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Brandenburgs Buchhändler vs. Amazon

Handel kämpft gegen Online-Riese Brandenburgs Buchhändler vs. Amazon

Die Konkurrenz auf dem Buchmarkt ist groß. Vor allem der Online-Riese Amazon bringt die inhabergeführten Buchläden ins Straucheln. Aber es gibt Läden, die gegen den Mega-Konzern bestehen – wir haben einen besucht und die Inhaber nach ihrem Erfolgsrezept gefragt.

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Stefanie Schneider und Andrea Müller (r.) leiten die Buchhandlung „Viktoriagarten“ in Potsdam-West.

Quelle: Luise Fröhlich

Potsdam. Ein Buch in die Hand nehmen, blättern und stöbern. Das geht am besten in der Buchhandlung um die Ecke, meinen Stefanie Müller und Andrea Schneider. Die jungen Frauen führen den Buchladen mit Café „ Viktoriagarten“ in Potsdam und beobachten einen Trend: Online-Käufer, die ihre Bücher aus Zeitmangel bisher bei Amazon bestellt haben, kehren zurück in den Buchladen um die Ecke. Dass Kunden bewusst umdenken, kommt so manchem Brandenburger Buchhändler zugute. Für einige andere hingegen wird die Luft immer dünner.

Für einen fairen Buchmarkt

Der Online-Händler Amazon steht schon seit einiger Zeit heftig unter Kritik. I n einem offenen Brief haben die Autoren der Bonnier-Verlagsgruppe (Cornelsen, Piper, Ullstein, etc.) Amazon Manipulation vorgeworfen. Die Bücher der Bonnier-Autoren seien nicht mehr auf Lager gelegt, verlangsamt ausgeliefert und die Autoren sollen aus den Empfehlungslisten gelöscht worden sein. Damit habe Amazon die Verlagsgruppe zwingen wollen, den neuen Vertragsbedingungen zuzustimmen.

Erschien en

ist der Brief im August 2014 in der Zeitung New York Times. Damals hatte man 900 Unterschriften von Autoren, Lesern, Illustratoren und Übersetzern gesammelt. Aktuell sind es über 2000. Auf dem Portal „Fairer Buchmarkt“ kann im Internet unterschrieben werden.

Der Amazon-Tochter Audible , ein Anbieter kommerzieller Hörbuch-Downloads, geht es aktuell mit einer Beschwerde beim Bundeskartellamt und bei der EU-Kommission an den Kragen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wirft Audible den Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung vor. Audible soll den Verlagen unzumutbare Bedingungen für den Vertrieb digitaler Hörbücher aufgedrängt haben. Bestehende Lizenzverträge sollen gekündigt und die Verlage dadurch in ein Flatratemodell gezwungen werden, mit dem sie deutlich geringere Umsätze erzielen.

Lange Zeit galt Amazon als ärgster Konkurrent der kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen. Kritiker meinen, der Online-Händler nehme eine Vormachtstellung ein und zerstöre die kulturelle Vielfalt in Städten und Dörfern. Dass das nicht überall so sein muss, beweist der „Viktoriagarten“ in Potsdam. Das kleine Café im Buchladen wirkt wie ein Magnet auf die Kiezbewohner im Westen der Stadt, erzählt Inhaberin Stefanie Müller. „Es macht den Buchladen attraktiver und lädt zum Verweilen ein. Rein zahlenmäßig würde es sich allein nicht rechnen“, sagt Müller. Der Buchladen hingegen wirft so viel Gewinn ab, dass beide Inhaberinnen gut davon leben und sich zusätzlich zwei Aushilfen leisten können. Große Internethändler sind für den „Viktoriagarten“ kein Problem, denn die Kunden legen auf ganz andere Dinge wert: „Wir haben einfach den Charakter einer Kiezbuchhandlung. Die Leute, die zu uns kommen, wollen uns ganz bewusst unterstützen.“

