verwaltungen gibt“, heißt es im Enegiebericht an das Parlament.

Darin werden auch Schwächen benannt, die den energetischen Strukturwandel im Land Brandenburg kennzeichnen. Dies seien fehlende Akzeptanz sowie zu schwache Vorbildfunktion der öffentlichen Hand bei der energetischen Sanierung von Gebäuden. Mit seiner nun geplanten Energie- und Klimastrategie will der Landkreis nun Konsequenzen ziehen und die politische Diskussion anstoßen.

Von Thomas Wachs

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