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Brandenburger Freifunker stellen sich vor

Info-Abend im HdO Brandenburger Freifunker stellen sich vor

Die Initiative Freifunk setzt sich in ganz Deutschland für ein freies, flächendeckendes Internet ein. Am Mittwochabend stellte sich die Brandenburger Freifunk-Gruppe der Öffentlichkeit vor. Knapp 15 Hotspots gibt es derzeit in der Havelstadt. Um eine kostenfreie, offene Internetverbindung zu ermöglichen, müssen die Freifunker das Gesetz mit einem Umweg austricksen.

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Chriss Kühnl mit einem Freifunk-Router in der Hand.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Die bundesweite Initiative Freifunk steht für eine freie Kommunikation in digitalen Datennetzen. „Wir wollen erreichen, dass es freies, flächendeckendes Internet gibt“, sagt Chriss Kühnl. Der 28-jährige BWL-Student gehört zu einer Gruppe von Brandenburgern, die versucht dieses Ziel nach und nach in der Havelstadt umzusetzen. Am Mittwochabend stellten sich die Brandenburger Freifunker bei einer Informationsveranstaltung im Haus der Offiziere der Öffentlichkeit vor. Sie präsentierten ihre Ideen und Visionen und gaben zudem einen Einblick, wie diese technisch verwirklicht werden können. Das Besondere an Freifunk: jeder kann mitmachen.

In seinem Vortrag im Brandenburger Haus der Offiziere erklärt Chriss Kühnl das Freifunk-Konzept

In seinem Vortrag im Brandenburger Haus der Offiziere erklärt Chriss Kühnl das Freifunk-Konzept.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Das Grundprinzip ist dabei schnell erklärt. Wer einen Internetanschluss hat, kann diesen mit einem speziellen, zusätzlichen WLAN-Router verbinden und darüber eine selbst gewählte Bandbreite der eigenen Leitung für das Freifunk-Netz freigeben. So entsteht eine Art offenes Gastnetzwerk, in das sich jeder einwählen kann. Weder müssen die Nutzer dazu persönliche Daten eingeben, noch gibt es Werbung oder Begrenzungen hinsichtlich der Nutzungsdauer. „Unser Internet soll barrierefrei sein“, sagt Chriss Kühnl.

Umweg über Berlin und Schweden zum Umgehen der Störerhaftung

Was erstmal relativ einfach klingt, ist auf technischer Seite jedoch nicht ganz so leicht. Denn in er Realität kommt das Freifunk-Signal nicht direkt aus dem Router, sondern macht via VPN-Tunnel zunächst einen virtuellen Umweg über Berlin oder sogar Schweden. In Berlin wird es vom Verein Freie Netze empfangen, der es dann auf gleichem Wege wieder zurückschickt. „Der Freifunk-Router funkt es dann schließlich nach außen“, so Kühnl. Ähnlich funktioniert es mit den Schweden.

Dieser Umweg ist notwendig, um die in Deutschland geltende Störerhaftung zu umgehen. Diese besagt, dass derjenige, dessen Internetanschluss für illegale Handlungen verwendet wird, für diese Handlungen verantwortlich und haftbar ist. Dies gilt jedoch nicht für den Verein Freie Netze, der von der Medienanstalt Berlin/Brandenburg gefördert wird. Er besitzt Providerstatus und kann damit nicht haftbar gemacht werden. Da es in Schweden eine solche Regelung nicht gibt, greift die Störerhaftung ebenfalls nicht, wenn das Signal aus dem skandinavischen Land kommt. „Das ist ein bisschen getrickst“, gibt Chriss Kühnl zu, bundesweit gebe es aber bereits mehrere Gerichtsurteile pro Freifunk.

Highspeed-Internet ist nicht das Ziel

Ein politisches Ziel der Freifunker ist ohnehin die Abschaffung der Störerhaftung, die es so nur in Deutschland gibt. „Deshalb gibt es bei uns auch so wenige offene, freie WLAN-Netze.“ Das soll sich mit Freifunk ändern. Vor allem in Nordrhein-Westfalen gibt es schon einige größere zusammenhängende Netze. Auch in Potsdam wird bereits ordentlich gefunkt. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Potsdamern“, sagt Chriss Kühnl. „Wir wissen durch ihre Erfahrung, dass das, was wir machen, läuft.“ Aktuell gibt es in Brandenburg an der Havel knapp 15 Zugangspunkte.

Freifunk im Flüchtlingswohnheim

Ein fester Kern von fünf bis sechs Personen steht hinter dem Engagement von Freifunk Brandenburg. Neben Studium, Beruf und Familie verfolgen sie ihre Ziele im Ehrenamt.

Jeden zweiten Mittwoch im Monat treffen sich die Freifunker im Brandenburger Haus der Offiziere und besprechen aktuelle Themen.

Neue Freifunk-Standorte geben sie auf der Facebook-Seite „Freifunk Brandenburg an der Havel“ bekannt. Derzeit gibt es knapp 15 Zugangspunkte im Stadtgebiet. Sie bieten die gleichen Sicherheitsstandards wie gewöhnliche WLAN-Hotspots im öffentlichen Raum.

Die Freifunker unterstützen gezielt Flüchtlinge, indem sie versuchen ihnen den Zugang zum Internet zu erleichtern. So haben sie etwa in Zusammenarbeit mit dem DRK einen Freifunk-Router in der Flüchtlingsunterkunft in der Fohrder Landstraße in Brandenburg aufgestellt.

Mit ihrem Angebot wollen die Freifunker aber nicht in Konkurrenz zu großen Internetanbietern treten. „Wir wollen kein Highspeed-Internet erreichen“, betont der 28-jährige Student. Vielmehr sei das Ziel der Initiative ein freier Zugang zu Informationen mit einer stabilen Übertragungsrate von einem Megabit pro Sekunde. Es soll möglich sein, sich schnell mit Smartphone oder Laptop mit dem Internet zu verbinden, um zum Beispiel E-Mails zu lesen oder aktuelle Nachrichten zu verfolgen. Freifunk verfolge überdies keine kommerziellen Absichten und arbeitet nach dem Prinzip der Kostendeckung. Freifunk-Router gibt es je nach Leitungsstärke und Reichweite ab 20 Euro.

Von Norman Giese

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