Stationäre Buchhändler machen mehr Umsatz

Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels lagen die stationären Buchhändler 2014 beim Umsatz mit 49 Prozent weit vor dem Internethandel, der nur 16,2 Prozent ausmachte. Dieses Verhältnis hat sich in den vergangenen vier Jahren kaum verändert. Auch die Anzahl der Buchhandlungen in Brandenburg hat sich bei rund 135 eingepegelt. Die Geschäftsführerin des Brandenburgischen Landesverbands vom Börsenverein Deutscher Buchhändler Johanna Hahn bestätigt dennoch, dass Amazon den inhabergeführten Buchläden besonders in einem Flächenland wie Brandenburg gefährlich wird. Aber die Händler seien mittlerweile über die „Starre des Anfangs“ hinaus. „Vor zwei bis drei Jahren war die Bedrohung enorm. Wenigstens ist sie bis jetzt nicht größer geworden“, sagt Hahn. Dank der Buchpreisbindung, an die sich alle Händler halten müssen, seien auch Ketten wie Thalia oder Hugendubel keine preisliche Bedrohung für kleine Läden. Dennoch belaste die niedrige Kaufkraft im Land alle Händler.

Michaela Loth betreibt ihr Geschäft „ Ein Buchladen“ in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) seit fast 15 Jahren. Die Umsätze seien schon seit Jahren stabil. „Anfangs habe ich die Konkurrenz durch Amazon schon zu spüren bekommen. Die Kunden haben besonders die kurzen Lieferzeiten als Vorteil gesehen“, sagt Loth. Nachdem der Konzern aber negativ durch die Medien ging, seien viele zurückgekehrt. „Es war wichtig, den Leuten zu erklären, was bei Amazon im Hintergrund abläuft und dass wir die Bücher sogar in weniger als einem Tag liefern“, so Loth.

Läden profitieren von Berlin-Nähe

Dass Amazon seine wenigen Steuern in Luxemburg bezahlt und die Ware mit den alten Transportern der Deutschen Post ausfährt, hat auch Frank Förster, Inhaber der Kurt-Tucholsky-Buchhandlung in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin), seinen Kunden erklärt. Einige kommen seither wieder bewusst zu ihm, aber angespannt sei seine Situation trotzdem. „Ich lebe von den Touristen, die regionale Literatur oder Landkarten kaufen. Ohne die würde es meinen Laden nicht mehr geben“, sagt er.

Im Gegensatz zu den ländlichen Regionen ist die Situation in Berlin-Nähe entspannter. Die Brunnen-Buchhandlung in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), die wie viele andere im Land aus den ehemaligen Volksbuchhandlungen der DDR hervorgegangen ist, bewegt sich ganz bewusst auf der Höhe der Zeit. „Man muss natürlich gegensteuern“, sagt Inhaberin Sabine Marx zum Thema Amazon. „Unser eigener Web-Shop ist ein sehr erfolgreiches Modell.“

„Buchhandlungen wird es immer geben“

Matthias Voigt ist Chef der Havelländischen Buchhandlungsgesellschaft ( Havelbuch) und leitet acht Buchhandlungen an verschiedenen Standorten in Brandenburg. Gutes Geschäft mit Büchern zu machen sei schwer, sagt Voigt. Er selbst habe sich auf die Fahne geschrieben, im Berliner Umland sesshaft zu werden. Mehr oder weniger erfolgreich, wie die Vergangenheit zeigte. „Die Filiale in Velten (Oberhavel) zu halten, war von Anfang an schwierig. Weil es in Hohen Neuendorf immer mehr Zuzug gibt, haben wir die Filiale letztlich dorthin verlegt“, sagt Voigt.

Die Stammfiliale in Nauen (Havelland) lebe hauptsächlich von Firmenkunden und Schulbuchbestellungen. Seit Dezember 2014 gibt es auch einen Laden in Werder (Potsdam-Mittelmark), der vor allem aufgrund der positiven Einwohnerentwicklung den Zuschlag bekommen hat. Das verdeutlicht, dass nicht nur Amazon den Buchläden gefährlich wird, sondern vielmehr ihr eigener Standort. „Buchhandlungen wird es trotzdem immer geben“, hofft Voigt. Denn der Besuch im Buchladen sei immer ein Erlebnis.

Von Luise Fröhlich

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