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Wartesaal auf Hiddensee

„Kruso“-Theaterpremiere in Potsdam Wartesaal auf Hiddensee

Elias Perrig inszeniert am Potsdamer Hans-Otto-Theater „Kruso“. Premiere ist am Freitag. Der gleichnamige Roman von Lutz Seiler, der 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, erzählt von DDR-Aussteigern im letzten Sommer vor dem Mauerfall.

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Elias Perrig inszeniert „Kruso“.

Quelle: Foto: Judith Schlosser

Potsdam. Zum Wartesaal für Aussteiger wird die Insel Hiddensee in Lutz Seilers Roman „Kruso“, der 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Erzählt wird die Geschichte von „Schiffbrüchigen“ im letzten Sommer der DDR, die sich in einer hippiesken Gemeinschaft als „Eskas“ – Saisonkräfte – auf der Insel durchschlagen. Bei gutem Wetter Dänemark vor Augen, scheuten die Dagebliebenen den Sprung ins Meer als letzten Schritt ihrer Flucht.

Mit dem Mauerfall zerfällt auch die Notgemeinschaft. „Es ist die Tragödie, dass mit dem Ende des DDR-Systems leider auch dieses utopische System zerfällt“, sagt Elias Perrig, der „Kruso“ für das Hans-Otto-Theater inszeniert. Am Freitag ist die Premiere im Neuen Theater.

Protagonisten sind Edgar Bendler (Holger Bülow), der auf die Insel flieht, und Alexander Krusowitsch (Raphael Rubino), der ihm zum Freund wird und sich als Autorität und zentrale Figur im Beziehungsgeflecht der Schiffbrüchigen erweist.

Elias Perrig (50), aufgewachsen in Hamburg und Luzern, führte seit 1992 an vielen Bühnen in Deutschland und der Schweiz Regie. Von 2006 bis 2012 war er Schauspieldirektor in Basel. Am Hans-Otto-Theater stellte Perrig sich im Herbst 2013 mit Dennis Kellys „Die Opferung von Gorge Mastromas“ vor, später folgten „Orpheus steigt herab“ von Tennessee Williams und „Zorn“ von Joanna Murray-Smith.

„Kruso“ ist die erste Regiearbeit Perrigs, die ostdeutsche Zeitgeschichte berührt. „Mit DDR-Stoff habe ich mich in dieser Intensität erstmals beschäftigt.“ Die eigentliche Botschaft ist nach seiner Ansicht allerdings weitgreifender: „Der Kerngedanke ist tatsächlich der den Kruso hat, dass die eigentliche Freiheit in jedem einzelnen steckt. Dass es eher darum geht, sie zu erwecken oder zu finden als darum, wo man jetzt lebt.“

Die vom Zufall zusammengewürfelte Gruppe auf Hiddensee und speziell im Ausflugslokal „Klausner“, in dem Edgar als Tellerwäscher arbeitet, versteht Perrig als Gleichnis für einen utopischen Ort: Wie etwa auch im Theater verbringen die Leute dort eine gemeinsame Zeit, „um nach etwas zu suchen, was für ihr Leben relevant ist“.

„Kruso“ ist nach „Der Turm“ von Uwe Tellkamp der zweite Versuch des HOT-Ensembles unter Intendant Tobias Wellemeyer, einen gefeierten Roman mit einer in der Vorwendezeit der DDR gründenden Handlung auf die Bühne zu bringen. Und wie bei der geglückten „Turm“-Inszenierung Wellemeyers (in der Hauptrolle als Christian Hoffmann auch da Holger Bülow) im Herbst 2010 gibt es auch bei „Kruso“ mehrere fast gleichzeitige Premieren.

Damals waren es Dresden und Wiesbaden, dessen Theater wie Potsdam mit einer Bühnenfassung von John von Düffel arbeitete. Diesmal sind es Gera und Magdeburg. Dort wurde das Stück vor wenigen Tagen in einer Textbearbeitung von Dagmar Borrmann uraufgeführt, nach der auch in Potsdam gespielt wird. Die Inszenierungen der Kollegen habe er sich nicht angesehen, sagt Perrig: „Mir war es lieber, da unvoreingenommen ranzugehen.“

Info Premiere Freitag, 19.30 Uhr. Mehr auf www.hansottotheater.de

Von Volker Oelschläger

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