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Festival-Förderung in Potsdam auf dem Prüfstand

Kultur in der Landeshauptstadt Festival-Förderung in Potsdam auf dem Prüfstand

Potsdams Stadtverwaltung erarbeitet gemeinsam mit der Macromedia Hochschule Bein Konzept zur Festivalförderung, ein erster Entwurf soll im März vorgelegt werden. Nicht alle Festival-Initiatoren werden begeistert sein. Manche werden wahrscheinlich wesentlich weniger bekommen.

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Stadt für eine Nacht in der Potsdamer Schiffbauergasse.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Es geht zu wie bei Aschenputtel, das die Linsen verlesen muss: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen! Die Landeshauptstadt Potsdam sichtet und evaluiert ihre besonders dicht gewachsene Festivallandschaft.

Auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen soll die Stadtverwaltung ein Konzept zur Festivalförderung erarbeiten. Dies geschieht in Kooperation mit der Macromedia Hochschule Berlin. Der Prozess zieht sich seit einem Jahr hin. Ein erster Entwurf soll im März 2016 vorgelegt werden.

Viele Festivals sind in der Wendezeit entstanden

Birgit Katharine Seemann, Leiterin des Kulturfachbereichs, musste sich erst einmal darüber klar werden, was Festivals von Festen oder Veranstaltungsreihen unterscheidet. Eine Auflistung ergab allein für Potsdam 36 Positionen, vom Orgelsommer über „ Stadt für eine Nacht“ bis hin zum noch relativ jungen Literaturfestival lit:potsdam. „Vieles ist historisch gewachsen“, weiß Seemann. Es kämen aber immer wieder neue Bewerber dazu.

Janny Armbruster, Vertreterin der Grünen im Kulturausschuss, möchte die Vielfalt keinesfalls beschneiden. Sie fragt sich aber schon: „Wie viel Kultur kann sich Potsdam leisten und gibt es für neue Initiativen überhaupt noch genügend Raum?“

Die meisten Festivals sind in der Wendezeit entstanden. Mit der Persönlichkeit ihrer Gründer, die bis heute das Programm prägen, verbindet sich ein hohes Maß an Qualität und Professionalität. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Festivals von Trägern ausgerichtet werden, die auch übers Jahr einen Spielbetrieb anbieten.

Unidram-Festival bekommt 10.000 Euro weniger

Zwei Beispiele: Das T-Werk richtet jeweils im Spätherbst das internationale Theaterfestival Unidram aus. Impresario Jens-Uwe Sprengel hat bei Stadt und Land die Anträge für die 23. Ausgabe eingereicht. „Wir hangeln uns von Jahr zu Jahr. Die Budgets sind extrem eng. Ich habe gerade erfahren, dass wir im nächsten Jahr 10.000 Euro weniger bekommen.“

Sprengel betont, dass sein Team besser arbeiten könnte, wenn die Förderzusagen einen mehrjährigen Zeitraum umfassen würden. Die Fabrik, nebenan auf dem Kulturareal Schiffbauergasse, setzt jedes Jahr Ende Mai/Anfang Juni mit den Tanztagen im Kulturkalender einen großartigen Akzent. Sven Till sieht in Festivals prinzipiell eine Chance, die eigenen Aktivitäten zu bündeln, eine größere Außenwirkung zu erzielen und zusätzlich Sponsoren zu gewinnen.

Potsdam hat gute Auswirkung – im Vergleich zu anderen Städten

Mit dem Festival „Made in Potsdam“, das 2016 vom 14. Januar bis 14. Februar stattfindet, kann sein Haus auch einmal genreübergreifende Experimente mit bildenden Künstlern und Musikern wagen.

Anders verhält es sich mit lit:potsdam. Das Festival ging aus einer Bürgerinitiative hervor, die dem in Potsdam ansässigen Literaturbüro deutlich Konkurrenz macht. Der Trägerverein plant immer nur für das eine Festival-Wochenende im Jahr. Susanne Meierhenrich wird dann aus München als Pressesprecherin eingeflogen und zeigte sich bei den ersten beiden Ausgaben überrascht: „Bei ungleich größeren Literaturfestivals in ungleich größeren Städten ist es kaum möglich, die überregionale Presse zu interessieren. Aber Potsdam steht in dem Ruf, eine bedeutende Kulturstadt zu sein.“ In anderen Rathäusern würden die Sektkorken knallen, wenn sich eine solche Außenwirkung herstellen ließe, meint sie.

Geld für Potsdamer Festivals

Für das Jahr 2016 hat die Stadt Potsdam bereits zahlreiche Fördersummen zugesagt.

6000 Euro bekommt der Internationale Orgelsommer .

Die Fete de la Musique
wird mit 10.000 Euro bezuschusst,

das Internationale Theaterfestival Unidram erhält 61  000 Euro.

Der Literarische Sommer lit:pots mit Lesungen an vielen Orten der Stadt wird von der Stadt mit 30.000 Euro unterstützt.

140 000 Euro gibt die Kommune für die 24-Stunden-PartyStadt für eine Nacht “ in der Schiffbauergasse.

Potsdamer Dreiklang mit den Jazztagen erhält 22.000 Euro,

die Musikfestspiele Sanssouci 263.000 Euro.

Dazu addieren sich in einigen Fällen Mittel vom Land und anderer Institutionen wie Stiftungen.

Birgit K. Seemann im Potsdamer Kulturamt steht vor einer heiklen Aufgabe. Künftig soll eine Jury anhand von „Evaluierungsrichtlinien“ darüber bestimmen, wie „ein Gesamtetat für Feste und Festivals“ aufgeteilt wird. Doch was ist wichtig? Das, was den Ruf Potsdams in den Feuilletons festigt? Was viele Besucher zieht? Was ohne kulturpolitische Subventionen gar nicht möglich wäre?

So zum Beispiel „Intersonanzen“. Das brandenburgische Fest der Neuen Musik bietet Anfang Oktober stets einen Reigen bemerkenswerter Uraufführungen, die aber nur von einem kleinen Inter­essentenkreis wahrgenommen wird. Die Stadt hat gerade beschlossen, die Förderung 2016 von 20 000 Euro auf 17 500 Euro abzusenken.

Von Karim Saab

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